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22.10.2004

Wenn Maschinen miteinander reden

Bernhard Kickenweiz
Die Radiofrequenz-Identifikation ist eine Technik, die ohne menschliche Intervention auskommt.

Für einiges Rätselraten sorgte der japanische Mobilfunkanbieter NTT Docomo, als er Folgendes bekannt gab: Für das Jahr 2010 rechnet er in seinem Heimatmarkt mit 360 Millionen Teilnehmern. Japan zählt derzeit ungefähr 127 Millionen Einwohner, und eine Bevölkerungsexplosion steht wahrscheinlich nicht ins Haus. Die Auflösung lieferte NTT Docomo kurz darauf selbst - mit der Aussage, bis zum Anbruch des neuen Jahrzehnts würden rund zwei Drittel der Mobilfunkteilnehmer Maschinen sein. Der kalkulierte Publicity-Gag machte schagartig klar, um welche wirtschaftlichen Dimensionen es bei der Maschine-zu-Maschine- oder kurz M-to-M-Kommunikation geht.

Alles andere als Science-Fiction

In der Tat eröffnet die automatisierte Kommunikation zwischen Maschinen und Systemen völlig neue Perspektiven: So statten Büromaschinen-Hersteller wie Xerox oder Toshiba ihre Geräte seit Jahren mit drahtlosen Kommunikationsmodulen aus. Dadurch konnten sie Servicequalität, Nutzungszeiten und Kundenbindung verbessern und gleichzeitig die Kosten signifikant reduzieren.

Auch in der VW-eigenen "Autostadt" bei Wolfsburg sorgen M-to-M-Lösungen für einen reibungslosen Ablauf. Im Facility-Management kontrollieren vollautomatisierte Systeme die technischen Anlagen von der Gasleitung bis hin zu den Server-Räumen. Sogar amerikanische Drive-in-Schnellrestaurants nutzen M-to-M-Systeme mit beachtlichem Erfolg: Durch automatisierte Erfassung der Drive-In-Kundschaft und zeitnahe Integration dieser Daten in die Arbeitsabläufe der Restaurants konnte die Hamburger-Kette Checkers die durchschnittliche Bearbeitungszeit einer Bestellung von 2,6 auf 1,3 Minuten senken. Für den Kunden bedeutet dies eine um 18 Prozent verkürzte Wartezeit, für Checkers eine Steigerung der Kundenzahl um zehn Prozent.

M-to-M-Lösungen bauen nicht auf einer einzelnen Technologie auf. Vielmehr stellen sie stets eine intelligente Kombination unterschiedlicher Kommunikationsstandards dar: Von einfachen GSM-Funkmodulen, die auf dem General Packet Radio Service (GPRS) oder auf SMS aufsetzen, reicht die Palette über preiswerte Chips und RFID-Etiketten bis zu komplexen Technologien, die auf WLAN, Bluetooth oder UMTS basieren.

M-to-M-Systeme versprechen Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen deutliche Produktivitätsvorteile auf allen Stufen der Wertschöpfungskette. Im Bereich der Versorgungsketten ermöglichen sie Produktivitätsverbesserungen von bis zu 40 Prozent - bei einer Amortisationszeit von weniger als zwei Jahren. Bei der Vertriebsunterstützung sind Produktivitätssteigerungen um 30 Prozent möglich, die Investitionen zahlen sich in maximal einem Jahr aus. Und auch die Steuerung von Warenflüssen kann davon profitieren - mit einer um bis zu 30 Prozent erhöhten Produktivität.

Größter Zuwachs bei RFID

Der unmittelbarste und deutlichste Zuwachs von M-to-M-Lösungen ist im Rahmen der Radiofrequenz-Identifikation (RFID) zu erwarten. Die Identifikation von Objekten und Produkten mittels "smarter" Chips, Radiowellen und Lesegeräten ermöglicht eine nie da gewesene, völlige Transparenz der Bestände und eine lückenlose Warenverfolgung.

Vorteile für Händler

Händler können davon vor allem in vier Bereichen profitieren:

- Eine verbesserte Logistik reduziert die Lagerbestände. Dadurch sind einmalig Einsparungen von fünf Prozent der gesamten Bestandskosten möglich. In Bezug auf den deutschen Einzelhandel entspricht das geschätzten 400 Millionen Euro.

- Die deutlich gesteigerte Effizienz der Prozesse in Geschäften und Warenlagern kann die Personalkosten um fünf bis 15 Prozent senken.

- Hinzu kommt, dass die Neuorganisation des Bewirtschaftungsprozesses eine verbesserte Transparenz und Verfügbarkeit der Produkte in den Regalen und Lagern bedeutet. Auf diese Weise lässt sich der Gewinn um bis zu fünf Prozent steigern.

- Schließlich können die Unternehmen dank höherer Transparenz der Bestände auch dem Lager- und Regaldiebstahl besser begegnen. Die Reduzierung des Schwunds sorgt unter Umständen für zusätzlichen Umsatz von zwei bis vier Prozent.

Damit ermöglicht RFID, wie eine aktuelle Studie von A.T. Kearney zeigt, einen jährlichen Zugewinn von 70 Millionen Euro pro Umsatzmilliarde. So beläuft sich die durch RFID erzielbare Gesamtersparnis für den Handel auf etwa sechs Milliarden Euro.

Zuschussgeschäft

Für die Einführung der RFID-Technik und die Anpassung an den Electronic Product Code (EPC) müssen die Händler allerdings auch Kosten einplanen. Laut derselben Studie fallen durchschnittlich etwa 300000 Euro Projektkosten pro Warenverteilzentrum an - zuzüglich weiterer 50000 bis 100000 Euro für RFID-Tags, -Reader und -Lesegeräte. Für die notwendige Middleware und die mitunter aufwändige Integration der Systeme in den Organisationsprozess ist darüber hinaus ein zweistelliger Millionenbetrag notwendig. Das sind beachtliche Summen. Auf der anderen Seite fällt der Großteil der Kosten für die Händler nur einmal an.

Ganz anders sieht die Sache dagegen für Hersteller von Konsumgütern aus. Neben den einmaligen Aufwendungen für die RFID-Lese- und Systemintegration müssen sie auch die laufenden Kosten für das Anbringen und die Pflege der RFID-Tags auf Paletten, Verpackungseinheiten und Produkten aufbringen.

Arzneimittelhersteller und Anbieter von hochpreisigen Produkten werden von der verbesserten Warenverfügbarkeit deutlich profitieren. Wer hingegen kostengünstige Güter in großen Mengen verkauft, beispielsweise Lebensmittel für den täglichen Bedarf, wird unter dem Strich nicht viel von RFID haben. Für ihn wiegen die Kosten den Nutzen nicht auf.

Hersteller von Konsumgütern sollten daher Kosten und Nutzen der Technologie gründlich prüfen und gegebenenfalls Alternativen erwägen. So ist es durchaus möglich, die bestehende Technologie weiter zu nutzen - lediglich in einer verbesserten Form - oder die RFID-Technik selektiv und zeitlich gestreckt einzuführen. Jeder Hersteller sollte schlicht und einfach nachrechnen, ab wann und in welchem Durchdringungsgrad sich die Einführung von RFID für ihn lohnt. In den meisten Fällen wird ein Mix aus bekannten sowie neuen Technologien und Prozessen die ökonomisch sinnvollste Variante sein.

Allerdings versuchen die großen Einzelhandelskonzerne, die Technik durchzusetzen. So kündigte die Supermarktkette Wal-Mart kürzlich an, in naher Zukunft nur noch Lieferanten und Hersteller zu akzeptieren, die ihre Ware mit RFID-Tags kennzeichnen. Da will auch die Metro-Gruppe nicht zurückstehen. Sie plant, sogar noch vor dem Konkurrenten mit dem großflächigen Einsatz der RFID-Tags in der Logistikkette des Konzerns zu beginnen. Schon im vierten Quartal des laufenden Jahres wird die Handelsgruppe gemeinsam mit rund 100 Lieferanten sämtliche Paletten und Transportverpackungen in den jeweiligen Produktionsbetrieben mit RFID-Etiketten ausstatten.

Schnell amortisiert

Doch nicht nur der Handel setzt auf die Aufklebe-Chips zur Optimierung seiner Warenströme, auch in Flughäfen kommen diese inzwischen zum Einsatz: So wird die US- Fluggesellschaft Delta Airlines ein RFID-System einführen, das die lückenlose Nachverfolgung jedes Gespäckstücks über die gesamte Logistikkette ermöglicht. Dafür will sie in den nächsten zwei Jahren bis zu 25 Millionen Dollar in die Hand nehmen. Da verlorenes oder fehlgeleitetes Gepäck mit etwa 100 Millionen Dollar pro Jahr zu Buche schlägt, wird sich die Investition schnell amortisiert haben - ganz zu schweigen vom besseren Kundenservice.

Einzelhandel, Luftfahrt, aber auch Gastronomie, Automobilbau oder IT-Industrie - die Reihe der RFID-Interessenten ließe sich beliebig fortsetzen. Selbst das Pentagon hat Pläne zum Einsatz dieser Technologie in der Schublade.

Für Mobilfunknetzbetreiber wie NTT Docomo ist die Technik hingegen ein zweischneidiges Schwert: Egal, wie viele "Maschinen-Kunden" auch hinzugewonnen werden - den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde dürfte die M-to-M-Technik eher negativ beeinflussen. Denn Maschinen beschränken ihre Kommunikation auf das Wesentliche. (qua)