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Sinn und Unsinn der "Mergermania" in der TK- und IT-Industrie


17.04.1998 - 

Wenn außer Schlagzeilen nicht viel übrigbleibt

Zumindest für einige Monate konnte sich die TK-Branche im Glanz eines offenkundigen Jahrhundert-Mergers sonnen: Für nicht weniger als 37 Milliarden Dollar kauft der US-Carrier Worldcom den Wettbewerber MCI. Analysten sprachen beim Bekanntwerden der Übernahmepläne Anfang Oktober vergangenen Jahres von der bis dato größten Fusion in der Weltwirtschaftsgeschichte. Diese Tatsache und die Art und Weise, wie der in der Branche als Emporkömmling titulierte Worldcom-Chef Bernard Ebbers den bisherigen MCI-Partner British Telecom (BT) letztlich ausbootete, garantierten wochenlang Schlagzeilen.

Seit vergangener Woche sind allerdings die Rahmenbedingungen des Worldcom/MCI-Deals nur noch "Peanuts" im Vergleich zu der angekündigten, mehr als 140 Milliarden Dollar teuren Fusion der beiden US-Finanzdienstleister Citicorp und Travelers zur weltweit größten Bank.

Doch unabhängig vom Vergleich mit den Global Playern in den internationalen Finanzmärkten kann sich das, was sich 1997 in Sachen Allianzen, Übernahmen und Fusionen innerhalb der weltweiten TK- und IT-Branche getan hat, quantitativ durchaus sehen lassen. Mit 4040 registrierten Firmenzusammenschlüssen, bei denen Gelder in Höhe von insgesamt 242,8 Milliarden Dollar flossen (siehe Abbildung), festigten nach einer Studie der britischen Investmentberater Broadview Associates Computerfirmen und Telefongesellschaften ihren dritten Platz hinter dem Bankensektor und den branchenübergreifenden Consulting-Unternehmen - beides Bereiche, in denen ebenfalls ein sehr starker Konsolidierungstrend spürbar ist.

Während aber die Geschehnisse in der einschlägigen US-Szene weitgehend durch den Worldcom/MCI-Deal und die 9,6 Milliarden Dollar teure Übernahme von Digital Equipment durch Compaq bestimmt waren, spielten sich die vorwiegend den europäischen Markt betreffenden Firmenzusammenschlüsse in deutlich niedrigeren Dimensionen ab.

Broadview Associates führt hier als "Höhepunkte" des vergangenen Jahres zwei Deals im IT-Servicemarkt an: Der Verkauf der Olivetti-Dienstleistungs- und -Beratungstochter Olsy an Wang (650 Millionen Dollar) sowie der Einstieg der südafrikanischen Persetel-Gruppe beim deutschen Netzwerkintegrator Telemation (252 Millionen Dollar).

Auch die Mergers waren vorwiegend US-getrieben

Wie sehr die IT- und TK-Branche aber auch unter diesem Gesichtspunkt noch vom US-Markt dominiert wird, machen zwei andere Beispiele deutlich: Besagte Worldcom/MCI- und Compaq/Digital-Publicity machte den Kauf des City-Netz-Betreibers Teleport durch AT&T, den sich der US-TK-Gigant immerhin elf Milliarden Dollar kosten ließ, fast schon zu einem Randereignis. Und die Tatsache, daß sich 1997 laut Broadview Associates das Volumen aller Firmenzusammenschlüsse im (mit Blick auf die ab dem 1. Januar 1998 wirksame Liberalisierung) schon längere Zeit pulsierenden europäischen TK-Markt mit 32 Milliarden Dollar vergleichsweise bescheiden ausnahm, spricht ebenfalls Bände.

Doch genug der Statistik: Neben dem vielzitierten Trend zur Globalisierung scheint es der Drang zu schierer Größe zu sein, der die Unternehmen umtreibt. Fressen oder gefressen werden, heißt in vielen Schlüsselbranchen die Devise - in Kombination mit Marktparametern wie Deregulierung sowie Preis- und Margenverfall. Hinzu kommt, besonders auch in der IT-Industrie, der offenbar immer wichtiger werdende Service-Aspekt. Früher ausschließlich als Produkthersteller tätige Unternehmen versuchen als Lösungsanbieter und Dienstleister zu reüssieren - das Beispiel Compaq/Digital läßt grüßen!

Bei ihrem Unterfangen, durch spektakuläre Übernahmen neue Märkte und Kunden zu erobern, kommen jedoch immer mehr IT-Companies ins Straucheln. Das schon historisch anmutende Beispiel Siemens/Nixdorf könnte, so vermuten zumindest etliche Branchenbeobachter, demnächst mit dem Schlußkapitel der Siemens-Nixdorf-Ära enden, und auch über den ebenfalls 1997 abgewickelten Kauf des Modemspezialisten U. S. Robotics durch die Networking-Company 3Com urteilte die Fachwelt überwiegend skeptisch: Das Unternehmen hat 6,6 Milliarden Dollar investiert, dürfte aber Jahre benötigen, um die Integration unterschiedlicher Kulturen und Produktwelten zu bewerkstelligen - Erfolgsaussichten ungewiß. Ähnliches erwarten Kritiker bei Compaq/Digital.

Noch pessimistischer beurteilen Experten das Hauen und Stechen im weltweiten TK-Markt. Neben Mergers á la Worldcom/ MCI sind dort seit Jahren globale Allianzen Trumpf - von denen aber viele nach Ansicht der Gartner Group bis dato nicht viel mehr als bloße Papiertiger sind.

Große TK-Allianzen bis dato bloße Papiertiger

Die Marktforscher führen in einer kürzlich erschienen Analyse unter anderem das Joint-venture von Deutscher Telekom, France Télécom und Sprint, Global One, und das von AT&T angeführte Unisource-Konsortium an. Beide Gruppierungen leiden, wie sich längst unter Branchenkennern herumgesprochen hat, unter der strategischen Konzeptionslosigkeit der jeweiligen Gesellschafter. Diese engagieren sich bislang nur halbherzig für ihre auf TK-Services für global tätige Unternehmen fokussierten Töchter. Außerdem machen sie selbigen zum Teil noch mit eigenen Auslandsniederlassungen Konkurrenz. Ergebnis: Hohe Anlaufverluste, uneinheitlicher Auftritt beim Kunden, unzufriedene Anwender.

Für Anwender, die mit den selbsternannten Global Playern ins Geschäft kommen wollen oder müssen, ist deshalb guter Rat teuer. Insbesondere im TK-Bereich, wo sich die Konsolidierung in Europa laut Gartner Group erst in den kommenden Jahren so richtig auswirken dürfte. Eine langfristige Bindung an einen der neuen Carrier, die fast täglich wie Pilze aus dem Boden schießen, ist daher nicht nur aufgrund des zu erwartenden weiteren Preisverfalls bei den Tarifen wenig ratsam. So gehen die Marktforscher davon aus, daß sich der momentan boomende TK-Markt auf dem Alten Kontinent von derzeit rund 4000 Netzbetreibern bis 2005 wieder auf ein Fünftel dieser Anbieter reduzieren dürfte.

Also doch ein schlagendes Argument für Größe? Nur bedingt, meinen die Analysten von Broadview Associates, die vor allem kleinere Mergers wie Wang/Olsy oder den schon vor Jahren realisierten Einstieg der Computer Sciences Corp. (CSC) beim deutschen IT-Dienstleister Ploenzke AG positiv beurteilen, wenngleich es sich hierbei um spezifische "Win-win-Situationen" in sich geografisch ergänzenden Märkten handelt. Wer indes als Anwender - egal ob im IT- oder TK-Bereich - ausschließlich auf vermeintliche Größe und Sicherheit seines Anbieters setze, könne unangenehm überrascht werden.

Doch zurück zum TK-Markt: Auch die sich abzeichnende Invasion Europas durch US-amerikanische Telcos wie GTE, Bellsouth oder Bell Atlantic stößt auf Skepsis. So spricht die Gartner Group den ehemaligen Baby Bells schlichtweg das "technische Rüstzeug zum Global Player" ab. Keine guten Karten also für deren Partner in spe wie etwa den Telekom-Herausforderer Otelo - und damit auch für deren Kunden.