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16.02.1996 - 

Lernen im Internet

"Wer trinkt schon gerne Selters, wenn er Sekt geniessen kann?"

CW: Kann man im Internet lernen?

Mueller: Wenn Sie unter Lernen die klassische Situation Lehrer und Lernender verstehen und der Lehrer hier das Internet sein soll, sicher nicht. Es ist aber ein Paradigmenwechsel vom Lehren zum Lernen moeglich, wenn eine neue Grundhaltung geschaffen wird. Diese besteht darin, die Motivation und den Basis-Ausbildungsstand von Mitarbeitern so sehr zu steigern, dass Menschen nicht nur tun, was man ihnen sagt, sondern sogar, was man ihnen noch gar nicht sagen kann.

CW: Wann und fuer wen ist es sinnvoll, statt Seminarbesuch uebers Netz zu lernen?

Mueller: Derzeit lohnt es sich primaer nur fuer Leute, die zumindest ueber gutes Schulenglisch verfuegen. Auch werden die Inhalte sehr stark von wissenschaftlichen Beitraegen und Publikationen aus dem DV-Umfeld dominiert.

CW: Wie lange dauert es dann, bis der Teilnehmer so fit ist, dass er die Inhalte findet, die er tatsaechlich benoetigt hat?

Mueller: Ich will niemanden entmutigen, aber ein halbes Jahr Arbeit sollte man schon einkalkulieren, bis man Ergebnisse erzielt, die auch anwendbar sind.

CW: Welche Vorteile hat der Lernende?

Mueller: Der Lernende bestimmt Zeit, Ort und zumindest grundsaetzlich die Art, wie er lernen moechte.

CW: Glauben Sie, dass eine besondere Didaktik notwendig ist? Es gibt Untersuchungen, die behaupten, dass freiwillig kaum einer uebers Netz lernt.

Mueller: Von einer Didaktik kann eigentlich hier gar nicht die Rede sein, da bislang nur sehr wenige Anbieter CBT-aehnliche Lernstrukturen als HTML-Dokumente im Internet abgelegt haben. Ich bin allerdings der festen UEberzeugung, dass die traditionellen CBT-Programme mit ihrer rein linearen Frage-und-Antwort-Vorgehensweise oder Trichter-Methode in einer wissensvernetzten Informationsgesellschaft ohnehin ausgedient haben.

CW: Haben also Lernprogramme keine Chance, sich via Internet durchzusetzen?

Mueller: Wenn die Lernprogramme dem modernen Lernen gerecht werden, sicherlich. Wenn es sich aber nur um alten Wein in neuen Schlaeuchen handelt, also CBT-Programme eins zu eins ins Internet uebertragen werden, kaum. Wer trinkt schon Selters, wenn er Champagner geniessen kann?

CW: Welche Inhalte eignen sich?

Mueller: Das Internet sollte in diesem Bereich zunaechst nur einer virtuellen Abbildung unserer heutigen Realitaet nahekommen. Insbesondere Verleger mit ihren gedruckten Inhaltsangeboten werden gefordert sein, wollen sie nicht von Newcomern ins Aus manoevriert werden.