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29.09.2000 - 

Die neue Technik Linear Tape Open ist endlich verfügbar

Wer macht das Rennen bei den Bandlaufwerken?

MÜNCHEN (kk) - Mit IBMs Vorstellung des ersten Bandlaufwerks nach dem Standard Linear Tape Open (LTO) hat die Jagd auf die Kunden in diesem Markt begonnen. Der bisherige Marktführer Quantum muss mit seinen Digital-Linear-Tape-(DLT-)Geräten um seine Vormachtstellung fürchten.

Fast drei Jahre hat es gedauert, bis die LTO-Initiative aus IBM, Hewlett-Packard (HP) und Seagate ihr Versprechen höherer Kapazität und schnelleren Datentransfers in konkreten Produkten einlösen konnte: IBM stellte vor kurzem als erster sein "Ultrium"-Laufwerk vor, das mit einer Speicherkapazität von bis zu 100 GB (unkomprimiert) und einer Durchsatzrate von 15 MB/s (unkomprimiert) aufwartet.

DLT wie LTO fallen unter die Kategorie eines linearen Tapes, erklärt Barbara Manger, Produkt-Managerin für den Speicherbereich bei IBM. Linear bedeutet, dass die Daten entlang dem Band aufgezeichnet werden. Am Ende angelangt, dreht sich die Aufzeichnungsrichtung, und die Daten werden in der nächsten Spur abgelegt. "So geht das hin und her, bis das Band voll ist", erläutert Manger. Der Vorteil von LTO liege in der größeren Kapazität von maximal 100 GB gegenüber 35 GB bei DLT-Tapes. Außerdem sei die Datenrate mit 15 MB/s dreimal so hoch wie bei den DLT-Konkurrenzprodukten.

Ferner ist LTO wesentlich besser für Automation geeignet, erklärt Manger. So sei beispielsweise der Leader-Block, die Anfangsschleife, mit der das Band gegriffen wird, wesentlich robuster gefertigt. Dies war immer eine Schwachstelle des DLT-Standards, kritisiert die IBM-Managerin. Eine optimierte Zuverlässigkeit versprächen außerdem Servospuren, die den Schreib-Lese-Kopf sicher über das Band führen.

Die Entwicklungsarbeiten an den beiden LTO-Formaten Ultrium und Accelis begannen im Februar 1997. Im November des gleichen Jahres ließ das Dreier-Konsortium, bestehend aus IBM, HP und Seagate, mit dem Vorhaben aufhorchen, mit Linear Tape Open einen neuen und offenen Standard für Bandlaufwerke zu schaffen. Ultrium-Geräte sollten auf hohe Kapazität, Accelis-Drives dagegen auf Schnelligkeit optimiert werden. Die Accelis-Variante scheint allerdings auf dem Markt nicht besonders gefragt zu sein. Deshalb könnte es durchaus sein, dass in absehbarer Zukunft keine entsprechenden Produkte auf den Markt kommen, prognostiziert Manger. Ein Problem sieht die Managerin darin jedoch nicht. Bislang gebe es nur die Spezifikationen für Accelis-Datenträger. Eine konkrete Produktentwicklung in puncto Accelis sei bei den Herstellern noch nicht angelaufen.

Mit LTO zielt das Konsortium in erster Linie auf Quantum, das bislang den Markt für Bandspeicher mit seinen DLT-Drives dominiert.

Den Marktforschern der International Data Corp. (IDC) zufolge wird sich an dieser Vorherrschaft nichts ändern. Laut einer im Sommer dieses Jahres veröffentlichten Studie über den Markt der automatisierten Bandsysteme wird sich der Marktanteil - nach Umsatz - der DLT-Technik in Autoloadern und Bandbibliotheken von derzeit 50 auf 65 Prozent im Jahr 2004 sogar noch erhöhen. Die Steigerung geht - bei einem allgemein stark wachsende Markt - zu Lasten älterer Formate, etwa der klassischen Halb-Zoll-Geräte aus der Mainframe-Welt oder der Acht-Millimeter-Laufwerke.

Die IDC-Analysten erwarten jedoch, dass der DLT-Technik mit dem Aufkommen von LTO-Bandlaufwerken eine ernsthafte Konkurrenz erwächst. Ihrer Meinung nach werden sich die neuen Geräte in vier Jahren einen Marktanteil von acht Prozent sichern können. Außerdem dürfte die Wachstumsrate bei LTO-Produkten mit über 65 Prozent jährlich mehr als doppelt so hoch liegen wie bei DLT-Geräten, deren Umsatz im Schnitt um 31 Prozent pro Jahr zulegen werde.

Spannend dürfte sich auch der Markt für die Cartridges entwickeln. Insider vermuten, dass DLT-Hersteller Quantum derzeit mehr Geld mit den Medien als mit den Laufwerken verdient. Die Speicher-Company tritt selbst als Lieferant der Kassetten auf und kassiert ferner von Fremdherstellern wie Fuji Magnetics oder Maxell Lizenzgebühren. 1999 sollen Fuji 15 Millionen und Maxell 24 Millionen Kassetten ausgeliefert haben. Die LTO-Bänder werden anfangs ausschließlich von Fuji Magnetics geliefert, allerdings haben sich fast alle namhaften Medienhersteller um eine LTO-Lizenz bemüht. Lizenzgebühren fallen nicht an, allerdings müssen die Bewerber genauso wie die Laufwerksproduzenten zuerst ausgefeilte Kompatibilitätstests bestehen.

Streit um die Standards geht in die erste RundePhilippe Ory, Marketing-Manager für DLT-Speicher in Quantums Europa-Zentrale in Genf, bestätigt die Umsatzerfolge mit den Cartridges.

Die Hinweise der LTO-Unternehmen, dass sich die Lizenzgebühren auf die Cartridge-Preise niederschlagen, was bei den LTO-Medien nicht der Fall wäre, bezeichnet Ory als Verwirrspiel. DLT-Medien seien hinsichtlich der Kosten pro gespeichertes Megabyte sehr billig. Zudem werde man sich zukünftig bei der Preisgestaltung an den Kosten der LTO-Bänder orientieren. Deren Preise sind bislang noch nicht bekannt.

Hart ins Gericht geht der Quantum-Manager mit den vollmundigen Versprechungen der LTO-Vertreter: "Die sprechen immer von einem Standard, ich sehe aber nur ein neues Format." Weder sei LTO ein von der Industrie getragenener De-facto-Standard, noch habe LTO eine Zertifizierung irgendeines Standardisierungsgremiums. Ganz anders sei das mit der DLT-Technik, die sich nicht nur am Markt durchgesetzt habe, sondern auch das Siegel der European Computer Manufacturers Association (ECMA) trage, damit ISO-zertifiziert sei und deren Spezifikationen offen lägen.

IBM-Managerin Manger verweist dagegen auf das LTO-Konzept als offenen Standard. Die Spezifikationen der Tecknik stünden allen Herstellern offen, demzufolge seien auch die verschiedenen LTO-Produkte untereinander kompatibel. Laufwerke wie Medien könnten von unterschiedlichen Herstellern entwickelt werden. Im Gegensatz dazu basiere die DLT-Technik allein auf der Firma Quantum. Manger hofft, dass sich mit dem offenen LTO-Standard ein Wettbewerb im Markt entwickelt, der zu besseren Produkten und günstigeren Preisen für die Anwender führt.

"Einer allein bringt einen neuen Standard nicht durch", muss Henrique Atzkern aus der Münchner Seagate-Zentrale zugeben und verweist auf die Zusammenarbeit der drei LTO-Gründerunternehmen, die ihr Marktgewicht zugunsten des neuen Bandformats in die Waagschale werfen. Zugunsten des LTO-Marktes hat sich der Festplattenspezialist aus der Weiterentwicklung der Advanced-Intelligent-Tape-(AIT-)Laufwerke zurückgezogen, deren Technik ursprünglich von Sony stammt.

Diese Acht-Millimeter-Drives arbeiten mit dem Helical-Scan-Aufzeichnungsverfahren. Sony hat jetzt zusammen mit Compaq und HP eine Standardisierungsgruppe gegründet, die ähnlich wie das LTO-Konsortium funktionieren soll. Angekündigt wurde die dritte Laufwerksgeneration ("AIT-3"), die im ersten Quartal 2001 auf den Markt kommen soll. Die angestrebten Leistungswerte - 100 GB Kapazität und eine Transferrate von 11 MB/s - entsprechen etwa den Leistungsdaten der LTO- sowie der zukünftigen "Super-DLT"-(SDLT-)Drives. Allerdings vertraut Sony nicht mehr allein auf die eigene Technik. Die Japaner haben sich jüngst auch in den Reigen der LTO-Lizenznehmer eingereiht.

Für die AIT-3-Laufwerke hat Sony schon genaue Preisvorstellungen. Das Basisgerät soll weniger als 5000 Dollar kosten. Preise der LTO-Laufwerke sind bislang noch nicht bekannt. Seagate-Mann Atzkern schätzt aber, dass sich auch LTO-Drives in diesem Rahmen bewegen werden. Quantum wird sich für die neue SDLT-Generation vermutlich ebenfalls an diesen Preisen orientieren, denn die Leistungswerte der drei Laufwerkstypen sind vergleichbar.

Techniksprünge bereiten Anwendern ProblemeLaut Quantum-Manager Ory kann noch in diesem Jahr mit der Auslieferung der ersten SDLT-Produkte gerechnet werden. Das Design sieht eine modulare Bauweise vor, "ähnlich wie bei einem Lego-Baukasten". Ausgehend von einem Basis-Drive mit 80 GB Kapazität (unkomprimiert) und einer Transferrate von 8 MB/s (native), umfasst die erste SDLT-Generation ein Laufwerk mit 110 GB und 11 MB/s Datendurchsatz sowie ein Highend-Gerät mit ebenfalls 110 GB Fassungsvermögen, aber einer schnelleren Transferrate von 16 MB/s, das im ersten Quartal 2001 auf den Markt kommen soll. Damit liegen LTO- und SDLT-Technik etwa gleichauf. Vergleichswerte in puncto Speicherleistung und Schnelligkeit lassen sich jedoch erst später durch Benchmark-Tests ermitteln.

Skeptisch äußert sich Ory hinsichtlich der technischen Roadmap von LTO: "Von der ersten auf die zweite Generation gibt es einen Technologiesprung beim verwendeten Encoding-Verfahren." Die ersten Ultrium-Drives nutzen für die Umsetzung der analogen Signale des Bandes in digitale Informationen das "RLL"-Verfahren. Die zweite Generation werde sich dann des PRML-Verfahrens bedienen, das heute bereits die meisten Festplatten benutzt und das viel wirtschaftlicher arbeitet als RLL.

Außerdem wollen die LTO-Unternehmen laut Ankündigung von der dritten auf die vierte Generation das Medium wechseln. Nach Bändern mit einer Beschichtung mit Metallpartikeln sollen noch nicht definierte "Thin-Film"-Medien zum Einsatz kommen. Dazu Ory: "Ein Medienwechsel lässt bei mir die Warnlichter angehen. Das bedeutet, dass Probleme auf die Anwender zukommen könnten."

Den Vorwurf der Technologiesprünge gibt IBM-Managerin Manger zurück. Auch mit den neuen SDLT-Laufwerken müssten sich die Kunden auf einen Bruch in der Technik gefasst machen. So würde Quantum bei seinen geplanten SDLT-Spezifikationen ebenfalls auf die neuen sicheren Servospuren setzen, die bereits jetzt bei LTO verwendet werden.

Mit einem Pfund kann Quantum bei seiner DLT-Technik in jedem Fall wuchern: die große installierte Basis. Über 1,4 Millionen Laufwerke und mehr als 50 Millionen Cartridges wurden bislang weltweit verkauft. Selbst zwei Mitglieder aus dem LTO-Gremium - IBM und HP - haben sich zu dieser einst von Digital Equipment entwickelten Bandtechnik bekannt. So will zum Beispiel IBM die SDLT-Technik als Speichersystem für die Intel-basierten Server-Linien einsetzen.

Auch HP plant, seine zukünftigen Bandbibliotheken ebenfalls mit SDLT-Drives auszustatten. Darüber hinaus haben die Kalifornier aus Palo Alto kürzlich ein OEM-Abkommen mit Benchmark Tape Systems geschlossen. Benchmark stellt in eigener Regie "DLT1"-Laufwerke her, die HP unter seiner Marke vertreiben wird. Zugleich hat das Unternehmen angekündigt, die Entwicklung der Digital-Data-Storage(DDS-)Laufwerke einzustellen.

Quantum kommt diese Entwicklung gerade recht. Denn mit dem Auftauchen der Benchmark-Produkte bietet die DLT-Technik eine durchgängige, in sich kompatible Produktlinie: vom DLT1-Laufwerk von Benchmark für 1200 Dollar bis hin zur mit SDLT-Drives bestückten Millionen-Dollar-Bandbibliothek. Zwar werden alte Bänder etwa aus den DLT-4000-Laufwerken von den zukünftigen SDLTs nicht zu beschreiben sein, aber sie sind zumindest lesbar. "Damit steht unserer Kundschaft ein einfacher Migrationspfad offen", so Ory. Der LTO-Initiative fehle jedoch jede Abwärtskompatibilität, "die Produkte sind nicht einmal innerhalb der beiden Formate Ultrium und Accelis kompatibel."

Diese Kompatibilität ist auch gar nicht gewollt, kontert Manger von IBM. Die Spezifikationen von Ultrium und Accelis verfolgten unterschiedliche Ziele. Außerdem sei es im Moment sowieso fraglich, ob überhaupt Accelis-Produkte auf den Markt kommen. Der LTO-Zug scheint vorerst nur auf dem Ultrium-Gleis vorwärts zu dampfen.