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15.03.1985

Wer A sagt, muß auch Bertelsmann sagen

Es ist ein weitverbreitetes Vorurteil, daß große Unternehmen der Softwarebranche besonders wachstumsträchtig seien. Anwendungssoftware verzeichnet selbstverständlich die höchsten Steigerungsraten auf dem Markt für Informationsverarbeitung; es scheint jedoch wenig wahrscheinlich, daß diese Entwicklung die klassischen Anbieter begünstigen wird.

Ein Blick in die alles andere als softe Marktwirklichkeit läßt bereits an der Eingangsthese zweifeln: Es sind die großen System-Anbieter, allen voran IBM, die den Rahm abschöpfen, indem sie ihren eigenen Interessen folgen. Die enorme Verbesserung des Preis/Leistungs-Verhältnisses bei der Hardware erzeugt Druck auf sie, in die Software und den Service zu gehen, um Ertragseinbußen zu kompensieren.

Die DV-Industrie macht derzeit einen Strukturwandel durch: Die Hardware-Hersteller entwickeln sich zu gigantischen Systemhäusern. Burroughs, Control Data, Honeywell, NCR und Sperry sind auf dem Weg dahin - aber auch Nixdorf und Siemens. Das heißt: Die DV-Lieferanten wollen die Software nicht mehr auf ihr jeweiliges Hardware-Angebot eingrenzen, sich vielmehr öffnen für portable Anwendungen. Unix mag hier das Symbol für eine Methode sein, produktpolitische Restriktionen, wie sie sich dem Benutzer darstellen (Stichwort: Kompatibilität), durch offene Standards abzubauen.

Wo bleiben bei dieser Betrachtung die unabhängigen Software-Unternehmen? Zwar war es für Softwarehäuser nie ein sonderliches Problem, im Schatten des Giganten zu leben, doch gerade diese Anpassungsfähigkeit könnte für sie in Zukunft gefährlich werden. Warum? Nun: Die Leichtfertigkeit, mit der viele DV-Berater und Softwerker die Marktgesetze und ihre eigenen Regeln unterlaufen, verdient nicht Kritik - dagegen scheinen sie immun -, sie schreit nach Abwehr und Abkehr. Der Markt ist ein Mittel, Komplexität zu reduzieren, Transparenz zu schaffen. Die Softwarebranche dagegen legt ein symbiotisches Verhalten an den Tag, arrangiert sich, so bei Aufträgen für Großanwender, mit der DV-Industrie - zum gegenseitigen Nutzen. Mag sein, daß sie - im Verhältnis zum Mittelstand - ihrer Kontrollfunktion gegenüber den Herstellern gerecht wird.

Eine echte Alternative zur Alles-aus-einer-Hand-Philosophie der DV-Industrie scheint jedenfalls nicht gegeben, wenn sich die Software- und Beratungszunft weiterhin als parasitärer Profitgenosse im Verdauungstrakt der großen Systemanbieter verkriecht. Der eigentliche Grund für die Schwäche vieler "unabhängiger" Softwarefirmen liegt darin, daß sie als Subunternehmer, etwa von IBM oder Siemens, wenig technischen Fortschritt haben. Das muß irgendwann ins Auge gehen.

Nur, ist es noch realistisch, auf die Selbstheilungskräfte einer Branche zu hoffen, die sich jahrzehntelang im Windschatten der Hardware-Hersteller bewegte? Es gibt Anzeichen dafür, daß man die Gefahr erkannt hat und gegensteuern will. So lassen sich Beispiele dafür nennen, wie sich eine Dienstleistungs-Avantgarde freischwimmt: Die Bertelsmann Datenverarbeitung etwa als Profitcenter beim Anwender mit Außen-Ambitionen. Oder die General-Motors-Tochter EDS, die die Datenverarbeitung bei Opel im Facilities Management übernehmen will. Ja, selbst die Datev sollte nicht unerwähnt bleiben. Vorschlag, der einer Anleitung zum Überlebenstraining entnommen sein könnte: die Symbiose einfach aufkündigen.