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09.05.1986

"Wer mit Datennormalisierung nichts anzufangen weiß, sollte seine Hände von relationalen DB Systemen lassen"

Strahlend verkündet derzeit so mancher DV-Manager, daß sich DB2 in seinem Unternehmen bereits in der Testphase befinde und demnächst in Produktion gehen werde. Und so glaubt mancher Entscheidungsträger, damit das Thema Datenbanken für die nächsten Jahre abhaken zu können. Allerdings: Relationale DB-Systeme einzusetzen, nur um dem Endverbraucher den Zugriff ohne Datenmanagement zu ermöglichen, führt zum Chaos.

Die lästigen Themen wie Datenkonsistenz, Datennormalisierung, Datenstrukturierung, Datenintegrität und Datenaktualität sind nun endlich vom Tisch - es gibt ja ein relationales Datenbanksystem. Die Fachwelt, die Datenbankexperten sind sich über die hervorragende und zu(...)nftsweisende Bedeutung der relationalen Datenbanksysteme einig.

Es ist richtig: Relationale Datenbanksysteme sind flexibler als herkömmliche netzwerkorientierte oder hierarchische Systeme. Neue oder modifizierte Anforderungen an die Datenstruktur können leichter in die bestehende Datenbankorganisation eingebaut werden. Ferner trifft zu, daß relationale Datenbanksysteme im allgemeinen benutzerfreundlicher sind. Sie verfügen in der Regel über eine leistungsfähige Abfragesprache, die es ermöglicht, komplexe Suchanfragen zu formulieren. Und schließlich eignen sich relationale Datenbanksysteme besonders für zukunftsweisende Konzepte wie das der verteilten Datenhaltung.

Relationalen Systemen gehört also die Datenbankzukunft, und Anwender sind gut beraten, sich den technologischen Weg in diese Zukunft nicht zu verbauen. Aber relationale Datenbanksysteme sind kein Allheilmittel zum Thema Daten. Relationale Datenbanksysteme ersetzen keine Datenanalyse. Im Gegenteil: Wer mit dem Schlagwort Datennormalisierung noch immer nichts anzufangen weiß, sollte tunlichst die Hände von relationalen DB-Systemen lassen.

Das Problem der Normalisierung von Daten ist mit relationalen Systemen nicht vom Tisch, relationale Systeme setzen die Beherrschung dieser Methodik vielmehr voraus. Setzt man hochkarätige IMS-DB-Experten ohne vorherige Schulung im Bereich der Datenanalyse an die Strukturierung beispielsweise einer DB2-Datenbank, so darf man sich über anschließende Performance-Probleme nicht beklagen.

Relationale Datenbanksysteme ersetzen kein Datenmanagement. Je heterogener die Benutzergruppen eines DB-Systems sind, desto stärker machen sich Ungenauigkeiten in der Datendefinition bemerkbar.

Will man mit einem relationalen Datenbanksystem vor allem auch Endbenutzer nahe an ihre Daten heranbringen, so ist es unabdingbar, daß diese Daten von einem funktionsfähigen Management betreut werden. Relationale Datenbanken in großen Stil einzusetzen, um dem Endverbraucher den Zugriff ohne Datenmanagement zu ermöglichen, hieße vergleichsweise, ihn auf einen Gabelstapler zu setzen, in einen Selbstbedienungsladen hineinfahren zu lassen und anschließend das Licht zu löschen: Chaos.

Relationale Datenbanken ersetzen kein Information-Ressource-Management-Konzept. Welche Daten wann und wo verfügbar sein müssen, wer auf welche Daten zugreifen kann und darf, klärt kein relationales Datenbanksystem .

Ohne gesamtorganisatorisches Konzept zur Versorgung des Unternehmens mit Information kann kein relationales Datenbanksystem seine unbestreitbaren Vorteile entfalten. Es bleibt dem Zufall oder dem "Spiel der Kräfte" überlassen, wo im Unternehmen und wie zielgerecht ein relationales DBMS eingesetzt wird.

Fazit: Ein relationales Datenbanksystem ist eine technologische Lösung. Technologische Lösungen setzen methodische und vor allem organisatorische Lösungen in ihrem Umfeld voraus. Erst im Rahmen dieses Umfeldes können sie ihre gesamte Wirkungsweise entfalten.

Relationale Datenbanken als Alibifunktion für das DV-Management? Vorsicht vor falschen Freunden. Relationale Datenbanksysteme machen Versäumnisse im Bereich methodischer und organisatorischer Infrastruktur in bestehenden DV-Abteilungen sehr schnell transparent. Manchmal schneller, als einem lieb ist.

*Hartmut Skubch ist Geschäftsführer der Innova Consulting GmbH, Wiesbaden.