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14.06.1996 - 

Bei der Einführung von Telearbeit ist Technik nicht mehr das Problem

Wenn Führungskräfte mit TCP/IP und ISDN auf Kriegsfuß stehen

Ist die Telearbeit nur ein Medienereignis oder tatsächlich ein Zukunftsmarkt - das ist nicht erst seit gestern die Frage. "Bis vor zwei Jahren verlief die Ausbreitung der Telearbeit in Deutschland zwar stetig, aber schleichend", konstatiert Birgit Godehardt, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens TA Telearbeit in Geilenkirchen. Erst in letzter Zeit könne man von einem Boom sprechen.

Derzeit gebe es in Deutschland zwischen 2000 und 150000 Teleworker, meint die Beraterin. Mit dieser wenig exakten Schätzung befindet sich Godehardt innerhalb ihrer Zunft in bester Gesellschaft. Woher kommt das? Die einen zählen nur Teleheimarbeiter, andere auch Außendienstmitarbeiter, die ein Notebook einsetzen.

Von 8,5 Prozent im Jahr 1985 wuchs das Interesse der Bevölkerung an Telearbeit nach Angaben von Werner Korte, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Empirica GmbH in Bonn, 1994 auf 31,4 Prozent. Das realistische Telearbeitspotential liege allerdings bei nur sieben Prozent, erläuterte Korte, weil nicht alle Berufssparten überhaupt für diese Arbeitsform in Frage kommen. Telearbeit wird die normale Betriebsarbeit also nicht verdrängen.

Klare Aussagen über die Ausbreitung der Telearbeit in den vergangenen zehn Jahren bleiben die Berater schuldig. Den Verdacht, sie wollten damit womöglich ihre früheren Prognosen vor dem Vergleich mit der Realität schützen, entkräften die Gewerkschaftsvertreter, denen solche Daten auch nicht vorliegen. "Es geistern viele Zahlen durch die Presse, aber die sind nicht belegt", meint Ingrid Kairat aus der Abteilung Tarifpolitik der IG Metall.

Als Hinderungsgründe für Telearbeit in einer 1985 durchgeführten Empirica-Umfrage gaben die meisten der befragten Entscheidungsträger an, es bestehe kein Veränderungsdruck oder der finanzielle Aufwand sei zu hoch. 1994 dagegen verfügte die Mehrzahl über unzureichende Kenntnisse zu dem Thema oder beklagte sich über Führungsprobleme. "Der deutsche Manager ist nicht gewohnt, Menschen zu führen, die er nicht sieht", bringt Korte das Problem auf den Punkt. Die Blockade komme daher meist nicht vom Betriebsrat, sondern vom Management.

Kairat von der IG Metall skizziert die Haltung der Gewerkschaft zum Thema Telearbeit so: "Es besteht zwar Regelungsbedarf, aber wir können und wollen uns der neuen Technik nicht verschließen." Sie betrachtet Telearbeit als ausgelagerte Betriebsarbeit, für die gleiche Entlohnung und Urlaubsansprüche gelten müssen. Die Teilnahme an den Betriebsversammlungen sollte ebenso wie Sozialversicherungspflicht und Ergonomie am (Heim-)Arbeitsplatz geregelt sein.

"Stellen Sie sich vor, Sie wollen einem Mitarbeiter schnell etwas mitteilen, aber er ist nicht da. Sie müssen einen Angestellten beurteilen - aber sie haben ihn wochenlang nicht mehr gesehen. Sie wollen einem wichtigen Kunden die Firma zeigen, aber es ist nur die Sekretärin da", beschreibt Gilbert Anderer, Geschäftsbereichsleiter bei der Unternehmensberatung Integrata AG in Tübingen, die Problematik der Telearbeit plastisch. Das nage am Selbstbewußtsein der Führungskräfte, ergänzt er. Die Situation ist seinem Unternehmen nicht fremd, denn Integrata beschäftigt selbst auch Teleworker.

Das Management als den eigentlichen Ansatzpunkt für Veränderungen hat auch der Bereich Private Kommunikationssysteme der Siemens AG ausgemacht. Ein Strategie-Workshop konnte die Manager überzeugen, ein Pilotprojekt zu wagen. Die Teilnehmer arbeiten zur Hälfte zu Hause, das Unternehmen stellt ihnen PC, Drucker, ISDN-Anschluß und -Telefon.

Dabei gelten die bestehenden betrieblichen und tariflichen Regelungen unverändert auch für den heimischen Arbeitsplatz.

Günter Förster, Abteilungsdirektor bei Siemens in München, bezeichnet die Verhandlungen um die Betriebsvereinbarung als "harte Nuß". Dagegen hält Rolf Camerer, stellvertretender Direktor bei der Württembergischen Versicherungsgruppe in Stuttgart, eine Betriebsvereinbarung in der Pilotphase für eher hinderlich. "Der Betriebsrat muß Telearbeit zu seinem Anliegen machen. Er ist der beste Verkäufer", fügt Camerer hinzu. Die Versicherung hatte zunächst aus Personalmangel zu dem Rettungsanker Telearbeit gegriffen und beschäftigt jetzt rund 20 Mütter im Erziehungsurlaub zu Hause. Offensichtlich erfolgreich, denn Camerer vermutet, daß der Austausch von Dokumenten über Workflow-Systeme die Entwicklung noch weiter vorantreiben wird.

Welche Technik brauchen Telearbeiter?

Ein alter Hase im Teleworking ist die IBM, die erste Projekte Ende der 80er Jahre startete und sich in dieser Angelegenheit hierzulande zum Vorzeigeunternehmen gemausert hat. Anlaß für den Einstieg in die Telearbeit war zum einen die Situation von Entwicklungsingenieuren, die nur dann eingreifen müssen, wenn ein Job "hängt" - das aber auch außerhalb normaler Arbeitszeiten. Die Möglichkeit, zu Hause Bereitschaftsdienst zu machen, ersparte den Stuttgartern eine zweite Schicht. Zum anderen hatte das Unternehmen oft gute Mitarbeiter/innen verloren, wenn der Familiennachwuchs sein Recht forderte. Von anfangs rund 100 Telearbeitern wuchs die Zahl nach Angaben von Werner Zorn, Projekt-Manager für flexible Arbeit und Telearbeit bei IBM, bis heute auf etwa 2500, davon sind rund 350 ganz im heimischen Büro tätig.

Der technische Support für die Kollegen und Kolleginnen zu Hause ist bei IBM folgendermaßen geregelt: Bei Anwendungsfragen kann jeder Telearbeiter bei einem Telefon-Helpdesk anrufen. Läßt sich auf diese Weise das Problem nicht lösen, wendet er oder sie sich an das Local Information Center. "Wenn ich nicht weiterarbeiten kann, müssen die noch am gleichen Tag mit mir Kontakt aufnehmen, sonst innerhalb von drei Tagen", berichtet Zorn, selbst Teleworker. Reparaturen führt der technische Außendienst durch.

"Von zu Hause aus kann ich alles machen, was ich in der Firma auch tun könnte", äußert Zorn. Die Technik stellt also keine Barriere mehr dar. Das war im übrigen auch die einhellige Meinung unter den Referenten des von Communic organisierten Kongresses "Telearbeit und virtuelle Unternehmen" in München.

Wie sieht es nun aber mit dem technischen Rüstzeug für die Teleworker aus? Zur Ausstattung eines Telearbeitsplatzes gehören Hardware, Anwendungssoftware und Telekommunikationstechnik. Als Hardware eignen sich PCs, seltener werden Laptops oder Workstations eingesetzt. Die Aufgaben am Arbeitsplatz bestimmen, welche Anwendungssoftware ausgewählt wird. Für die Sprachkommunikation ist ein Telefon unerläßlich.

Um die Datenkommunikation zwischen Telearbeitsplatz und Unternehmenszentrale zu realisieren, muß der Computer nach Auskunft von Godehardt mit entsprechender Hardware für die Telekommunikation ausgestattet werden (zum Beispiel Modem, Faxkarte, ISDN-PC-Adapterkarte). Kommunikationssoftware für File- Transfer, E-Mail, Telefax, PC-Host-Kopplung und Bürokommunikation seien ebenfalls wichtig. "Bei ISDN handelt es sich um eine besonders sinnvolle Lösung für die Telearbeit, weil sich Sprach-, Daten- und Bildkommunikation über einen Anschluß abwickeln lassen", findet Godehardt.

Die Ausgaben für die Ausstattung der Telearbeitsplätze liegen Godehardt zufolge meist unter 10 000 Mark. Hinzu kommen Telekommunikationskosten, die sich für File-Transfer-Anwendungen etwa im Rahmen von 100 bis 500 Mark pro Monat bewegen, für Dialoganwendungen sollten zwischen 500 und 1000 Mark monatlich veranschlagt werden.

Technisch läßt sich die Anbindung von Telearbeitern an das Corporate Network auf verschiedenste Weise realisieren. "Wir fahren alles über TCP/IP", beschreibt Udo Keim, Marketing-Manager beim Systemhaus Control Data in Frankfurt, die dortige Implementierung. Im Unternehmen sind Notes-Server und ein ISDN/IP- Router installiert. Mit Hilfe von Lotus Notes wird der remote Zugriff realisiert. Auf den mobilen Systemen setzt Control Data das Serial Line Interface Protocol (Slip) ein. Das ist laut Keim eine Emulation, die es ermöglicht, auf mobilen oder Heimsystemen TCP/IP-Calls über Modem oder ISDN zu routen. Das Unternehmen hat sich für diese Lösung entschieden, damit ein Telearbeiter, der in die Firmenzentrale kommt, nichts umkonfigurieren muß. Telearbeiter bei Control Data haben darüber hinaus Zugang zum Internet. Zudem besitzt die Firma eigene Web-Server, die nur den Mitarbeitern zugänglich sind. "Weil der Einsatz von Notes auf Deutschland beschränkt ist, verwenden wir die Web-Technologie für den Kontakt zum Ausland", erläutert Keim.

IBM benutzt hingegen als Software für den remoten Zugriff "LAN Distance" oder "INPCS", wie Big-Blue-Manager Zorn mitteilt. Dabei gebe man LAN Distance den Vorzug, weil es mit einer Rückwählmöglichkeit ausgestattet sei und man von zu Hause aus die LAN-Umgebung am Arbeitsplatz nutzen könne. "INPCS" habe allerdings eine bessere Flächendeckung. Mobile Telearbeiter des Unternehmens verfügen entweder über eine Rückrufeinrichtung, so daß die Kosten bei der IBM und nicht beim Kunden anfallen, oder sind über Funk angebunden ("Radio-PC").

Eine Besonderheit bei Intel ist der Einsatz des hauseigenen Videokonferenzsystems "Proshare". Die Telearbeiter können damit jederzeit das Konterfei ihres Gegenübers sehen. Die rund 40 Teleworker sind über ISDN ans Firmennetz angebunden. Als Software verwendet Intel Lotus Notes in Kombination mit verschiedenen Microsoft-Produkten auf einem Banyan-Netz.

Ist also das Management in den Unternehmen wirklich das einzige Problem, das der Einführung der neuen Arbeitsform im Wege steht? Vieles scheint darauf hinzudeuten. Unklar ist auch noch, wie es um die Aufstiegschancen von Telearbeitern bestellt ist. Nicht alle leitenden Positionen sind für Teleworking geeignet. Werner Zorn von IBM vermutet, daß faktische Gründe bei der Beförderung von Telearbeitern eine größere Rolle spielen werden als persönliche Beziehungen. Andere mit einschlägiger Erfahrung geben zu bedenken, daß in solchen Arbeitsverhältnissen das ganze mittlere Management überflüssig werde und die Telearbeiter von Haus aus eher den Status von freien Mitarbeitern hätten. Damit fielen viele Aufstiegschancen flach.

Checkliste für Telearbeitsprojekte

Zuerst müssen Sie Ausrüstung und Technologie für das Projekt festlegen:

-Welche Anwendungen werden benötigt (zum Beispiel Lotus Notes Smartsuite, Datenbanken, eigene firmenspezifische Anwendungen)?

-Welche Hardware (PCs, Laptops, Server), Betriebssysteme (OS/2, Windows, Windows NT ...) und Protokolle wollen Sie einsetzen?

-Sind analoge Leitungen ausreichend, brauchen Sie ISDN oder soll der Datenaustausch beispielsweise über GSM abgewickelt werden?

-Ist der Zugriff auf zentrale Datenbanken (zum Beispiel Oracle, Sybase, DB/2) erforderlich/gewünscht?

-Paßt die Lösung mit der existierenden Netzinfrastruktur im Unternehmen zusammen?

-Gewährleistet sie schnellen und zuverlässigen Zugriff?

-Sind die Sicherheitsvorkehrungen ausreichend?

-Ist das Client-Interface einfach zu nutzen?

-Ist die Lösung skalierbar, so daß sie mit dem Programm wachsen kann?

Als nächstes gilt es, sich um Ausbildung und Support der Telearbeiter zu kümmern:

-Erstellen Sie eine schriftliche Anleitung für die Telearbeiter (Selbsthilfe!) und den Support.

-Verteilen Sie eine Liste von Anlaufstellen, bei denen die Telearbeiter im Falle von Störungen Hilfe erhalten können.

-Der User-Support sollte für die speziellen Probleme der Telearbeiter geschult werden.

-Bringen Sie den Telearbeitern bei, wie sie ihre Schwierigkeiten beschreiben müssen.

-Trainieren sie die Telearbeiter im richtigen Umgang mit Software und Geräten (auch Backups anlegen und Überprüfung auf Viren).