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04.09.1992

Wenn Proprietät zur Belastung wird

Eine Epidemie grassiert unter den DV-Herstellern. Die "Röteln" sind ausgebrochen. Wo liegen die Ursachen für die Krankheit? Die DV-Landschaft ist ein geschlossenes System, und zwar in zweifacher Hinsicht: gegenüber der Außenwelt, der Wirtschaft, der Gesellschaft - und dann in sich, in der Ausprägung als Proprietät, als "Eigentum der IBM", durch Ausgrenzung der Exoten, der kleinen und mittleren Anbieter. Wer ist gegenüber der Big Blue nicht klein? Geschlossenheit in diesem engeren Sinne resultiert aus der Übermacht, dem Quasi-Monopol der IBM - und der Ohnmacht der Nicht-IBM-Anbieter. Dazu wurde bereits alles gesagt. Markt, freier Wettbewerb, fand in der IBM-Welt bis vor kurzem praktisch nicht statt, weil das Monopol toleriert wurde: von den DV-Spezialisten beim Anwender, von Beratern, Softwarehäusern und PCM-Anbietern - und zwar bewußt, weil vermeintlich nur die IBM Sicherheit bieten konnte.

Dieses System bricht überraschend lautlos zusammen. Big Blue ist als Feind- wie als Vorbild überflüssig geworden. Ja, es hat sich zuletzt gezeigt, daß nur DV-Anbieter erfolgreich sind, die ihren eigenen (Non-IBM-)Weg gehen -wie Microsoft, HP, Sun oder Oracle. Ein Trugschluß wäre es allerdings, daraus die Notwendigkeit einer Open-Systems-Strategie für die Hersteller abzuleiten. Wie es Oberhaupt ein Fehler ist, von einem Wunsch der Anwender nach offenen Systemen auszugehen. Die Anwender wollen angemessene Datenverarbeitung, gemessen an ihren Geschäftszielen - daß dies mit proprietären Systemen nicht mehr möglich ist, trifft die Anbieter dieser aussterbenden Gattung selbst am härtesten.

Während es in bezug auf die innere Krise der DV-Branche noch relativ einfach zu erkennen ist, wie sich die Anbieter entwickeln und welche Konsequenzen sich daraus für den Markt ergeben werden, so stellt die Geschlossenheit der Informatik gegenüber der Außenwelt ein echtes Problem dar. Über keinen anderen Bereich existieren so viele Vorurteile - vermeintlich positive wie vermeintlich negative. DV wird in der Wirtschaft und in der Politik bei allem Geschwätz über Wettbewerbsvorteile im Grunde nicht akzeptiert. Nur so erklärt sich übrigens, daß sich die DV so inzestuös entwickeln konnte. Darin liegt kein Widerspruch: Noch stets hat IBM von der Dummheit, besser: Uninformiertheit, derjenigen profitiert, die das Ganze bezahlen müssen - und das sind eben nicht die DV-Chefs, sondern die Unternehmer.

Mit dieser Einsicht ist schon viel gewonnen. Größere Probleme bereitet die Außendarstellung. Solange Manager und Politiker mit der Informationstechnik nichts anfangen können, weil sie sie nicht wirklich verstehen, kann es kein gesundes IT-Marktwachstum geben. Irgendwer interessiert, daß sich etwas ändert?