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27.02.1987 - 

Schweizer Postbetriebe wollen 10 000 Abonnenten bis Jahresende:

Werbekampagne soll Videotex retten

BERN (CWS) - "Videotext" - Das geniale Telefon": Unter diesem Slogan startet die Zolliker Werbeagentur B.S.S.M. im Auftrag der PTT Mitte März die erste Stufe einer Werbekampagne, die Videotex auf Vordermann bringen soll. Bereits Ende 1987 rechnet man mit 10 000 Abonnenten.

PTT-Generaldirektor Rudolf Trachsel, Chef des Fernmelde-Departments, hat es satt, sich vorhalten lassen zu müssen, sein Marketing sei stümperhaft. Bereits für das laufende Jahr will er sein Marketingbudget verdoppelt wissen. Die Videotex-Kampagne, deren erste Stufe ein paar hunderttausend Franken kosten wird, soll die Musik signalisieren, die auf die PTT-Konkurrenz nach der Liberalisierung wartet. Nach dem Willen des "Gelben Riesen" steht Videotex allen Unkenrufen zum Trotz vor einer sonnigen Zukunft.

Die PTT-Erwartungen für Videotex: 10 000 Abonnenten bis Ende 1987, 65 000 Abonnenten bis 1990, 200 000 bis 300 000 Abonnenten bis zur Jahrhundertwende. Bei der Werbeagentur B.S.S.M ist man etwas zurückhaltender: 50 000 bis 1990, und fürs Jahr 2000 mag man keine Prognose abgeben. Kostendeckend wird Videotex ab 20 000 bis 25 000 Abonnenten. Bisher haben die PTT rund 50 Millionen Franken in die Entwicklung von Videotex investiert, bis 1990 werden es alles in allem nach PTT-Schätzungen 120 bis 130 Millionen Franken sein. Private Unternehmungen haben bis jetzt rund 100 Millionen Franken in das Medium gesteckt.

Solche Entwicklungsbeträge verlieren an Glanz, wenn man bedenkt, daß von den PTT allein in das neue Mobiltelefon-System Natel C rund 400 Millionen Franken investiert worden sind. Der Videotex-Optimismus der PTT wird genährt durch fallende Gerätepreise. Und wieder einmal betrachtet der "Gelbe Riese" mit Sorgenfalten die schweizerische Fernmeldeindustrie. Denn zur Zeit geben sich in der PTT-Zentrale "Schönburg" vorab Vertreter von Minitel, Nixdorf und Siemens gegenseitig die Türklinke in die Hand - mit Geräte-Offerten für Serien in der Größenordnung von 20 000 Stück.

Die Minitel-Franzosen belagern die PTT jetzt mit einem neuen Gerät, mit dem man grenzüberschreitend operieren kann. Nach steht die Typenprüfung durch die PTT aus, doch ist aus der Schönburg zu vernehmen: "Wir können an den bisherigen Vorwürfen nicht festhalten, ein Njet liegt gar nicht mehr drin. Die helvetische Fernmeldeindustrie wird es geschockt zur Kenntnis nehmen. Ungehalten ist man bei den PTT auch mit den Videotex-Anbietern. Flucht ein Postmann: "Letztes Jahr leuchteten einem noch im März Weihnachtskerzen entgegen, und viel besser ist es nicht geworden. Noch immer haben wir faule Eier zuhauf."

Die Software, so der PTT-Vorwurf, wird nicht Videotex-adäquat aufbereitet. Da würden einfach die Veranstaltungskalender der Tageszeitungen aufs System gegeben. Doch auch das soll jetzt besser werden. In Bern basteln PTT, "Bund", "Berner Zeitung" und der Verkehrsverein an einem Städteguide für Videotex, der die Richtung weisen soll. Beispielsweise soll der Videotex-Abonnent nicht nur erfahren, was im Stadttheater gespielt wird, sondern er soll mit seinem Gerät auch Platzkarten bestellen können.

Bei einer von den PTT im Januar durchgeführten Erhebung wurde festgestellt, daß der Wissensstand über das neue Medium sehr gering ist. Darum wird sich die Werbekampagne der Agentur B.S.S.M. zunächst vor allem an Leute richten, die zur modernen Kommunikationstechnologie Zugang haben - die Leser der CW-Schwesterzeitung "Computerworld Schweiz" beispielsweise. Mit Anzeigen beglückt wird ferner die Wirtschafts- und Finanzpresse, aber auch eine Reihe überregionaler Tageszeitungen wie "Tages-Anzeiger", "La Suisse" und "Basler Zeitung". TV-Spots wird es vorerst nicht geben der Bereich Haushaltungen wird erst in einer dritten Stufe erfaßt.

Bis dahin werden die PTT soweit sein, daß Videotex-Benützer nicht mehr zwei Minuten warten müssen wenn sie das elektronische Telefonbuch konsultieren.