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22.11.2002 - 

IT im Gesundheitswesen/Verhaltene Jobperspektiven im Gesundheitsmarkt

Wer lange sucht, der findet eine Stelle

MÜNCHEN (am) - Die Anwenderbranchen wurden bislang als Lichtblick auf dem IT-Arbeitsmarkt gesehen, da sie noch einen größeren Personalbedarf haben. Doch das Beispiel des Gesundheitssektors zeigt, dass die Nachfrage nach IT-Spezialisten sehr heterogen ist.

Die Biotechnologie gilt als einer der Hoffnungsträger in Deutschland. Die junge Branche wächst laut Erhebung der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young stark: Von 2000 bis 2001 kletterte der Umsatz der Biotech-Firmen um etwa ein Drittel auf 1,05 Milliarden Euro. Ebenso stieg die Beschäftigtenzahl um 35 Prozent auf 14400 Mitarbeiter an.

Gute Chancen werden unter anderem Bioinformatikern eingeräumt, die die riesigen Datenmengen des menschlichen Erbguts mit Hilfe informatischer Methoden entschlüsseln und zueinander in Beziehung setzen sollen. Sie vereinen in ihrem Studium die Informatik mit der Chemie und Biologie. In den nächsten zwei Jahren sollen etwa 700 neue Arbeitsplätze für Bioinformatiker geschaffen werden, prophezeit Cap Gemini Ernst & Young nach der Befragung von knapp 400 Unternehmen aus dem Bioinformatikumfeld sowie Venture-Capital-Firmen.

Doch noch sieht die Realität für Bioinformatiker nicht so rosig aus. Die Jobsuche ist mühsam, da es in dem Umfeld eine Vielzahl von kleinen Firmen gibt, die als Arbeitgeber wenig sichtbar werden. Wer in einer der größten Online-Jobbörsen nach Offerten für Bioinformatiker sucht, findet derzeit gerade einmal eine Stellenausschreibung: Die Siemens AG sucht für ihren Bereich Medical Solutions in Erlangen einen Bioinformatiker, der den Life-Science-Markt beurteilen und Vorschläge für neue Geschäftsfelder in den Bereichen Pharma, Biotech, Medizin und Wellness entwickeln kann. Dementsprechend hoch setzt der Konzern auch die Messlatte an: Der künftige Mitarbeiter soll nicht nur die Instrumentarien der Bioinformatik kennen und mit genetischen Datenbanken umzugehen wissen, sondern auch noch promoviert sein, einschlägige Branchen-, Projekt-Management- sowie interkulturelle Erfahrung mitbringen.

Höhere Anforderungen stellt auch die Pharma- und Chemieindustrie an die Bewerber. Unternehmen wie Bayer oder BASF IT-Services holten in diesem Jahr etwa 160 beziehungsweise 200 neue IT-Experten an Bord. Damit gehörten sie zu den wenigen Konzernen, die in dieser Größenordnung noch rekrutierten. Doch auch sie werden im kommenden Jahr verhaltener einstellen, so die vorläufige Prognose.

"Aufgrund der Marktsituation bekommen wir sehr viele Initiativbewerbungen", schildert Michael Detmer, Leiter Rekrutierung und Personalentwicklung bei der BASF IT Services GmbH in Ludwigshafen. Der IT-Dienstleister gehört zur BASF IT Services B.V., die im April 2001 als eigenständige Tochter gegründet wurde. Sie fungiert als zentraler IT-Dienstleister des Konzerns und beschäftigt rund 2200 Mitarbeiter in Europa, darunter etwa 1800 in Deutschland. "Damit eine Initiativbewerbung auch Erfolg hat, sollte sich der Kandidat schon im Vorfeld intensiv darüber Gedanken machen, in welchem Fachbereich er gern tätig sein möchte, und diesen fachlichen Schwerpunkt dann auch in seinem Bewerbungsanschreiben nennen."

Initiativbewerbungen sind willkommen

Mehr als die Hälfte der neu besetzten IT-Stellen bei BASF IT Services entfielen in der Vergangenheit auf Initiativbewerbungen. Darum sind solche trotz verhaltener Einstellungspolitik gern gesehen, wenn die Kandidaten die gestiegenen Ansprüche erfüllen. Dazu Detmer: "Zurzeit haben wir Bedarf an hoch qualifizierten Bewerbern, zum Beispiel im Bereich SAP-Beratung oder Oracle. Dabei sind für uns sehr gute Englischkenntnisse, überdurchschnittliches Fachwissen und Flexibilität ein absolutes Muss."

Auch bei Bayer spielt das Thema SAP eine große Rolle. 3000 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern weltweit in der IT, davon arbeiten 1600 in Leverkusen. Oliver Berntgen und seine Kollegen der Recruiting-Abteilung suchen vor allem Mitarbeiter, die idealerweise mehrere Module der Standardsoftware beherrschen, Projekterfahrung mit SAP-Anwendungen gesammelt oder diese implementiert haben. Letzteres sei vor allem deshalb wichtig, weil die neuen Mitarbeiter schnell in die Projektarbeit eingebunden werden. Bloßes Beraterwissen reiche nicht aus, wenn es beispielsweise gilt, konzernweite SAP-Standards mitzuentwickeln und zu betreuen oder eine Datenbank unter SAP zu administrieren.

Erfahrung in SAP-Projekten

"Vor einiger Zeit haben wir nur Leute genommen, die über eine mindestens eineinhalb- bis zweijährige Berufserfahrung verfügen", sagt Berntgen. Diese Vorgabe ist mittlerweile aufgehoben. "Wer als Werkstudent oder während eines längeren Praktikums in einem SAP-Projekt gearbeitet hat, hat ebenso Chancen." Wichtig sei, dass aus dem Lebenslauf hervorgehe, dass der Kandidat entwicklungsfähig ist und die Affinität zur IT bewiesen hat. "Es reicht nicht aus, wenn Bewerber in einer Umschulung ein SAP-Modul gelernt, aber ansonsten keinen IT-Hintergrund haben", ergänzt Berntgen. Einschlägige Erfahrungen in der Pharma- und Chemiebranche seien weniger wichtig.

Interesse an der medizinischen Welt sollten dagegen die neuen Mitarbeiter der Kendle GmbH mitbringen. Das internationale Auftragsforschungsinstitut, das für die Pharmaindustrie tätig ist und in Deutschland mehr als 170 Mitarbeiter hat, sucht derzeit einen wissenschaftlichen Programmierer, der klinische Datenbanken erstellen kann. Ein Studium ist für diese Position kein Muss, wenn der Interessent Programmierkenntnisse mit SAS, SQL oder in einer Oracle-Umgebung vorweisen kann. (am)

Angeklickt

Ob in Biotechnologie, Pharma, Chemie oder Forschungsinstituten, der Gesundheitssektor bietet IT-Experten die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Doch diese Heterogenität steht nicht für eine große Zahl von Jobs. Hier gilt wie für viele andere Bereiche auch: Es gibt noch offene Stellen, nach denen man aber gezielt und unter Umständen auch länger suchen muss.