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08.10.2008

Wer Green IT will, muss erstmal zahlen

Green IT ist eine gute Sache. Wer aber seine IT der politischen Korrektheit wegen grün einfärben will, macht einen Fehler. Besonders für mittelständische Unternehmen wäre solch ein Ansatz zu teuer.

Beim Interoute-Rechenzentrum in Berlin-Kleinmachnow machen sich Country Manager Jens Leuchters und der für das Data Center zuständige Jürgen Knaack sowie der Director Data Center Axel Wendt viele Gedanken darüber, wie das Thema Umwelt in die RZ-Planung einbezogen werden kann. Ganz so einfach ist es nämlich nicht, sich für einen konsequenten Weg in Richtung Green IT zu entscheiden.

Das geht schon los bei der Entscheidung, Green IT überhaupt zu machen. Denn das bedeutet zunächst einmal, dass enorm investiert werden muss: sowohl in Expertenwissen, das Geld kostet, denn man muss es sich von außen holen. Als auch in Hard- und Software sowie RZ-Kontrollsysteme, die Luft- und Kühlströme in einem Data Center überwachen und analysieren müssen.

Bevor also die Früchte eines Green-IT-Konzepts für ein Unternehmen in barer Münze erkennbar werden, weil man etwa bei den Energieausgaben sparen kann, muss man erst einmal "viel Geld in die Hand nehmen", wie Leuchters sagt.

Im Gespräch mit der computerwoche haben Leuchters, Knaack und Wendt festgehalten, was Unternehmen unbedingt berücksichtigen sollten, wenn sie ein Green-IT-konformes RZ-Konzept verwirklichen wollen.

Tipps für ein Green-IT-Konzept

Zunächst einmal sollte genau analysiert werden, welches der aktuelle Zustand ist, in dem sich ein Rechenzentrum befindet. Wendt dazu: "Man sollte sich die einfachen Fragen stellen: Was habe ich? Was will ich? Und was kann ich realisieren?" Dazu gehört für RZ-Betreiber auch die Entscheidung, ob sie ihr Data Center im kleinen oder großen Stil ausbauen oder gleich ein neues RZ errichten wollen. Soll ausgebaut werden, muss man sich unter anderem vorher Gedanken darüber machen, welche Infrastruktur sich auf welchem Weg in ein Gebäude verfrachten lässt. Diese Transportfrage klingt einfach, aber Generatoren zum Ausbau der Stromversorgung für Rechenzentren haben Dimensionen, die nur mit Kränen zu bewältigen sind, und die nicht durch herkömmliche Türen passen. Manchmal müssen Außenwände eingerissen werden.

Cooles RZ braucht kühle Planung

Die Interoute-Manager glauben, dass sich mit einer geeigneten Klimatechnik am meisten einsparen lässt. Um ein Rechenzentrum aber so zu konzipieren, dass es unter ökologischen Aspekten optimal gekühlt werden kann, sollte man sich unbedingt - so ein weiterer Rat - auch einmal ansehen, welche Wege andere RZ-Betreiber gewählt haben. Und man sollte weitere Kühlungsexperten wie etwa von der Firma Stulz heranziehen, um Expertenwissen zu nutzen. Es sei, sagt Knaack, das eine, in einem Data Center Managed Services anzubieten. Das Wissen um einen ökologischen RZ-Betrieb und wie die dafür nötige Infrastruktur aussehen muss, sei etwas ganz anderes. Für die Planung eines ökologisch ausgerichteten RZ ist es deshalb enorm wichtig, zu fragen: "Wie machen das andere?"

Planung kostet Geld

Ein weiterer Rat der Interoute-Manager: Schon die Planung und die damit verbundenen Aktionen kosten Geld - und das nicht wenig. Sowohl die Grob- als auch die Feinplanung lassen sich aushäusige Experten natürlich bezahlen. Die wenigsten Rechenzentrumsbetreiber dürften übrigens wissen, dass es für die Entwicklung eines Rechenzentrums Fördermöglichkeiten gibt, die man nutzen sollte.

Das Interoute-Management-Team ist sich einig, dass Unternehmen auch bedenken sollten, welche Auswirkungen ihre Planungen - wenn sie ökologischen Grundwerten verpflichtet sein sollen - anderswo auf der Welt haben. Wenn man auf alternative Energien setzen wolle, "dies aber am anderen Ende der Welt" zu ganz neuen Problemen führt, weil beispielsweise agrarwirtschaftliche Ackerflächen nur noch für den Anbau von Rapsfeldern, genutzt werden, sei das problematisch.

Gesellschaftspolitisch wichtig, aber?

All diese Überlegungen müssten in die Planungen einbezogen werden. Das sei, so Wendt, ein gesellschaftspolitisches Thema, dem sich IT-Manager bei der Planung ihrer RZs nicht entziehen könnten. Alle drei Interoute-Manager gestehen allerdings ein, dass es nicht so leicht ist, solch eine Geisteshaltung einem Controller zu verkaufen. Aber sie betonen, dass ein Bewusstsein für das Ökologie-Thema mittlerweile geschaffen sei. Nun müsse konkretes Handeln folgen.

Knaack, der Manager des Interoute-Data-Center, betont, dass man ein Rechenzentrum zunächst einmal komplett analysieren muss. Wichtig sind Erkenntnisse über den Stromverbrauch der einzelnen Geräte ebenso wie über den Wirkungsgrad etwa von unterbrechungsfreien Stromversorgungen. Am Ende der Prüfung sollten die IT-Verantwortlichen genau die Problemzonen ihres Rechenzentrums kennen.

RZ-Betreiber müssen sich zum Beispiel auch fragen, ob der Einbau von individuellen Stromzählern sinnvoll sein kann. Dabei, sagt Knaack, sind Messungen und Simulationen in einem RZ das A und O, um Daten über den ökologischen Zustand eines Data Centers zu haben. Nur mit verlässlichen Informationen kann ein Öko-RZ geplant werden.

Auch hierbei stellt sich das Problem, dass solch eine Simulation Geld kostet. Denn solche Tests erledigen externe Experten. Und die bekommen Honorare. Einfaches Problem: Sicher lässt sich entscheiden, Stromzähler in eine existierende Infrastruktur einzubauen. Ob für diese Prüfgeräte im Rechenzentrum aber überhaupt Platz vorhanden ist, sollte man vorher klären. Als Interoute wegen solcher Überlegungen bei IBM um Rat nachfragte, kostete die Analyse einen niedrigen fünfstelligen Eurobetrag - nur für die Evaluierung von Optionen, wie Stromzähler eingebaut werden können! Die Kosten für die eigentlichen Produkte samt Software wären dann schnell auf etwa 100 000 Euro gestiegen. "Da fragt man sich dann schon, ob man das wirklich will", sagt Interoute-Chef Leuchters.

In einem Punkt sind sich die drei Interoute-Manager einig: Green IT um jeden Preis sei insbesondere mittelständischen Unternehmen nicht anzuraten. Wer ein bestehendes Data Center an ökologischen Aspekten ausrichten will, der solle auch und zuerst "nach den niedrig hängenden Früchten" Ausschau halten, meint Knaack.

Interoute

Interoute ist ein Anbieter von Carrier- und Rechenzentrums-Dienstleistungen.

Sitz in Deutschland ist in Kleinmachnow vor den Toren von Berlin.

Interoute betreibt acht Rechenzentren in Amsterdam, Berlin, Genf, London, Paris, Madrid, München und Stockholm.

Zu den Kunden zählen die Deutsche Post, die Technologieausgründung der Bayer AG Lanxess, die Berliner Flughäfen, der Wissenschaftsverlag Springer, ARD.de und Sony BMG.