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16.08.2002 - 

Kolumne

"Wer wirft noch das Handtuch?"

Christoph Witte Chefredakteur CW

Vergangene Woche hat Vodafone in Sachen UMTS auf die Bremse getreten. Natürlich ist offiziell nur von einer Verschiebung des Starts die Rede, und ebenso natürlich wird die Verspätung nicht mit eigenen Fehlern oder Finanzierungsschwierigkeiten begründet, sondern mit den Versäumnissen von Dritten. In diesem Fall sind es die Endgerätehersteller, die es laut Vodafone nicht schaffen, UMTS-fähige Handys in ausreichender Stückzahl und Qualität zu liefern.

Bei Vodafone dürften jedoch in Wirklichkeit Finanzierungsschwierigkeiten die Verzögerung verursachen. Das Unternehmen hat seine UMTS-Lizenzen zunächst in Großbritannien und dann in Deutschland zu Höchstpreisen erworben. Dazu kommen die Ausgaben für den Netzausbau und später die unvermeidlich teuren Marketing-Kampagnen, die den Kunden die neuen Dienste schmackhaft machen sollen. Und hier - in der mangelnden Nachfrage sowohl der End- als auch der Firmenkunden - liegt das eigentliche UMTS-Problem. Diese Schwierigkeit ließ auch die anderen Carrier von E-Plus über Mobilcom, O2 und Quam bis zu T-Mobile ihre UMTS-Pläne überdenken.

Offensichtlich fiebert niemand den breitbandigen Mobilfunkdiensten entgegen. Dabei geht es nicht einmal um das immer wieder beklagte Fehlen einer Killerapplikation. Die Kunden vermissen den spürbaren Fortschritt, der einer Technik den schnellen Durchbruch und die massenhafte Verbreitung bringt.

Man denke nur an den Wechsel von der Schallplatte zur CD. Zum viel besseren digitalen Klang, der angeblichen Verschleißfreiheit und dem größeren Komfort gesellte sich ein wichtiger Umstand: Die Branche war sich einig. Seit Einführung der CD wurden kaum noch neue Songs auf Platte gepresst, die Melodien der Stars wurden überarbeitet und als digitale Pressungen auf den Markt gebracht. So war es möglich, den Kunden deutlich höhere Preise abzuverlangen.

Das ist in der Mobilfunkszene anders. Die Lizenzbesitzer und die Habenichtse machen sich starke Konkurrenz. Es gibt praktisch keinen Dienst, der nicht zunächst als UMTS-exklusiv angekündigt wurde, inzwischen aber in herkömmlicher GSM- oder GPRS-Technik bei völlig ausreichender Qualität verfügbar ist. Solange die Konkurrenz erhalten bleibt und damit die "alten" Techniken weiter ausgereizt werden, kann sich UMTS nur schwer durchsetzen. Deshalb ist damit zu rechnen, dass bald der nächste UMTS-Lizenzinhaber das Handtuch wirft. Stellt sich nur die Frage, was dann passiert: Wird, wie jetzt in der Diskussion, Geld zurückerstattet, oder tun sich die Anbieter zu neuen Konsortien zusammen, um die Anlaufverluste in Grenzen zu halten?

Paradoxerweise könnten sich die UMTS-Propagandisten mit ihren finanziell begründeten Startaufschüben vollends um ihre Verdienstchancen bringen. Irgendwann erlahmt das Interesse der potenziellen Kunden nämlich ganz, die UMTS-Reste werden in die Mottenkiste der größten Technikflopps wandern und die Verluste unter Schmerzen abgeschrieben.