Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

25.02.2000 - 

Hinter den Kulissen tobt die Entscheidungsschlacht

Wer kauft das Debis Systemhaus und wird europäischer Service-Marktführer?

MÜNCHEN (jm) - Die Debis Systemhaus GmbH, IT-Dienstleistungs-Division der Daimler Chrysler Services AG (Debis), steht wieder einmal vor dem Verkauf. Diesmal scheinen die Gerüchte mehr Hintergrund zu haben. Vor allem für die IBM wäre das Systemhaus eine Bereicherung.

Bis Redaktionsschluss war noch nicht abzusehen, ob die mittlerweile weltweit 26000 Mann starke IT-Mannschaft des Debis Systemhauses einen neuen Arbeitgeber gefunden hat. Laut Presseberichten scheint sich Daimler-Chrysler-Vorstand Eckhard Cordes auf einen Verkaufspreis von 30 Milliarden Mark eingeschossen zu haben, potenzielle Bieter betrachten diese Offerte als weit überzogen. Sie glauben, 15 bis maximal 20 Milliarden Mark seien genug für den inzwischen sehr erfolgreichen Serviceanbieter.

Verschiedene Positionen im Daimler-Vorstand

Aber es gibt Indizien dafür, dass hinter den Kulissen die Entscheidungsschlacht tobt. Herbert Schiller, Konzernbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsratsmitglied bei der Debis AG, will alle Hebel in Bewegung setzen, einen Verkauf, den er für eine "Fehlentscheidung" hält, abzuwenden.

Die Konzernleitung scheint sich über die Zukunft der Debis AG nicht einig. So zumindest sagt es eine andere Quelle innerhalb des Debis-Konzerns im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE: "Hier läuft eine knallharte Auseinandersetzung zwischen Eckhard Cordes, Manfred Gentz und Klaus Mangold ab." Alle drei sitzen im Vorstand des Daimler-Chrysler-Konzerns, Mangold ist zudem Vorstandsvorsitzender der Debis AG. Unklar ist derzeit noch, auf welche Seite sich Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp schlagen wird.

Spekuliert wird in Ermangelung harter Fakten jetzt über Kandidaten für eine Übernahme oder eine Fusion. Als wahrscheinlich kristallisiert sich heraus, dass es bei einer möglichen Veräußerung nicht um die Debis AG im Ganzen geht, sondern nur um deren IT-Service-Division, also das Debis Systemhaus. Die Finanzierungs- und Leasinggeschäfte des Autokonzerns, die ja über die Debis AG abgewickelt werden, sollten sinnvollerweise nicht aus dem Konzern herausgelöst werden. Schrempp dürfte auch Debis'' neue E-Commerce-Truppe nicht so ohne weiteres ziehen lassen. Die in der Giggo.com zusammengefasste Einheit betreibt offensichtlich mit einigem Erfolg Autohandel über E-Business-Wege.

Bleibt das Debis Systemhaus. Peter Cunningham vom Marktforschungsinstitut Input, das sich auf die Bewertung von Serviceunternehmen spezialisiert hat, sieht zwei mögliche Szenarien:

Entweder verkauft der Konzern die Debis-IT-Division komplett, also mit den Leuten, die die IT-Dienstleistungen für den Automobilkonzern erbringen. Dieses Geschäft mit der Mutter trägt rund 27 Prozent zum gesamten Umsatz des Systemhauses bei; oder man trennt sich nur von dem Teil, der für externe Unternehmen Dienstleistungen erbringt.

Für eine komplette Trennung von der IT-Sparte spreche, dass Daimler und Chrysler noch erhebliche Integrationsprobleme zu bewältigen hätten. Gleichzeitig würden Wettbewerber wie General Motors, Ford und Toyota mit Macht neue E-Business-Geschäftsmodelle vorantreiben. Der Konzern, so Cunningham, habe nicht die Ressourcen, beide gewaltigen Aufgaben gleichzeitig und in dem in der Automobilindustrie nötigen Tempo zu stemmen.

Bei einem potenziellen Käufer müsse es sich um ein Schwergewicht handeln, das nicht nur über Fähigkeiten bei der Systementwicklung und -Integration verfügt. Vielmehr sollte ein Übernahmekandidat erhebliche internationale Integrationspotenziale und ein gerüttet Maß an E-Business-Know-how vorweisen können. Vermutlich werde Daimler-Chrysler im Falle eines Verkaufs eine Beteiligung anstreben, um seinen Einfluss zu wahren.

Sollte Daimler-Chrysler die für den Mutterkonzern arbeitende IT-Mannschaft des Debis Systemhauses nicht verkaufen, so brauche der Schrempp-Konzern "lediglich" dem höchstbietenden Käufer den Zuschlag zu erteilen. Die im Unternehmen verbleibende Serviceabteilung könne sich dann auf die Integrations- und E-Business-Aspekte des Kerngeschäfts des Autobauers konzentrieren.

Für Siemens Business Services (SBS) als Käufer spricht laut Cunningham bei Variante eins die gute europäische Positionierung, die Größe von SBS und das aufgebaute Know-how im E-Business-Segment. Allerdings habe SBS keine Erfahrung mit großen Fusionen. Auch um die Marketing-Potenziale sei es schlecht bestellt.

Für Wolfgang Braun, ehemaliger Debis-Mann und jetzt Analyst bei der Meta Group, ist SBS kein heißer Tipp: "Was bringt das? Die würden sich kannibalisieren." In Deutschland wären beide Partner stark, im Ausland aber schwach.

Auch CSC Ploenzke ist für den Input-Mann kein Kandidat für Kaufvariante eins. Zwar sei der US-Dienstleister mit deutschem Anhang multinational ausgelegt. Aber mit Prozessen in der Größenordnung, wie sie bei den internen Daimler-Chrysler-Operationen zu gewärtigen seien, habe CSC Ploenzke noch nicht zu tun gehabt. Zudem sei dieser Kandidat erst spät in das E-Business-Geschäft eingestiegen. Allerdings verfüge CSC Ploenzke über exzellente Marketing- und Unternehmensintegrationsfähigkeiten. Bei Version zwei könne CSC wahrscheinlich beim Preis nicht mithalten, es sei denn, man würde eine befriedigende Beteiligungsregelung finden.

Wenig wahrscheinlich erscheint für Cunningham auch, dass EDS das Debis Systemhaus komplett übernimmt. Dies, obwohl der GM-Dienstleister von allen möglichen Interessenten natürlich die meiste Erfahrung im Automobilsektor hat und über sehr starke operationale Integrationsbefähigungen für eine Fusion verfügen würde. Allerdings dürfte sich bei dieser Konstellation ein Kulturproblem stellen.

Cap Gemini andererseits habe ja schon seine guten und schlechten Zeiten mit dem Daimler-Konzern erlebt. Um die Integra-tionspotenziale sei es bei den Franzosen genauso schlecht bestellt wie bei der US-Präsenz. Allerdings verfügten sie über ein exzellentes Marketing und eine gute E-Business-Positionierung. Alles in allem aber ein Nein bei Variante eins. Anders bei Szenario zwei. Da sei Cap Gemini ein interessanter Bewerber. Die alles entscheidende Frage sei allerdings, wie sich die noch nicht abgeschlossene Verschmelzung des Dienstleisters mit Ernst & Young auswirken werde.

Last, but not least die IBM, deren Global-Services-Mannschaft in Deutschland, Europa und den USA gleichermaßen stark präsent sind. Big Blue habe auch das Zeug und die nötige Größe, eine Integration zweier Unternehmen zu bewältigen, habe allerdings keine Erfahrungen mit Akquisitionen. Auch im E-Business erwarb sich IBM gute Referenzen. Sollte das Debis Systemhaus also komplett verkauft werden, sei Big Blue ein guter Tipp. Einen Kommentar hierzu wollte IBM gegenüber der CW nicht abgeben. Bei Szenario zwei würde die Service-Division der IBM in Europa extrem stark positioniert. Abzuwarten bleibe bei dieser Variante allerdings, welchen Preis der Computerriese dafür zu zahlen bereit wäre.