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31.07.1992

Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

Von dem scheidenden DEC-Präsidenten Ken Olsen stammt der Satz, Unix-Systeme seien technisch etwa so interessant wie russische Lastkraftwagen - nämlich gar nicht. Das saloppe Statement kam als Bumerang zurück, für die Spott brauchte Olsen nicht zu sorgen. Einen solchen verbalen Ausrutscher wüßte der Digital-Gründer heute zu vermeiden - nur hat er nichts mehr davon. Ein sich geläutert gebender Ken Olsen wurde erst kürzlich in der amerikanischen DV-Fachpresse so zitiert: "We may have had vision, but nobody, I mean nobody, had any idea." Gemeint war das Unvermögen der DV-Anbieter, die Entwicklung der Informationstechnik mit ihren Auswirkungen auf den Computermarkt, sprich: die Anwendung, vorauszusagen. Nun leiden wir nicht gerade an einem Mangel an Prognosen über Trends in der DV - das Wishfulthinking-Angebot reicht von Alpha bis Mega.

Hier stoßen wir auf das Phänomen, daß Otto Normalanwender offenbar eingelullt werden will. Doch man sollte mit solchen Behauptungen vorsichtig sein. Spätestens mit sieben glauben Kinder nicht mehr an den Weihnachtsmann, es sei denn, sie würden mit Geschenken beeinflußt. Man er kennt, der Vergleich zur DV Industrie paßt nur bedingt. Big Blue, um ein besonders anschauliches Beispiel herauszugreifen, hat ja nie gesagt, daß das hochgestochene Datenmanagement-Konzept MVS Repository für den Kunden ein Freilos sei. Geschenkt: Nur wenige IBM-Anwender glauben noch an den Weihnachtsmann, es sei denn...

Auch Ken Olsen hat zuletzt vielleicht nur geglaubt, Digital müsse eben Santa Claus spielen, wenn sonst schon nichts laufe. So ganz falsch lag er nicht. Sein "No idea" eröffnet indes auch dem Zufall eine Chance, wie wiederum ein Beispiel aus der IBM Welt zeigt: Wer hätte gedacht, daß die Schrägstrich Maschinen (System/3 und Nachfolger, aktuell im Angebot: AS/400) einmal der ganze und, einzige Entwicklerstolz der IBM sein würden? Garantiert kein Weihnachtsmärchen: Im neuen Entwicklungsetat der IBM kommt die AS/400 besser weg als die Mainframe-Linie ES/9000.

No idea: Man kann deshalb nicht ausschließen, daß IBM und DEC einmal unbewußt als Unix Freunde handeln werden - sicher sein kann man natürlich auch nicht. Die Anwender sollten zumindest wissen, ob das Festhalten am Weihnachtsmannglauben noch Vorteile bringt. Man kann sich dabei an das halten, was nicht eingetroffen ist. Und da gibt es immerhin einiges (siehe MVS Repository, siehe SAA, siehe OS/2). Was aber, wenn sich die Anwender selbst für etwas entscheiden müssen? Was also hindert sie daran, nach Lösungen zu suchen, die sich mit den Zielen des eigenen Unternehmens vereinbaren lassen? Schlimmer, als von den Herstellern bevormundet zu werden, kann das nicht sein.