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28.11.2003 - 

IT in Banken/Banken wollen Druck loswerden

Weniger Kosten - mehr Handlungsfreiheit

Hohe Eigenkosten, verstärkter Wettbewerb und niedrige Margen machen den Banken IT-Investitionen zum Problem. Luft verschaffen könnten sie sich durch IT-Outsourcing, softwaregestütztes Cash-Management und schlankere Prozesse, vor allem im Hinblick auf Basel II, EU-Richtlinien und Factoring. Von Karin Thelemann*

Die deutschen Banken stehen unter massivem Kosten- und Handlungsdruck. Die über die letzten Jahre stark gefallenen Aktienkurse haben auch in ihren Büchern tiefe Spuren hinterlassen, die durch die aktuelle Zwischen-Hausse kaum gemildert werden können. Gleichzeitig fällt für die AGs unter ihnen mit dem niedrigen Aktienniveau die Kapitalbeschaffung über diesen Markt für notwendige Investitionen gering aus.

Hohe Eigenkosten, sowohl intern als auch für den Auftritt gegenüber Geschäftspartnern und Kunden, verstärken den Kostendruck auf die Finanzdienstleister. Zu schaffen machen ihnen auch die wegen des verstärkten Wettbewerbs sehr niedrigen Margen, von denen sie sich nur langsam erholen. Gleichwohl darf die anhaltende Kostenmisere nicht zu Lasten von Investitionen für dringend anstehende Aufgaben gehen.

Für die Banken ist das gleichbedeutend mit einem Seiltanz zwischen unverzichtbaren Maßnahmen und solchen, mit denen sie sich so schnell wie möglich den notwendigen finanziellen Spielraum verschaffen können. IT-Outsourcing - Beispiele sind Deutsche und Dresdner Bank - ist eine solche Maßnahme; mit der richtigen Partnerwahl gibt Outsourcing den Banken wieder Bewegungsfreiheit.

Hohes Wachstum erwartet

Sie können bei geringeren internen Widerständen ihre Prozesse schneller verschlanken, sich veränderten Geschäftszielen flexibler anpassen, ihre IT effektiver konsolidieren und sich besser auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Entsprechend fällt die Prognose von Datamonitor aus. Die US-amerikanischen Analysten sehen den IT-Outsourcing-Markt im Finanzdienstleistungsbereich zwischen 2002 und 2005 um 27 Prozent wachsen. Infrastruktur und Business Process Outsourcing (BPO) sollen demnach die wichtigsten Umsatztreiber sein.

Gute Chancen, ihre Kosten mittels IT-Outsourcing besser in den Griff zu bekommen, haben die Banken schon deshalb, weil Anbieter wie EDS, Hewlett-Packard, IBM Global Services, Siemens Business Services, Steria etc. ihnen erlauben, über externe IT-Services ihre Kosten marktgerecht zu variabilisieren, allerdings mit unterschiedlichen Gebührenmodellen. Eine wohl überlegte Vorbereitung der IT-Auslagerung tut also Not, um als Kreditinstitut auf die anvisierte Kostenreduzierung zu kommen. Zumal die Entscheidungshebel noch in anderer Hinsicht betätigt werden müssen. Zu bedenken sind die Risiken, die mit der Auslagerung einhergehen können: Verlust von IT-Spezialwissen, Anbieterabhängigkeit, fehlende Insourcing-Perspektiven sowie Einschränkung der Prüf- und Kontrollrechte der Bankenaufsicht. Wird das nicht hinreichend bedacht, kann es die Entscheidungsgewalt des Managements und notwendige Umstellungen und Veränderungen hemmen.

Mehr Luft für Investitionen können sich Banken darüber hinaus über ein profes-sionelles Cash-Management verschaffen. Auch das ist Teil der Herausforderungen "Prozessoptimierung" und "höhere Prozesstransparenz", speziell mit Blick auf Basel II. Der Status quo in den meisten Geldautomaten, deutschlandweit über 24000: Entweder sie werden auf Kosten des Tagesgeschäfts von den Schaltermitarbeitern über- oder aber nicht hinreichend gefüllt. Im ersten Fall, der Normalsituation, entstehen der Bank erhebliche Zinsverluste durch brachliegendes Geld. Die aktuelle Überfüllung der Cash-Terminals in Westeuropa wird von Marktkennern im Schnitt auf 45 Prozent veranschlagt. Im zweiten Fall läuft die Bank Gefahr, dass der Karteninhaber zum Konkurrenzautomaten abwandert.

Cash-Management lohnend

Übernimmt stattdessen die Cash-Management-Software die bedarfsgerechte Versorgung der Automaten sowie der Kassensysteme, so treten derartige Probleme in der Regel nicht auf. Die Software löst den Konflikt zwischen angemessener Füllung und den dazu notwendigen Fahrten durch Abbilden des spezifischen Geldkreislaufs, heruntergebrochen auf den jeweiligen Bedarf. Füllzeitpunkt und -höhe einschließlich der Routenplanung für das Werttransportunternehmen können aufeinander abgestimmt werden. Die Hochrechnung historischer Füllmengen - auch an Sonn- und Feiertagen - hilft die Mengen immer besser zu bemessen. Die Rechnung geht für die Banken auf: Durch Reduzieren der überflüssigen Scheine in den über 24000 Cash-Stationen in Deutschland von 45 auf zehn Prozent und einem angenommenen Zinssatz von vier Prozent könnten sie pro Automat und Jahr 1750 Euro einsparen, bei über 24000 Stationen weit mehr als 42 Millionen Euro. Für große Banken wie die HypoVereinsbank beispielsweise mit ihren mehr als 1200 Geldautomaten wären das jährlich über zwei Millionen Euro. Lohnend ist der Einstieg der Banken ins Cash-Management schon deshalb, weil sich Software- und Implementierungskosten in der Regel binnen eines Jahres amortisieren.

Geld für Investitionen, die keinen Aufschub dulden, wird in den Banken dringend gebraucht, zum Beispiel um die EU-Richtlinie zur Sicherstellung der Besteuerung von Zinserträgen umzusetzen. Sie soll den freien Kapitalmarktverkehr zwischen den EU-Ländern entzerren. Danach müssen künftig Zinserträge, unabhängig davon, in welchem EU-Land sie anfallen, von dem Land erfasst werden, in dem der Bankkunde steuerrechtlich veranlagt ist.

Deadline am 1. Januar 2004

Das zwingt die deutschen Kreditinstitute und Fondsverwalter, sich auf die Schnelle als zinszahlende Stellen zu qualifizieren und ihre Abläufe und IT-Systeme dementsprechend anzupassen. Das wiederum geht nicht ohne detaillierte Analyse der Systeme, Produkte und Daten, um den Implementierungsaufwand bemessen zu können. Besonders deutsche Banken mit Tochtergesellschaften und Niederlassungen in anderen EU-Ländern müssen schnell handeln, um sich nicht in den komplexen Außenbeziehungen zu verfangen, und ihre Dependancen im europäischen Ausland auf die länderspezifischen Regeln und Definitionen ausrichten. Der 1. Januar 2004 ist dafür die generelle Deadline.

Eine weitere Neuerung, mit der die Banken schon seit dem 1. Januar dieses Jahres konfrontiert sind, ist die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum Factoring. Es zieht Auswirkungen auf die gewerbesteuerliche Behandlung von Asset-Back-Securities-(ABS-)Transaktionen nach sich. Danach sollen zur Förderung von Kleinunternehmen, zur Eindämmung der Schattenwirtschaft und Verbesserung der Unternehmensfinanzierung Dauerschuldzinsen aus aufgenommenen Refinanzierungsmitteln nicht länger bei der Gewerbesteuer hinzugerechnet werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Veranlagung über eine ABS-Finanzierungsgesellschaft abgewickelt wird, die ausschließlich solche Finanzierungen mit Kreditforderungen von Kreditinstituten betreibt oder nur die Risiken aus Kreditforderungen übernimmt. Diese Bedingungen müssen die Banken mit der Gründung einer entsprechenden Finanzierungsgesellschaft mit geregelten Informationsabläufen zur Muttergesellschaft erst einmal erfüllen. Zusätzlichen Anreiz, über eine ABS-Finanzierungsgesellschaft schnellstmöglich ins Factoring einzusteigen, erhalten die Banken durch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 26. Juni 2003. Danach wird Factoring als unternehmerische Tätigkeit anerkannt.

Darüber hinaus zeichnet sich eine Modernisierung des Investmentwesens und der Besteuerung von Investmentvermögen ab. Das Bundeskabinett hat einen entsprechenden Gesetzentwurf am 20. August dieses Jahres vorgelegt. Darin wird erstmals auch die Veranlagung von Hedge-Fonds als Teil des Investmentrechts thematisiert. Sie können danach als Sondervermögen einer Kapitalanlagegesellschaft oder als Investmentaktiengesellschaft aufgelegt werden. Auch diese Neuerung, einschließlich aller damit verbundenen Sonderregeln und -definitionen sowie Anlagerestriktionen, müssen die Banken schnellstmöglich prozess-, programm- und systemtechnisch innerhalb ihrer Finanzverwaltung umsetzen.

Zudem dürfen die Banken nicht die harten Bestimmungen verdrängen, die ihnen die Richtlinien Basel II des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht auferlegen, auch wenn deren Einführung voraussichtlich von 2007 auf 2008 verlegt wird. Der damit verbundene Anforderungskatalog zwingt die Finanzdienstleister, mit langem Vorlauf Ordnung und Transparenz in ihre Prozesse zu bringen und dadurch die IT-Risiken zu verringern. Dazu gehört eine gründliche Analyse aller bestehenden IT-Systeme und Prozesse, ihre stringente Ausrichtung auf künftige Anforderungen sowie der Anstoß eines Notfall- und IT-Sicherheitskonzepts. Hinzu müssen das Auditing und eine Dokumentation aller Abläufe auf Prozess- und IT-Level kommen. Zielrichtung von Basel II: Kredit- und Adressausfallrisiken zu senken, um auf Dauer die Kapitalsituation der Banken zu verbessern und die Kreditkonditionen für Firmenkunden zu stabilisieren.

Hier schließt sich der Kreis für die Finanzdienstleister: Alle Prozesse sind richtig zu steuern, die IT weitgehend zu konsolidieren sowie das gesamte Geschäft hinreichend abzusichern. Das fordert eine generelle Entscheidung: welche IT-Systeme mit welchen darüber absolvierten Prozessen ausgelagert und welche weiterhin selbst betrieben werden müssen. Genau das, mit Blick vor allem auf die rechtzeitige Bewältigung der anstehender Herausforderungen, ist für die Banken eine strategische Entscheidung ersten Ranges, die schnellstens getroffen werden muss. (bi)

*Karin Thelemann ist Partner für den Bereich Risk Advisary Services bei Ernst & Young in Frankfurt am Main.