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14.10.1994

Wer will noch mal, wer hat noch nicht

14.10.1994

Dieter Eckbauer

Ganz offensichtlich haben die DV-Hersteller den Anwendern ein zu hohes Tempo fuer die Einschaetzung des praktischen Wertes neuer Techniken zugemutet. Das raecht sich. Zumindest bei den Endbenutzern ist die Bereitschaft nicht mehr vorhanden, alles mitzumachen, was die IT-Industrie unter Innovation verstanden wissen will. Die Marktakzeptanz neuer Produkte, die von den Herstellern erkennbar nur als Wettbewerbswaffen eingesetzt werden, laesst sich auch durch aggressive und teure Werbekampagnen nicht erzwingen, was fuer die Vernunft der potentiellen Benutzer spricht. Intel muss das bei den Pentium-Prozessoren erfahren. Pentium- basierte Systeme bringen nach Anwenderberichten kaum Performance- Vorteile gegenueber 486er Modellen.

Warum sollten es die Firmen also mit der Umstellung eilig haben, zumal sich die Pentium-Technik als noch nicht voellig ausgereift erweist? Intel bleibt indes gar nichts anderes uebrig, als sich selbst durch eine immer schnellere Produktfolge unter Verkaufsdruck zu setzen - nur die naechste Chip-Generation garantiert Gewinne. Die Tatsache, dass es fuer die Kunden gute Gruende geben muss, das neueste Equipment einzusetzen, gehoert zu den Risiken, mit denen ein Mann wie Intel-Chef Andy Grove leben muss. Er weiss, seine Firma ist verloren, wenn die Kunden keinen Appetit auf neue IT-Anwendungen entwickeln.

Nicht immer ist es so durchsichtig - und fuer den betroffenen Hersteller auch einsehbar -, dass bestimmte Mechanismen in einem gesaettigten Markt nicht mehr funktionieren. Dies zeigt die verwirrende Diskussion um die DOS-Nachfolge: Von Microsoft wird unter anderem Windows NT angeboten; die IBM wiederum offeriert OS/2, um zu beweisen, dass sie es auf dem PC-Betriebssystem-Sektor mit der Gates-Company aufnehmen kann. In beiden Faellen haben sich die Anwender dem Verkaufsansinnen bisher mehrheitlich verweigert - DOS/Windows tut es auch.

Weder von Microsoft noch von IBM wird das Eingestaendnis zu bekommen sein, dass die Windows-NT- beziehungsweise OS/2-Geschaefte nicht wie gewuenscht laufen. Bei Big Blue ist das OS/2-Trauma schon chronisch. In die Entwicklung des 32-Bit-Betriebssystems wurden enorme Summen gesteckt, ohne dass es sich fuer die IBM bisher auszahlte. Der Mainframer versucht jetzt mit einer gross angelegten Werbekampagne, OS/2 im sogenannten "Soho"-Markt, bei "Small- Office- und Home-Office"-Anwendern, populaer zu machen, dort, wo Microsoft am staerksten ist.

Umgekehrt mueht sich Microsoft mit einem "Solution-Server-Programm" um Akzeptanz bei Mainframe-Kunden, die IBM-Betreuung gewohnt sind, von der System-360-Wiege bis zur System-370-Bahre. Windows NT wird kostenlos zur Probe installiert - wer will noch mal, wer hat noch nicht. Ueber ihren Hakeleien vergessen die Rivalen, dass die Anwender mit Technikargumenten allein nicht zu beeindrucken sind. Die Betriebssystem-Diskussion lenkt von dem Problem ab, das im Zusammenhang mit Intel angesprochen wurde: 32 Bit machen noch keinen Markt - IBM und Microsoft koennen sich leicht verrennen.