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Nicht immer ist die "beste" Entscheidung bei Kauf, Miete oder Leasing auch die wirtschaftlichste:


04.06.1982 - 

Wer aufs falsche "Finanzierungs -Pferd" setzt, muß zahlen

MÜNCHEN - Noch vor einem Jahrzehnt boten viele DV-Hersteller ihre Rechenanlagen in erster Linie nur zum Kauf an. Inzwischen haben sich Finanzierungsarten wie Miete. Leasing oder Mischformen, wie etwa Mietkauf durchgesetzt, so daß der Benutzer aus einer vielseitigen Palette wählen kann. Wer hier jedoch aufs falsche Pferd setzt, kann nicht nur Geld verschenken. sondern auch ein hohes unternehmerisches Risiko eingehen. In seinem neuen Buch "Datenverarbeitung in mittelständischen Unternehmen und bei Freiberuflern"* gibt Fritz J. Schmidhäusler praktische Ratschläge für Mittelständler, die zu einer richtigen Finanzierungsentscheidung führen können.

Inzwischen bieten in der Bundesrepublik etwa 300 Leasing-Firmen ihre Dienste an; davon sind etwa 40 dem Bundesverband Deutscher Leasing-Gesellschaften, Köln, angeschlossen. Einige Leasing-Firmen sind Töchter von Geldinstituten oder Maschinen-Herstellern (und somit nur für die Produkte des jeweiligen Herstellers zuständig), andere sind große und solvente Unternehmen - oder für den Kunden ein Risiko, da nicht finanzkräftig genug, um schwierige wirtschaftliche Situationen zu überstehen.

Beim Leasing stellt der Leasing-Geber dem Leasing-Nehmer den Computer zur Verfügung, wofür der Leasing-Nehmer monatliche Leasing-Raten bezahlt, die auch als Miete bezeichnet werden. So können sowohl bereits vorhandene Maschinen an einen Leasing-Geber verkauft und dann von ihm geleast (gemietet) als auch bereits die Anschaffung des Produktes dem Leasing-Geber überlassen werden.

Schneller als der Hersteller

Dabei hat der Anwender entweder die Wahl zwischen verschiedenen Leasing-Anbietern, oder sie müssen sich an einem bestimmten Leasing-Geber halten, weil dieser mit Computer-Lieferanten zusammenarbeitet oder sogar selbst der Computer-Vertreiber ist. Letzteres findet man häufig im Bereich der Groß-Computer: Leasing-Firmen kaufen von einem Computer-Hersteller mehrere Computer "auf Lager" und versuchen dann, sie zu vermieten.

Dabei stehen sie natürlich im direkten Wettbewerb mit dem Computer-Hersteller selbst, so daß der Computer-Interessent unter Umständen die Wahl hat, den Computer entweder beim Hersteller zu kaufen oder zu mieten oder von einem Leasing-Unternehmen zu mieten. In diesem Fall zeigt sich oftmals, daß nicht nur die Leasing-Raten niedriger sind als die Mieten, sondern daß der Leasing-Geber den Computer auch schneller liefern kann als der Computer-Hersteller selbst.

Die Hälfte der Benutzer least

Im Bereich der kleineren und mittleren Computer bieten die DV-Lieferanten oder Händler vielfach das Leasing gleich mit an, so daß der Kunde es gewissermaßen als "Miete" betrachtet und keinen Unterschied zwischen Miete und Leasing sieht. So ist wohl auch das Ergebnis einer Umfrage der Handwerkskammer Koblenz zu interpretieren, die ergab, daß 46 Prozent der Befragten ihre Datenverarbeitungsanlage geleast und 54 Prozent gekauft hatten.

Dabei scheint die "Größenklasse" des Computers keine Rolle für die Entscheidung zu spielen; denn während 50 Prozent der Käufer mehr als 60 000 Mark bezahlten, haben 43 Prozent der Leasing-Nehmer monatliche Kosten von mehr als 2000 Mark, was - setzt man eine Laufzeit des Leasing-Vertrages von 50 Monaten voraus - auf das gleiche herauskommt. Auch in den beiden anderen Gruppen sieht es ähnlich aus: 27 Prozent der Käufer gaben zwischen 20 000 und 60 000 Mark aus, 32 Prozent der Leasing-Nehmer bezahlen monatlich zwischen 1000 und 2000 Mark; 23 Prozent der Käufer legten bis zu 20 000 Mark auf den Tisch, 25 Prozent der Leasing-Nehmer zahlen monatlich weniger als 1000 Mark.

Wenn die Liquidität zum Kauf eines Computers nicht ausreicht, bietet sich das Mieten (Leasen) geradezu an. Aber auch wenn der Benutzer "flüssig" ist kann das Mieten vorteilhaft sein. Denn einerseits wird dadurch das verfügbare Kapital nicht langfristig gebunden, so daß es für spätere Investitionen einsetzbar ist, andererseits kann das Geld "arbeiten".

Mieten und Leasing-Raten beeinflussen weder die Bilanz des Anwenders noch die Kreditlinie bei der Bank (Leasing-Verträge sind keine Darlehns-Verträge); das kann von großem Vorteil sein, wenn man für ander Zwecke Geld aufnehmen will. Mieten und Leasing-Raten liegen für die gesamte Vertragsdauer fest (bei Mieten sind allerdings "Preisanpassungsklauseln" möglich), so daß langfristig die Kosten geplant werden können - und auch jederzeit relativ einfach kontrollierbar sind.

Steuervorteile nutzen

Die Leasing-Geber führen vielfach auch steuerliche Aspekte als Vorteile an, weil die monatlichen Mieten als Betriebsausgaben gelten und deshalb sofort in voller Höhe steuerlich abzugsfähig sind. Außerdem braucht der Leasing-Nehmer das Wirtschaftsgut nicht zu aktivieren und zahlt deshalb dafür auch keine Vermögens- und Gewerbekapital-Steuer (falls der Leasing-Geber eine Betriebsstätte im Inland hat und das Leasing-Objekt in Deutschland abschreibt).

Unter steuerlichen Gesichtspunkten kann es jedoch trotzdem manchmal vorteilhafter sein, den Computer zu kaufen und abzuschreiben. Laut AfA-Tabelle können Computer in einer sogenannten "betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer" von fünf Jahren abgeschrieben werden.

Risiken der Mittelständler

Doch bei einem Vergleich zwischen Kauf und Miete/Leasing sollten sie nicht nur mit "spitzen Bleistift rechnen, sondern auch einige "Risiken" berücksichtigen. So ist es beispielsweise einem mittelständischen Unternehmen passiert, daß der gekaufte Computer nie zum Laufen gebracht werden konnte (ob aufgrund der Hardware oder der Software, sei einmal dahingestellt), der Computer wurde schließlich verschrottet. Aber auch wenn der Computer erst nach einiger Zeit "seinen Geist aufgibt", steht der Anwender vor Finanzierungsproblemen. Wurde dagegen gemietet oder geleast, so kommt in einem solche Falle eben ein neuer Computer ins Haus.

Mietverträge halten DV-Benutzer stets auf dem neuesten technischen Stand, weil die gemieteten Anlagen gegen neue, moderne ausgetauscht oder durch Zusatzgeräte ausgebaut oder verbessert werden können. Darin liegt möglicherweise auch ein finanzieller Vorteil, weil die neu auf den Markt kommenden Geräte vielfach billiger oder bei gleichem Preis leistungsfähiger sind als die bereits installierten.

Allerdings ist nicht bei jedem Mietvertrag ein kurzfristiger Umtausch möglich. Nicht berücksichtigt ist dabei der Vertragsumfang, etwa, ob auch die Wartung des Computers darin eingeschlossen ist.

Muß mit dem Computer-Lieferanten ein separater Wartungsvertrag abgeschlossen werden, so können sich Komplikationen ergeben, wenn der Computer-Lieferant nicht bereit ist, einen unkündbaren Wartungsvertrag - für die gesamte Dauer des Leasing-Vertrages - abzuschließen. Auch kann der Benutzer bezüglich der Wartung "mehr Druck ausüben", wenn er den Computer direkt vom Lieferanten gemietet hat.

Während Miet-Verträge die Versicherung des Computers einschließen, ist das bei Leasing-Verträgen oft nicht der Fall.

Wenn bisher von Kauf, Miete oder Leasing die Rede war, so ging es dabei immer nur um die Hardware. Denn Software kann man zwar "kaufen" oder "mieten", doch dabei handelt es sich juristisch gesehen um Lizenz-Verträge, die ein zeitlich begrenztes oder unbegrenztes Nutzungsrecht einräumen. Da der Anwender dadurch nicht zum Eigentümer der Programme wird, darf er diese auch nicht weitergeben und in der Regel nur auf bestimmten Anlagen benutzen. Beim "Kauf", der sogenannten Einmallizenz, zahlt er eine einmalige Gebühr, beim "Mieten" laufende Gebühren, die unter Umständen noch durch eine Einmalgebühr ergänzt werden.

Während eigenentwickelte Programme (Finanzierung aus Eigenleistung) und "gemietete" nicht aktivierungsfähig sind, ist die Aktivierungsfähigkeit von "gekaufter" Software umstritten. Sowohl der Kauf als auch die Eigenentwicklung erfordern jedoch Vorleistungen, und die Kosten sind nicht langfristig planbar.

* Fritz J. Schmidhäuslers Buch ist im Hedwig Schmidhäusler Buchverlag, Luisenstraße 167, 4050 Mönchengladbach, erschienen.

Deshalb empfiehlt sich das Mieten/Leasen besonders bei Produkten, die einer hohen Beantspruchung ausgesetzt sind und öfter erneuert oder ausgetauscht werden müssen.

Vorteilhaft ist ein Leasing-Vertrag, der "alles einschließt" - besonders, wenn Sie Mixed-Hardware, also Geräte verschidener Hersteller, einsetzen. Bei Gebrauch-Computern ist der Leasing-Vertrag oft die einzige Alternative zum Kauf.

Leasing und Miete Haben haben gegenüber dem Kauf einige gemeinsame Vorteile: Sie binden kein Betriebskapital, ermöglichen eine langfristige Finanz- und Kostenplanung, und sie sind bilanzneutral.