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11.04.2003 - 

IT im Maschinenbau/Maschinenbauer suchen Spezialisten mit Querschnittswissen

Weniger Bedarf an reinen Informatikern

IT-Spezialisten, die etwas von Elektrotechnik oder Maschinenbau verstehen, haben weiter gute Jobchancen bei den Unternehmen des Anlagenbaus. Reine Informatiker dagegen werden weniger gesucht.Von Helga Ballauf*

Stagnation, Standortverlagerung, Stellenabbau: ein Jahr der verpassten Chancen, so lautet die Bilanz 2002 des VDMA-Präsidenten Diether Klingelnberg. Dennoch hält der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer an der Zehn-Jahres-Prognose fest, wonach die Unternehmen bis 2010 um die 50000 Ingenieure brauchen.

Ein Widerspruch? Nur scheinbar, denn die Branche bleibt trotz des enttäuschenden Jahres 2002 und des erwarteten Nullwachstums in diesem Jahr dabei, dass der erhoffte Aufschwung lediglich vertagt ist. Die Auslandsnachfrage steigt bereits wieder, die Kunden hierzulande sind noch zurückhaltend. "Der deutsche Maschinenbau hat sich in einem äußerst widrigen konjunkturellen Umfeld gut geschlagen", so Verbandspräsident Klingelnberg, "aber wir wissen auch, dass die Lage extrem störanfällig ist und bleibt."

Die Produktion in den rund 6000 Unternehmen der Branche fiel 2002 um 3,8 Prozent, der Umsatz um 1,6 Prozent und der Personalstand um 1,8 Prozent auf 885000 Arbeitnehmer. Etwa jeder siebte Beschäftigte im Maschinenbau ist Ingenieur. Hightech-Spezialisten sind und bleiben gesuchte Leute in der mittelständisch geprägten Branche. Laut einer Studie der Prognos AG von 2001 werden die Maschinenbauunternehmen bis 2010 einen Bedarf von insgesamt 47000 Ingenieuren haben, zwei Drittel von ihnen mit dem Schwerpunkt Maschinenbau/Verfahrenstechnik und ein knappes Drittel spezialisiert auf Elektrotechnik. Dazu kommen etwa 2000 Informatiker.

An dieser mittelfristigen Perspektive hat sich aus Sicht des VDMA nichts geändert, betont dessen Arbeitsmarktexpertin Susanne Krebs: "Bei den Ingenieuren gibt es in der laufenden Dekade wegen der Altersstruktur einen hohen Ersatzbedarf. Bei reinen Informatikern und Wirtschaftsinformatikern sieht es anders aus, weil die Firmen in den vergangenen Jahren vor allem junge Leute eingestellt haben." Einen weiteren Grund, warum Informatiker ohne Branchenkenntnis perspektivisch weniger gefragt sind, liefert Rainer Glatz, der Geschäftsführer des Fachverbands Software und Industrial Communication: "Die Maschinenbauunternehmen suchen Leute, die IT-Qualifikationen mit Anwendungswissen verbinden." Auf die Kombination kommt es also an.

Die Stimmung in den deutschen Maschinenbaufirmen ist uneinheitlich und bewegt sich zwischen Hoffen und Bangen. Die Knorr Bremse AG in München gehört zu den Firmen mit stabilen Erfolgen und hat daher "immer Bedarf an qualifizierten Maschinenbauern und Ingenieuren", sagt Unternehmenssprecherin Eva Seifert. Mehr als zehn Prozent der weltweiten Belegschaft arbeiten in Forschung, Entwicklung und Projektierung. Wer neben Maschinenbau- und IT-Fachwissen etwas von Betriebswirtschaft versteht, hat "bei uns gute Entwicklungschancen", verspricht Seifert. Der Mannheimer ABB-Konzern macht dagegen derzeit Schlagzeilen mit rigiden Sparplänen und massivem Personalabbau. Dennoch versäumt auch ABB keine Firmenkontakt- oder Hochschulmesse, um junge Hightech-Spezialisten für sich zu interessieren. Doch kein Firmensprecher will sich im Frühjahr 2003 auf präzise Einstellungs- oder Aufstiegschancen festlegen.

Roboter auf dem Vormarsch

Die Anforderungen an das Schnittstellen-Wissen der Beschäftigten werden weiter zunehmen. Das zeigen die drei Entwicklungsfelder, von denen sich der deutsche Maschinenbau Wachstumsimpulse erhofft. Erstens: Sobald eine neue Technologie - wie etwa die Leichtbauweise für die Automobilproduktion - serienreif entwickelt ist, benötigt die Industrie dementsprechende neue Produktionsanlagen. Zweitens schreitet die Automatisierung von Herstellungsprozessen weiter voran. So ziehen weltweit immer mehr Industrieroboter in die Werkshallen ein, made in Germany. Drittens stellen neue Vorschriften zum produktorientierten Umweltschutz zusätzliche Anforderungen an die Fertigungsmaschinen.

Dass aus solchen Herausforderungen auch wirklich Aufträge für die deutschen Maschinenbauer werden, dafür sorgen die hoch qualifizierten Mitarbeiter der Branche. Rund die Hälfte der Ingenieure beschäftigen sich mit Forschungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsaufgaben. Auf diese Weise hat sich der deutsche Maschinenbau den Ruf erworben, mit speziell gefertigten Maschinen die individuellen Probleme des Kunden zu lösen. Die dürfen dann auch etwas teurer sein als die Produkte der Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

Zurückhaltung beim E-Business

Dennoch gehen das Ende der New Economy, die wirtschaftliche Flaute rund um den Globus sowie der Irakkrieg am Maschinenbau nicht spurlos vorüber. "Die Losung heißt: Sich wieder auf die Kernfelder konzentrieren", beschreibt Fachverbandssprecher Glatz die Tendenz. Das bedeutet beispielsweise, dass im Management dreimal überlegt wird, ob die Firma wirklich ins E-Business einsteigen muss, oder dass Randaufgaben - wie etwa der Betrieb eines Rechenzentrums - ausgelagert werden. So wächst tendenziell die so genannte Sekundärbranche - eigenständige Ingenieurbüros, die als Software- und Systemspezialisten dem Maschinenbau zuarbeiten. Eines ist allerdings nicht zu erwarten: Dass sich die Maschinenbauer bei der Weiterentwicklung des speziellen Produktionswissens von Fremden in die Karten schauen lassen. Diese Aufgaben bleiben auch künftig hoch qualifizierten Ingenieuren in den firmeneigenen Softwareschmieden vorbehalten.

Die ingenieurmäßige Softwareentwicklung ist neben Kenntnissen in Maschinenbau und Elektrotechnik zur dritten Kernkompetenz der Branche avanciert. Doch gerade den kleinen und mittleren Maschinenbauunternehmen fällt es oft schwer, den Qualifikationsbedarf zu decken. Dafür hat der Fachverband Software im VDMA nun das "Kompetenzzentrum - Industrial IT" gegründet. Das Zentrum spricht vor allem die Entscheidungsträger an und bietet ihnen Informatik-Basiswissen, "damit Sie die IT-Aktivitäten Ihres eigenen Unternehmens besser verstehen". Die Themenpalette zeigt beispielhaft, wo viele Maschinenbauer Nachholbedarf haben: bei Teleservice, E-Produktion und Datensicherheit. (am)

*Helga Ballauf ist freie Journalistin in München.