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24.12.1993

Weniger Jobangebote sind kein Grund zur Resignation Fachabteilungen suchen trotz Flaute qualifiziertes Personal

MUENCHEN (hk) - Wechselvolle Zeiten fuer Datenverarbeiter: Die Zahl der einschlaegigen Stellenanzeigen ging um etwa 30 Prozent gegenueber dem Vorjahr zurueck. Dennoch suchen die Unternehmen in dieser Phase des Umbruchs qualifiziertes DV-Personal, allerdings weniger in der zentralen DV als vielmehr in den Fachabteilungen.

Die Wirtschaftsflaute trifft manche jobsuchenden DV-Profis haerter als andere Berufsgruppen, muessen sie doch nicht nur die Auswirkungen der Rezession, sondern auch den Strukturwandel in der Informationsverarbeitung bewaeltigen. Der Trend zum Downsizing und zum Outsourcing ist eine Folge dieser technischen Innovationen und zugleich Ausloeser fuer Umwaelzungen und geringeren Personalbedarf im DV-Sektor, insbesondere im Grossrechnerbereich.

Personaler gehen nicht mehr auf jeden Wunsch ein

"Es hat sich gezeigt, dass DV ohne Anwender nicht funktioniert", hatte Carsten Mueller bereits Ende November beim COMPUTERWOCHE- Round-table ironisch angemerkt. Mit dieser Feststellung wollte der DV-Leiter des Duisburger Kloeckner-Handelshauses an die zur Zeit vieldiskutierte neue Rolle der zentralen DV erinnern.

Der eiserne Vorhang zwischen Programmierern und Fachabteilungen sei gefallen, und der muendig gewordene Anwender lasse sich vom Computerprofi nicht mehr ins Bockshorn jagen. Dies wiederum bedeute fuer die DV-Experten, wollten sie noch ernst genommen werden, dass sie sich dem Dienstleistungsgedanken verschreiben und offensiv die Bedeutung ihrer Arbeit verdeutlichen muessen. Die zentra- le Frage fuer die Computerprofis in den Unternehmen lautet demzufolge: Wie ueberzeuge ich das Management von der Bedeutung der DV, und wie unterstuetze ich die Optimierung der Geschaeftsprozesse mit meiner Taetigkeit?

Nie war die Diskussion ueber den Stellenwert und den Nutzen der DV verbreiteter als heute. Wenn das Management jede Abteilung auf ihre Profitabilitaet untersucht, wenn Konzerne ganze Unternehmensbereiche schliessen, muss sich auch der Datenverarbeiter immer haeufiger die Frage nach dem Nutzen seiner Arbeit gefallen lassen.

Der gewaltige Kostendruck reisst auch die Computerprofis aus ihrem Dornroeschenschlaf: "Bis vor kurzem waren wir die Koenige", meint Norbert Ruppenthal, jahrelang DV-Chef beim Brillenhersteller Rodenstock in Muenchen; heute dagegen muessten bereits viele Experten um ihren Job zittern.

Nicht nur die muendigen Anwender, sondern auch die Personalverantwortlichen treten den Computerprofis ordentlich auf die Zehen. Sie wollen die Gunst der Stunde nutzen und endlich Ordnung in die aus ihrer Sicht chaotisch arbeitende Abteilung bringen.

Jahrelang mussten sich Personaler die Kapriolen der DV-Chefs gefallen lassen, so die Klage eines Frankfurter Bankers, und jede Weiterbildungsmassnahme und jede Gehaltsforderung schlukken, nach dem Motto: Ein DV-Spezialist ist einfach teurer und braucht mehr Schulung als ein Buchhalter.

Nun aber draengt der Personalverantwortliche auf eine Strukturierung der Taetigkeiten und vor allem der als hoch eingeschaetzten Gehaelter.

Diesem Wunsch kommt jetzt eine aus dem Englischen uebersetzte Broschuere entgegen, die eine bisher nie dagewesene, klare und detaillierte Zusammenstellung von Anforderungen fuer die einzelnen Informatikberufe beinhaltet. Diese Struktur der DV-Berufe, die im uebrigen fuer ganz Europa gelten soll, ist eine Sammlung standardisierter Beschreibungen von Merkmalen und Qualifikationsanforderungen, die die wesentlichen Aufgabenbereiche der Informatik abdeckt.

Die European Informatic Skills Structure (EISS) beruht auf einem Matrixmodell, das einerseits DV-Taetigkeiten umfasst und andererseits zehn Ebenen, die den Anforderungen an die Mitarbeiter entsprechen. Diese Abstufung beginnt mit dem ungelernten Beschaeftigten und reicht bis hin zum Verantwortlichen fuer den Gesamtbereich der Informatik.

Waehrend die einen auf der Suche nach einem Schema sind und die Ordnung suchen, agieren andere genau entgegengesetzt. So will sich zum Beispiel das Beratungshaus Ploenzke in Kiedrich von der Stellenbeschreibung verabschieden. Sie spiegelt nach Auffassung von Uwe Todte nicht die aktuelle Situation in der DV wider.

Der Geschaeftsfuehrer der Ploenzke-Akademie ist dabei, die Rollenbeschreibung einzufuehren. Sie sei im Gegensatz zur Stellenbeschreibung kein statisches Element und daher anforderungsgerechter als die klassische Jobbeschreibung. Er erlaeutert dies am Beispiel der Projektarbeit: Einmal wird der Mitarbeiter als Entwickler eingesetzt, ein anderes Mal agiert er als Systemarchitekt, ein drittes Mal gar als Qualitaetsicherungs- Verantwortlicher etc.

"Die Stellenbeschreibung ist dagegen ein Ordungskriterium, das formale Zustaendigkeiten regelt", so Todte. Aus der Abkehr davon ergebe sich auch ein neues Karriereverstaendnis, das da heisst: Nicht Mitarbeiter kontrollieren, sondern viele Rollen beherrschen. Inwieweit sich diese Auffassung von Berufsentwicklung umsetzen laesst, werden die naechsten Jahre zeigen. Sicher ist nur, dass gravierende Veraenderungen anstehen.

Die Arbeitslosigkeit in der DV bleibt konstant

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Computerexperten erwartet, liefert ein Ergebnis der r-&-p-Trendstudie zum Thema DV- Personalstrategie 1994. Demnach beabsichtigen 40 der 100 befragten Unternehmen, ihr DV-Personal in den Fachabteilungen auszubauen, nur zehn dagegen wollen Mitarbeiter in der zentralen DV einstellen. Gebraucht werden, so die Schlussfolgerung der Untersuchung, "fachbereichsversierte DV-Spezialisten mit generalistischem Ueberblick und einem tiefgehenden Verstaendnis der Systeme".

Werner Dostal, Direktor am Institut fuer Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nuernberg, geht davon aus, dass sich die Zahl der beschaeftigten Spezialisten 1994 leicht erhoehen und die der arbeitslosen Datenverarbeiter nicht steigen, sondern genau wie in diesem Jahr etwa fuenf Prozent ausmachen wird.