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08.05.2006

Weniger Besucher beim Linuxtag

Der Rückzug wichtiger Aussteller rückt die Community in den Mittelpunkt.

Etwas mehr als 9000 Besucher - das sind rund ein Viertel weniger als im Vorjahr. Am Programm kann es nicht liegen. Es war mit mehr als 160 Vorträgen dicht gepackt, und unter den Rednern waren Prominente der Open-Source-Szene wie der Lead-Maintainer des Linux-Kernels, Andrew Morton, sowie der Initiator und Financier der Distribution Ubuntu, Mark Shuttleworth. Traditionell begann der Linuxtag am 3. Mai mit einem Behörden- und einem Business-Kongress unter der Überschrift "Where .com meets .org". Doch im Gegensatz zu den Vorjahren waren diese Kongresse weniger von Berichten über erfolgreiche Linux-Migrationen geprägt, sondern beschäftigten sich mehr mit einzelnen technischen Aspekten und Produkten.

Linux wird fehlerhafter

Für Aufsehen sorgte Kernel-Maintainer Morton auf dem Linuxtag mit seiner Keynote-Rede. "Der Kernel 2.6 wird langsam immer fehlerhafter", beklagte er. "Es scheint, als würden wir mehr Bugs hinzufügen, als wir beseitigen." Das Kernel-Team überlege, die Entwicklung vorübergehend einzufrieren und der Fehlerbehandlung Priorität einzuräumen. Doch nur wenige Programmierer seien motiviert, an Fehlern zu arbeiten. Gerade bei Problemen mit älterer Hardware hätten die Unternehmen, die Kernel-Entwickler angestellt haben, verständlicherweise kein Interesse, dass sich ihre Mitarbeiter mit Dingen beschäftigen, die keiner mehr kauft.

Positiv war sicher die Einrichtung von "Days" für die verschiedenen Distributionen. Eine ganztägige eigene Vortragsreihe gab es zu Opensuse, Debian, Ubuntu und BSD. Letzteres dürfte ein Zugeständnis an die parallel laufende Tagung der deutschen Unix-Anwendergruppe GUUG gewesen sein. Doch auch diese Veranstaltung lockte bei weitem nicht mehr so viele Besucher an wie vor wenigen Jahren.

Schwindendes Interesse

Es gab keinen "Red Hat Day", und das hatte einen Grund. Der weltgrößte Distributor war nicht unter den Ausstellern - und nicht als einziger ferngeblieben: Es fehlten ferner der einstige Großsponsor Hewlett-Packard sowie Oracle, Intel und Microsoft. Google, IBM, Novell und Sun waren vertreten, vermochten aber nicht das Gesamtbild zu verändern: Kommerzielle IT-Anbieter verlieren langsam das Interesse an Linux-Kongressmessen. Dadurch kommt der Linuxtag allmählich dahin zurück, wo er einmal angefangen hat: als Community-Meeting. Die Zahl der ausstellenden Projekte stieg auf über 90.

"Das Interesse an Open Source ist besonders bei IT-Entscheidern und Entwicklern weiterhin hoch", erklärt Martin Schulte von der Open Services GmbH die Entwicklung, "aber Linux ist auch ein Stück Normalität geworden." Wer eine bestimmte Linux-fähige Anwendung sucht, wird inzwischen auf Fachveranstaltungen fündig. Linuxtag-Aussteller wie die Multi-Data Klinik-, Praxis- und Unternehmensberatungs GmbH, deren Abrechnungsprogramm "Compromed" bundesweit in rund 400 Klinikambulanzen und Arztpraxen läuft, zeigen, bis in welche Nischen Linux inzwischen vorgedrungen ist. Trotzdem bleibt der Linuxtag ein wichtiger Termin im deutschen Open-Source-Kalender. Das unterstrich der Besuch von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Sie kam auf Einladung des Linuxverbandes "Live" und ließ sich an dessen Stand die bisherigen Ergebnis- se des Projekts "Comenius" vorführen. In seinem Rahmen haben Schüler und Lehrer aus mehreren europäischen Ländern mit Open-Source-Programmen wie OpenOffice Schulungsmaterialien erstellt. Sie liegen auf Englisch vor und können in die Landessprachen übersetzt sowie im Unterricht frei verwendet werden. (ls)