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13.11.1974

Wer gräbt das Kriegsbeil aus?

Bei Preisen hört die Freundschaft auf. Sollte sie zwischen Herstellern und Anwendern bestanden haben, dann sind jetzt die neuen Hardware-Preiserhöhungen Grund genug, das Kriegsbeil auszugraben. Denn hier wird mit dem Anwender verfahren, als sei der Kundenstamm eines Herstellers legitime Pfründe für die Profit-Maximierung. Der Beweis wird angetreten:

Kein Zweifel, daß sich die Kosten, Computersysteme zu produzieren und zu vermarkten, erhöht haben; kein Zweifel also, daß es gerechtfertigt sein könnte, diese Kosten au den Anwender abzuwälzen - obwohl ja zumindest IBM bekanntlich exorbitante Gewinne macht. Aber diese erhöhten Kosten betreffen neue Anlagen der laufenden Serien und nicht die Systeme die im letzten Jahr oder im Jahr davor oder vor Generationen gebaut und verkauft wurden.

Rechtens mag sein, daß Verkaufspreise bei neuen Abschlüssen erhöht werden, auch daß die Wartungsgebühren für die installierten Systeme teurer werden - nicht aber, daß die Mieten für Altanlagen erhöht werden, die noch zu billigeren Kosten produziert und vermarktet wurden als die neuen Systeme, deren Preise aus marktstrategischen Gründen nicht oder nur geringfügig geändert wurden.

Im Ganoven-Jargon heißt das "Absahnen". Zudem handelt es sich um eine Subvention des Neugeschäftes. Denn das Preis/Leistungsverhältnis verschiebt sich zugunsten der Umstellung auf neue Anlagen - ein weiterer Schritt, den Anwender auf einen vom Hersteller-Marketing geplanten "Wachstumspfad(< zu zwingen, den er möglicherweise gar nicht beschreiten will - analog zum "Aushungern" der mit ihnen derzeitigen Anlagen durchaus zufriedenen Kunden durch Ankündigung neuer Software-Verbesserungen für ausschließlich neue Computermodelle.

IBM hat als Marktführer das Verhalten der zunächst vorpreschenden Firmen sanktioniert und jetzt die restlichen Hersteller zu gleichen Maßnahmen animiert. Dabei darf unterstellt werden, daß die bekanntermaßen so aufwendig und großzügig operierende IBM die Kostensteigerungen durch interne Sparmaßnahmen hätte ausgleichen können - wenn man sich schon nicht mit einer geringeren Gewinnmarge als der derzeitigen, etwa 35 Prozent vor Steuer, Profit-Sollvorgabe der Konzernzentrale (Telex-Antitrust-Dokumente) begnügen will.

Die Konsequenzen: Manch Anwender, der in seinem Budget für die Preiserhöhungen gar kein Geld hat, wird sich gezwungen sehen, seine Installation so weit abzumagern, daß er wieder auf den alten Preis kommt. Zögernde IBM-Kunden werden nun wohl doch den Schritt zu Mixed-Hardware wagen. Die Leasing-Alternative wird; noch attraktiver.

Eine kräftige Kündigungswelle wäre das einzige wirksame Mittel von Gegenmacht. Stornierungen und rückgesandte Mietscheine allein könnten den Marktführer zwingen, die Preiserhöhungen auf neue Produkte und auf Wartungsleistungen zu beschränken. Die Mitbewerber würden dann vermutlich nachziehen müssen.

Für das vorgesehene Gespräch des ADL-Vorsitzenden Tilo Steinbrinck mit dem IBM-Vorstand zum Thema Preiserhöhungen braucht der EDV-Fachverband noch mehr Rückendeckung von den Anwendern.

Solche Schützenhilfe wäre wohl zu haben. Nur Mut, Herr Steinbrinck, die Anwender warten auf ein Signal zu gemeinsamer Aktion.