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24.11.1995

Weniger Grafiken erleichtern Modem-Usern den Zugang Standard-Wirrwarr erschwert das Erstellen von WWW-Seiten

GOETTINGEN (hi) - Kaum ein Unternehmen kann derzeit der Versuchung widerstehen, sein Angebot im Internet und damit sich selbst als innovationsfreudig zu praesentieren. Den Schwarzen Peter haben dabei meist die DV-Abteilungen, die mal nebenbei einen WWW-Server einrichten sollen. Eine Vielzahl von Produkten und Verfahren bietet sich an.

Damit ein WWW-Engagement nicht zum unkalkulierbaren Risiko oder zum Marketing-Fiasko geraet, ist einiges an Planung zu leisten. Dies beginnt mit der Frage, wer eigentlich den WWW-Server betreiben soll: die DV-Abteilung, die ueber das entsprechende fachliche Know-how verfuegt, oder die Marketing-Leute, die moeglicherweise groessere Erfahrung in der Gestaltung ansprechender Inhalte haben. Neben dem Betrieb in eigener Regie bietet sich noch das Outsourcing an einen Provider oder eine Agentur an. Vorteil dabei ist, dass keine Mitarbeiter mit der Server-Installation beschaeftigt werden muessen und der sonst vielleicht noetige Kauf neuer Hardware entfaellt.

Allerdings kann das Outsourcing ins Geld gehen, wenn vor allem bei komplexen Diensten viel Plattenplatz angemietet werden muss. Die Kosten fuer den Server-Betrieb beim Provider liegen im Schnitt bei etwa 2500 Mark pro Monat. Zusaetzlich werden fuer die Pflege je Stunde etwa 250 Mark berechnet.

Beim Eigenbetrieb bieten sich als Server-Plattform neben PC- basierten Loesungen unter Windows vor allem NT und Unix an. Zwar ist die Windows-Variante relativ preisguenstig, hat aber im Gegensatz zu den groesseren Loesungen den Nachteil, dass die PCs keine "richtigen" Netzrechner sind und die Performance zu wuenschen uebrig laesst.

NT und Unix bringen erforderliche Performance

Ebenso bereits im Vorfeld sollte, unabhaengig vom gewaehlten Verfahren, ein Access-Provider gewaehlt werden. Neben dem Preis, dieser schwankt fuer einen 64-Kbit/s-Zugang zwischen 750 und 5000 Mark, sollten Leitungskapazitaet und Anzahl der Zugaenge sowie Bandbreitenbedarf in die Ueberlegungen eingeschlossen werden. Zudem sollte auf die Ausfallsicherheit geachtet werden, da es mit dieser bei guenstigen Angeboten oft nicht zum besten bestellt ist.

Bei der Kalkulation der benoetigten Bandbreite kann laut Joachim Scherer, Scientific Computers GmbH in Aachen, folgende Formel zur Orientierung dienen:

Durchschnittliche Verbindungszahl dividiert durch 86 400 mal Seitengroesse ergibt Bandbreite.

Doch die Groesse der Seite ist nicht nur fuer den WWW-Anbieter in Sachen zu bestellender Uebertragungskapazitaet von Bedeutung. Sie entscheidet oft ueber Erfolg und Misserfolg eines Servers: Denn was beim schnellen Zugriff ueber ISDN noch zu ertraeglichen Aufrufzeiten fuehrt, kann einen Home-User, der nur ueber ein Modem mit einer Transferrate von 14 400 Bit/s verfuegt, zur Verzweiflung treiben. Als unruehmliches Beispiel nennt Scherer Coca-Cola: Das Unternehmen hatte eine Zeitlang eine wunderschoene Home-Page. Einziger Nachteil war - der Modem-User wartete geschlagene zehn Minuten auf die Uebertragung der Seite.

Hier raet der WWW-Experte zum Masshalten mit grafischen Elementen, um die WWW-Seiten fuer die durchschnittliche Bandbreite von 14 440 Bit/s zu optimieren. Oder, so eine weitere Empfehlung, alternativ Seiten ohne grafische Elemente fuer Benutzer mit langsamen Modems einzurichten.

Geht es um die Gestaltung der entsprechenden WWW-Seiten, fuehrt fast kein Weg an der Seitenbeschreibungssprache HTML vorbei. Diese legt fest, welche Gestaltungselemente zur Verfuegung stehen. Derzeit ist HTML 2.0 Standard. Ueber die Nachfolgeversion 3.0 wird noch diskutiert. Features des naechsten Release sind bereits in einigen Browsern implementiert.

Web-Seiten koennen dabei entweder mit einem einfachen ASCII-Editor oder entsprechenden Tools erstellt werden. Allerdings laesst laut Scherer die WYSIWYG-Funktionalitaet noch zu wuenschen uebrig. Hier setzt der Experte auf die in Kuerze verfuegbaren professionellen Werkzeuge wie "Symposis" von Grif/Inria, "Page Mill" von Ceneca/Adobe, "Netscape Navigator Gold" und andere.

Waehrend die Wahl der Seitenbeschreibungssprache noch einfach ist, bereitet die Ausgestaltung der Seiten aufgrund der verschiedenen Dateiformate Schwierigkeiten. In Sachen Grafik sind derzeit GIF und JPEG die gebraeuchlichen Formate, wobei Scherer aufgrund der wegen Lizenzstreitigkeiten ungewissen Zukunft von GIF eher zur Verwendung von JPEG raet. Schwieriger wird es, wenn eine WWW-Seite zudem einen Hauch von Multimedia vermitteln soll, da fuer Tondateien verschiedene Formate verwendet werden. Weit verbreitet sind hier derzeit U-law fuer Unix, AIFF/AIFFC in der Apple-Welt, Wave auf den PCs sowie das plattformunabhaengige MPEG-Format. In Sachen Video gibt es ebenfalls keinen Standard. Gebraeuchlich sind jedoch Quicktime, MPEG sowie VFW.

Doch damit nicht genug, neben dem Wirrwarr der verschiedenen Formate fuer Bild und Ton droht demnaechst auch in Sachen Seitenbeschreibungssprache das Chaos. Gleich mehrere Anbieter wollen mit ihren Sprachen kuenftig den Funktionsumfang von HTML erweitern. Unter der Bezeichnung Frames arbeitet Netscape an einem Verfahren, das es erlauben soll, zwei Dokumente gleichzeitig anzuzeigen. Bei Sun dagegen moechte man mit Hot Java HTML durch ausfuehrbare Programme ergaenzen. Last, but not least hat SGI mit VRML den ersten Versuch gestartet, die Darstellung dreidimensionaler Welten im WWW zu ermoeglichen.

Durchschnittliche Verbindungszahl dividiert durch 86400 multipliziert mit Seitengroesse gleich Bandbreite.