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01.11.1996 - 

Netz-Management/Die Deutsche Telekom AG betreibt Netz-Accounting in offenen Systemen

Wer Ressourcen verbraucht wird zur Kasse gebeten

Insbesondere die Kosten in offenen Systemen sind den IT-Controllern ein Dorn im Auge, da sie sich nicht exakt abrechnen lassen. Bei der Deutschen Telekom AG entfallen immerhin zirka 30 Prozent der nicht unbeträchtlichen IV-Kosten auf die Bereiche offene Systeme und Netzwerk.

In der Vergangenheit wurden diese Kosten pauschaliert auf die verschiedenen Abteilungen umgelegt - eine aus zweierlei Gründen unbefriedigende Lösung: Die pauschalierte Weiterberechnung bringt immer Ungerechtigkeiten mit sich, da es das Budget einer Abteilung, gemessen am Anteil ihrer tatsächlich verursachten Netzkosten, über Gebühr belasten kann. Außerdem fördert dieser Modus des Charge-back nicht eben das Kostenbewußtsein - weder das der Mitarbeiter einer Abteilung, die die Netzbelastung mit ihrer Arbeit verursachen, noch das der Führungskräfte, die die Einführung neuer Verfahren verantworten. Um das entsprechende Kostenbewußtsein zu schaffen, beschloß die Telekom deshalb, eine Leistungsverrechung für ihre offenen Systeme einzuführen.

Grundstein hierfür ist in einem ersten Schritt ein umfassendes Accounting, ohne bereits mit dem eigentlichen Charge-back zu beginnen. In einem ersten Schritt werden Teilkapazitäten meßbar abgegrenzt sowie eindeutige Meßgrößen für unterschiedliche Nutzungsintensitäten definiert. Notwendig sind dazu sowohl Informationen wie qualitative Merkmale für die Datenmodellierung aus fachlicher Sicht (Was soll gemessen beziehungsweise verrechnet werden?), als auch quantitative Angaben, die für eine effiziente physische Speicherung unabdingbar sind (Aggregation der Daten).

Die - vorläufige - Beschränkung auf das reine Datensammeln hat einen einfachen Grund: Die Daten aus dem Accounting sind die Grundlage für das Charge-back. Um dieses aber sachgerecht durchzuführen, ist eine präzise Kalkulation notwendig. Das setzt auch frei definierbare Verrechnungsalgorithmen und Stückpreise voraus, die das Ziel haben, alle Daten des Leistungsprozesses aufzuteilen. So kann man den Kostenstellen-Verantwortlichen eines Bereichs der Telekom natürlich nicht dafür verantwortlich machen, daß die Gesamtkosten der IV gestiegen sind, sehr wohl muß er aber für die Ausgabenentwicklung seiner Kostenstelle einstehen.

Wichtige Kriterien für eine weitere Differenzierung sind beispielsweise die Art des Verbrauchs oder die Herkunft der Kosten und Leistungen. Nach einer ausreichenden Sammlung von Daten und wenn eine sichere Leistungsverrechnung möglich ist, soll vorerst in einem abgrenzbaren Bezugsbereich, dem Weitverkehrssektor, mit dem Charge-back begonnen und dieses dann Schritt für Schritt ausgebaut werden.

So groß die Telekom ist, so heterogen ist auch ihre kommerzielle DV-Welt. Zirka 2000 Midrange-Unix-Systeme bedienen ihre 120 Niederlassungen und diversen weiteren Organisationseinheiten, bei denen zur Zeit mehr als 100000 vernetzte Endgeräte im Einsatz sind. Ein Großteil dieser Systeme wird dezentral betrieben und regional oder zentral administriert.

Die Versorgung mit Mainframe-Leistungen übernehmen sechs Großrechenzentren, in denen vornehmlich Lösungen unter MVS und BS2000 mit derzeit zusammen über 10000 Mips laufen. Die Unix-Maschinen werden für verschiedene Anwendungen wie "Auftragsverwaltung Kundenservice", "Zeichnungsverwaltung Kabelführung" oder "Bürokommunikation" benutzt. Maschinen, die einer Applikation zugeordnet sind, wickeln allerdings nicht nur einen regen Datenverkehr mit den Nutzern ihrer Anwendungen ab, sondern haben größtenteils auch untereinander intensive Kommunikationsbeziehungen.

Die Telekom wollte für einzelne Applikationen nicht jeweils eigene Netze einrichten, und die Nutzer einer Applikation verwenden häufig auch Anwendungen auf anderen Maschinen - auch Mainframe-Applikationen. Dafür gibt es ein TCP/IP-Netz, das sowohl Inhouse-Netze als auch ein Wide Area Network umfaßt. Daneben existieren, vor allem historisch bedingt, SNA- (IBM-MVS) und Transdata-Netze (SNI/BS2000).

Dem TCP/IP-Netz kommt künftig eine dominierende Bedeutung zu, da die Telekom es als das strategische Netz auserkoren hat. In diesem Standardprotokoll werden alle anderen Netze aufgehen. Derzeit sind an das TCP/IP-Netz rund 40000 Nutzer angeschlossen. Im Endausbau wird es vermutlich etwa 150000 User umfassen.

Folglich benötigte die Telekom eine Accounting-Software, die sich durch Flexibilität auszeichnet, sowohl was den Charakter und die Struktur der Reports als auch was den Umfang der Reports angeht. Weil Layout und Menge der Informationen permanenten Änderungen unterliegen, kamen fertige Reports in Cobol oder C, die sich nur durch intensives Programmieren ändern lassen, nicht in Frage. Die häufigen Änderungen - die Erfahrung der Vergangenheit im Mainframe-Bereich hat es erwiesen - machen Softwarelösungen mit komfortablen Reportgeneratoren notwendig.

Aus organisatorischen Gründen entschied sich die Telekom, das Accounting vorerst auf den Weitverkehrsbereich zu beschränken. Der Grund: Zirka 2000 Router laufen derzeit im TCP/IP-Netz. Würden alle IP-Adressen schon heute individuell abgerechnet, müßte von allen diesen Routern eine Datenerfassung und ein Datentransfer laufen. Das ist zwar technisch machbar, aber nur unter großen Schwierigkeiten auf Anhieb störungsfrei durchzuführen. Und da die Telekom rasch zu sichtbaren Ergebnissen kommen wollte, entschied sie sich vorerst für die Teillösung, um im WAN-Bereich erste Erfahrungen zu sammeln.

Dabei ist im Hinterkopf durchaus der Wunsch vorhanden, auch auf der Ebene lokaler Netze zukünftig so detailliert wie möglich Accounting zu betreiben. Da sich dies aber nur mit einem erheblichen Aufwand realisieren läßt, benötigt die Telekom zuerst eine sichere Erfahrungsgrundlage.

Zentral wurde "Computer Performance Evaluation for Open Systems" (CPE) von SAS als Performance-Data-Warehouse im Netzkontrollzentrum der kommerziellen DV der Telekom in Bielefeld installiert. Die Ortswahl lag nahe, da dieses Kontrollzentrum ohnehin das gesamte Netz der Telekom zentral administriert. Von den insgesamt 2000 Routern - die meisten Cisco-Router - haben zirka 200 die Aufgabe, den Verkehr in den Weitverkehrsbereich zu übergeben. Das Netzwerk-Management und das Monitoring der Performance-Daten übernimmt dabei das Netzwerk-Management-System Open-View von Hewlett-Packard. Es wird zukünftig Netz-Performance-Daten über Standard-Schnittstellen in das Performance-Data-Warehouse liefern.

Zusätzlich werden die 200 Router zur Ermittlung der für das Netz-Accounting notwendigen Volumendaten angezapft. In den 120 Niederlassungen und den anderen Organisationseinheiten werden die Daten stündlich zusammengefaßt und auf Stundenbasis gespeichert. Einmal täglich erfolgt über dezentrale Netzadministrationsstationen die Übertragung nach Bielefeld, wo sie in die Datenbank des Performance-Data-Warehouse einfließen.

Die Router-Datenerfassung beruht auf Shell-Scripts, die die Telekom selbst erstellt hat. Das Format dieser Daten ist also kein Industriestandard. Die Anpassung der zentralen Performance-Datenbank an die Accounting-Daten bereitete dabei aber keine Probleme, da hierfür als Teil des Performance-Data-Warehouse eine komfortable Oberfläche zur Adaption von User-Datenformaten zur Verfügung stand.

Nach Übergabe der Daten an das Performance-Data-Warehouse übernehmen die Lesemodule der Accounting-Software die Daten, wobei dies alles automatisiert in der Nacht geschieht. Täglich wird dabei ein Datenvolumen von rund 40 MB bewegt. Insgesamt hat das Performance-Data-Warehouse eine Kapazität von derzeit etwa 1,5 GB.

Die Daten aus den Shell-Scripts bestehen aus der IP-Source-Adresse und der Destinationsadresse und Volumenangaben über transferierte Blöcke und Bytes. Die IP-Adressen sind allerdings in Richtung Kostenverrechnung noch nicht aussagekräftig und müssen gewissermaßen zum Leben erweckt werden. Die Accounting-Software zieht hierzu weitere Hilfsdaten aus anderen Administrationssystemen heran, reichert damit das Data-Warehouse an und generiert schließlich entsprechende Reports, bezogen unter anderem auf Kostenverantwortliche, Kostenstelle und Volumen.

Obgleich das Charge-back in den offenen Systemen das vorrangige Ziel dieser Software-Installation ist, lassen sich für die Zukunft noch weitere Nutzungsmöglichkeiten denken. Denn die im Rahmen des Accounting zur Verfügung gestellten Daten sind von äußerstem Reiz auch für das Kapazitäts- und Konfigurations-Management, da sie eine absolute Sender-Empfänger-Beziehung darstellen.

Die Telekom

Die Deutsche Telekom AG ist mit einem Umsatz von 66 Milliarden Mark das drittgrößte Telekommunikationsunternehmen der Welt. Die Telekom beschäftigt derzeit rund 207000 Mitarbeiter. Der Börsengang der Telekom Mitte November stellt das größte "Going public" in der deutschen Nachkriegsgeschichte dar.

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In den heterogenen Systemwelten - und das gilt sowohl im LAN- als auch im WAN-Bereich - steckt das Accounting und damit die Leistungsverrechnung noch in den Kinderschuhen, da bislang die abrechnungsrelevanten Daten nicht transparent zu machen waren. Die Deutsche Telekom AG, einer der größten DV-Anwender Deutschlands, hat jetzt begonnen, ein System für das Accounting in ihrem heterogenen internen DV-Netzwerk zu implementieren. Die Mitarbeiter der verschiedenen Unternehmensbereiche sollen so zu mehr Kostenbewußtsein angehalten werden.

*Reinhold Schlüpmann ist Systemspezialist für IT-Performance- und Kapazitäts-Management im Informationstechnischen Zentrum der Deutschen Telekom AG, Darmstadt.