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07.05.2009

Wer braucht schon 100 Mbit/s per Glasfaser?

Angesichts der noch vorhandenen weißen Flecken bei der Breitbandversorgung erscheint vielen die 100-Mbit/s-Frage als Luxusproblem. Doch das DSL-Potenzial ist ausgereizt, und in den Städten droht bereits der Kollaps.

Kaum waren die ersten Pläne zum Glasfaserausbau bekannt geworden, hagelte es in Internet-Foren auch schon massive Kritik: "So ein Schwachsinn, wer braucht schon 100 Mbit/s", "Statt in den Luxus Glasfaser zu investieren, sollen mir Telekom und Co. endlich VDSL liefern", "Von 100 Mbit/s träumen, aber nicht einmal 2-Mbit/s-DSL liefern können". So oder ähnlich lauteten die Vorwürfe, mit denen die Glasfaserenthusiasten überzogen wurden.

Dabei vergessen die Kritiker aber einen wichtigen Punkt. In den Ballungszentren dreht es sich gar nicht darum, ob 25, 50 oder 100 Mbit/s genügend Bandbreite sind und wer sie braucht. Hier lautet die Frage schlicht, wie eine weitere Breitbandversorgung überhaupt noch sichergestellt werden kann. Dort häufen sich nämlich die Probleme beziehungsweise Ausfälle der DSL-Technik.

Problemfall Rückkanal

Nicht nur die geringere Störanfälligkeit spricht für die Glasfaser. Eine Bandbreite von maximal 1 oder 1,2 Mbit/s im Rückkanal der asynchronen DSL-Verfahren ist schlicht zu gering:

  • denn im Zeitalter des interaktiven Mitmach-Internets, sprich Web 2.0 werden auch immer mehr Daten vom User in das Internet transportiert;

  • die viel propagierte Collaboration im Zusammenhang mit Unified Communications oder Videokonferenzen benötigt mehr Bandbreite;

  • Upstreams von 5 oder 10 Mbit/s könnten ein neues, bislang unbekanntes Teleworking-Feeling vermitteln;

  • Virtualisierung erfordert mehr Übertragungskapazität in beide Richtungen;

  • gehostete Anwendungen wie Bild- oder Videobearbeitung lassen sich erst mit den höheren Bandbreiten im Rückkanal realisieren;

  • Echtzeitanwendungen profitieren von der Zuverlässigkeit der Glasfaser.

Grenzen des Telefonkabels

Die Ursachen hierfür liegen in der Physik. Die typische Teilnehmeranschlussleitung (TAL, letzte Meile) besteht in Deutschland aus bis zu 2000 ungeschirmten Kupfer-Doppeladern, mit denen in den alten Bundesländern bis zu 1000 Telefonanschlüsse versorgt werden. Ursprünglich waren diese Kabel für die Übertragung von Frequenzen bis zu 3,1 Kilohertz konzipiert. Mit DSL werden nun über diese Kabel Frequenzen von bis zu einem Megahertz transportiert. Um zu verhindern, dass sich diese hohen Frequenzen gegenseitig stören, sollten nach Meinung der Technikexperten bei den Netzausrüstern lediglich 60 bis 80 Prozent der Kupferadern einer TAL mit DSL beschaltet werden. Oder anders formuliert: Im ungünstigsten Fall können 40 Prozent der Kunden keinen DSL-Anschluss erhalten, wenn die Qualität des Service aufrechterhalten werden soll. Mit dem Siegeszug der bezahlbaren DSL-Zugänge nähert man sich in den Ballungszentren dieser Grenze. Erschwerend kommt hinzu, dass noch Quereinstrahlungen von Starkstromverbrauchern (etwa Aufzüge, Straßenbahnen, aber auch Baukräne) die Übertragung stören. Und last, but not least ist die Telekom selbst, wie Techniker hinter vorgehaltener Hand ausführen, noch ein Teil des Problems. Mit ihrem VDSL-Angebot stört sie nämlich die herkömmlichen DSL-Anschlüsse, da sie hier die Daten mit Frequenzen von bis zu 30 Megahertz durch die ungeschirmten Kupferkabel jagt. Nicht umsonst haben Länder wie Japan oder Südkorea bereits die Notbremse gezogen: Dort geht die Zahl der DSL-Anschlüsse wieder zurück.

Selbst die hohen Downstream-Raten von bis zu 100 Mbit/s sind heute kein unnötiger Luxus mehr. Soll etwa HDTV in der Variante 1080i50 übertragen werden, empfiehlt die ITU eine Bitrate von 27 Mbit/s. Ebenso werden hochauflösende Videokonferenzsysteme – Cisco geht bereits seit zwei Jahren mit der Idee eines TelePresence-Systems für zu Hause hausieren – diese Bandbreiten benötigen. Letztlich verkörpert die Frage "Wer braucht 100 Mbit/s?" das bekannte Henne-Ei-Problem.