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25.11.1998 - 

Euro-Umstellung/Der Tanz um das E

Werden die Drucker auch den Euro zu Papier bringen?

Von Stephan Eder* Der Euro kommt, und sein Symbol, das epsilonartige E, möchte zu Papier gebracht werden. Doch die Druckerbranche hält nichts von Eile. Mancher Anwender wird deshalb auch mit einem nagelneuen Printer zum 1. Januar 1999 das Euro-Symbol nicht drucken können.

Einmal mehr hängt anscheinend alles dem Softwarehersteller aus Redmond an. "Wir unterstützen Microsoft", heißt es sinngemäß bei Panasonic Deutschland auf die Frage, welchen Support das Unternehmen den Nutzern von Panasonic-Druckern anbietet, wenn diese das Euro-Symbol drucken wollen.

Bei Oki sieht man das ähnlich. Für die gängigen Betriebssysteme lägen aus dem Hause Bill Gates doch Lösungen auf dem Tisch. "Weitere Aktionen sind bislang nicht geplant", verlautbart die Pressestelle. Ansonsten beobachte man die Konkurrenz und den Markt. Bei manch anderem deutschen Ableger eines Druckerherstellers hört man sogar "zum erstenmal davon, daß es da ein Problem geben könnte".

Immerhin macht Microsoft einen Schnitt. Die Betriebssysteme Windows 98 und NT 5 sind von Haus aus Euro-fähig; für die Vorläufer Windows 95 und NT 4 gibt es Patches, die die Anwender kostenlos im Internet bekommen (siehe Kasten "Microsoft und der Euro"). Doch MS-DOS und Windows 3.x werden nicht mehr unterstützt. Generell besteht das Problem darin, das Euro-Symbol in nichtgrafischen Anwendungen und unter anderen Betriebssystemen auf den Bildschirm und aufs Papier zu bringen. Dumm für den Anwender, falls er durch das Raster von Microsoft fällt und sein Lieferant keinen weiteren Support gewährt.

Aber nicht nur mancher Druckerhersteller mißt dem Thema wenig Bedeutung zu. Auch die Anwender sind diesbezüglich nur begrenzt euphorisch. So kommt aus Großbritannien - nicht von Anfang an ein Teil von Euroland - schlechte Kunde: "Printers Lag in Euro Conversion", titelte das Internet-Magazin "Techweb" (www.techweb.com) auf seiner Technologieseite Mitte Oktober.

Gerade einmal sieben Prozent aller britischen Unternehmen, so fand eine Studie des amerikanischen Druckerherstellers Lexmark heraus, hätten ihren Druckern bisher das Euro-Symbol beigebracht. Etwas besser sieht es in Italien (20 Prozent) und Frankreich (30 Prozent) aus.

Man könnte meinen, sowohl die Druckerbranche als auch die Anwender schöben die Implementierung auf die lange Bank. Doch das stimmt nur teilweise, denn die Rahmenbedingungen stehen seitens der DV-Anwender schlecht, sich gerade jetzt mit der Einrichtung des neuen Zeichens in den Druckprozeß zu beschäftigen - trotz des Euro-Stichtags 1. Januar 1999.

Die Jahrtausendwende ist noch nicht bewältigt, und die sonstigen DV-Umstellungen durch den Euro sind teilweise recht aufwendig. Dazu kommt, daß der Euro zunächst nicht bar, sondern nur als Buchungsgeld zu haben ist.

Außerdem versprechen Microsoft und einige Fonthersteller den kostenlosen Download (siehe Kasten "Font-Downloads und -Infos"). Die meisten der in der Lexmark-Studie untersuchten Anwenderunternehmen setzen beim Euro-Upgrade auf neue Fonts und erwarten dabei von Druckerherstellern und Lieferanten der Anwendungssoftware Unterstützung. Immerhin will der Großteil von ihnen sowohl "EUR" als auch das Euro-Symbol nutzen.

Schließlich verspricht die Umstellung technisch nicht schwierig, wohl aber zeitaufwendig zu werden, so "Techweb" weiter. Mit Kosten zwischen 58 und 1742 britischen Pfund pro Arbeitsplatz sind auch preisgünstige Lösungen möglich.

Das E schon heute oder zur Jahreswende einzusetzen ist für die Anwender in erster Linie eine strategische Entscheidung. Und die fällt sehr unterschiedlich aus, wie ein Blick auf den Einzelhandel zeigt.

So wird die Metro AG aus Köln zwar ab dem 1. Januar 1999, oder recht bald danach, den Rechnungsbetrag auf dem Kassenbon auch in Euro angeben. Ausgezeichnet wird aber mit dem ISO-Währungskürzel "EUR" und nicht mit dem Euro-Zeichen. Wann und ob die Metro AG das Symbol nutzen wird, vermochte Pressesprecher Hans-Joachim Wieckmann nicht zu sagen. "Die für den Einzelhandel wichtigere Deadline ist die Einführung des Euro-Geldes im Jahr 2002", erläutert er.

Im Mai bereits preschte dagegen die Osnabrücker Drogeriekette "Ihr Platz" vor. Die Endsumme beim Einkauf ist seitdem auf dem Bon auch in Euro ausgedruckt. Die Niedersachsen sind damit Pioniere im Einzelhandel. Doch sie haben ein kleines Problem: Die Kassen können das Euro-Symbol noch nicht drucken. Dabei, so verlautete es aus der Osnabrücker Zentrale, würde man das in naher Zukunft gern tun. Aber der Kassenhersteller könne zur Zeit noch keine Unterstützung anbieten.

Ähnlich unterschiedlich ist die Lage im Bankengewerbe. Wie ein technischer Supportingenieur eines großen Druckerherstellers erläutert, verwenden im Bankenbereich im Frankfurter Raum die ihm bekannten Anwender durchgehend das Kürzel "EUR", maßgeblich auf OS/2-Systemen, für die Lösungen durchaus zu haben sind. Man müsse aber unterscheiden zwischen dem internen Gebrauch und der Schnittstelle nach außen. Die Anwender würden nur dann Aufwand betreiben, wenn dies auch sinnvoll sei.

Das bestätigen auch Systemberater, die mit kleineren Filialbanken wie Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken zu tun haben. Dort ist das Euro-Symbol gefragt. Die Windows-Anwendungen würden entsprechend umgestellt. Die Banken nutzen das E bewußt wegen des Symbolwerts im Kundenverkehr.

Wenn der Kundendruck also teilweise fehlt, ist es nicht verwunderlich, wenn mancher Druckerhersteller nur Microsoft-Vorgaben "unterstützt". Für sie ist der Euro-Support zur Zeit noch keine notwendige, sondern ein strategische Entscheidung, die der Kunde manchmal noch nicht einmal positiv registriert.

So könnte Siemens-Nixdorf im von der Euro-Umstellung stark betroffenen Finanzbereich für seine Highprint-Buch- und Belegdrucker (Flachbettdrucker) rückwirkend bis 1989 einen Euro-Support durch Einfügen einer zusätzlichen Zeichentabelle ermöglichen. "Konkrete Anforderungen liegen zur Zeit aber noch nicht vor", heißt es jedoch aus der Paderborner Verwaltung. Auch Rolf Schröder von Canon Deutschland erklärt, bislang noch keine Nachfrage nach einer Euro-Unterstützung erhalten zu haben.

Bei der Firma Hengstler ist ebenfalls von Kundenandrang wenig zu spüren. Bislang gebe es wenig Nachfrage in puncto Euro-Zeichen, aber es sei eine steigende Tendenz zu verzeichnen. Hengstler stellt Spezialdrucker für Bankautomaten, Kassensysteme, Fahrkartenautomaten und Tanksäulen her, alles Bereiche, in denen demnächst Umstellungen unvermeidlich sind.

Dennoch setzen einige große Hersteller auf eine pünktliche Euro-Fähigkeit zum Stichtag. IBM, Hewlett-Packard, Lexmark und Kyocera bieten mit dem vierten Quartal 1998 nicht nur Euro-fähige Printer an, sondern präsentieren auch Lösungen für viele Altgeräte.

Das dürfte damit zusammenhängen, daß diese Hersteller viele Kunden haben, die weder unter Windows noch mit grafischen Applikationen arbeiten und, etwa jene mit Host-Architektur, Systemlösungen erwarten. So bot Kyocera schon im Juni eine betriebsunabhängige Lösung für die eigenen Drucker an. "Wir haben etwa 30 Prozent der Drucker in nichtgrafischen Anwendungen," heißt es dazu aus der deutschen Zentrale in Meerbusch.

IBM garantiert für alle ab dem 29. September dieses Jahres verkauften Printer, daß sie entweder Euro-fähig sind oder daß bis zum 31. März 1999 kostenlos ein Euro-Upgrade angefordert werden kann. Allerdings mag Big Blue nicht für alle älteren Geräte einen solchen Support garantieren. Für Host-Systeme unter verschiedenen Betriebssystemen bietet IBM - ebenso wie Hewlett-Packard - Unterstützung, und kündigt für DOS- und Unix-Applikationen Download-Fonts oder Hardwarelösungen an.

Im deutschen HP-Zentrum in Böblingen ist man von der Notwendigkeit des Euro-Symbols überzeugt. Joice Champion, Solutions Integration Manager im HP Peripherals Group Europe Marketing Center, erklärt: "Viele Anwender werden es auf Spreadsheets, Preisschildern, in der Werbung und für Broschüren nutzen wollen. Das Symbol benötigt weniger Platz auf Spreadsheets und in Berichten als ,EUR''." HP will die gesamte Laserwriter-Familie bis hinunter zum Laserwriter II unterstützen.

Auch Lexmark hat bereits im Juli für eilige Kunden im Internet eine Notlösung zum Downloading plaziert. Der Anbieter möchte die Bestände jetzt nach und nach Euro-fähig machen - mit Software-Updates der Treiber und notfalls mit neuen Speichermodulen.

Die Mitbewerber am Markt werden sicher nachziehen. Dennoch wird, falls das E gedruckt werden muß, mancher Printer und manches DV-System auf den Sondermüll wandern.

Zum einen werden die Druckerhersteller zwar einen Gutteil, aber längst nicht alle Geräte aus den Beständen aufrüsten können. Teilweise ist die nötige Hardware schlicht nicht mehr verfügbar. Zum anderen schauen sie darauf, welches Nutzungsprofil für die jeweiligen Geräte in der Praxis vorhanden ist.

So heißt es bei Epson bezüglich grafischer Anwendungen erst einmal: "Siehe Internetseite von Microsoft." Doch im Gegensatz zu Oki liefert die Düsseldorfer Epson-Zentrale ein penibles Listing mit Druckern, die für Anwender mit nichtgrafischen Applikationen die zusätzliche DOS-Codepage 858 oder die neue ISO-Codepage 8859-15 implementiert bekommen, die das Euro-Zeichen enthalten (siehe Kasten "Euro und Standards").

Auch bei Hewlett-Packard ist ein deutlicher Unterschied zwischen dem Laserdruckerbereich und der Tintenstrahltechnologie festzustellen. Grund ist das unterschiedliche Anwenderprofil. "HP hat bislang noch keine Pläne bekanntgegeben, den Inkjet-Produkten (Deskjet und Officejet, Anm. d. Red.) interne Fonts hinzuzufügen", erklärt Champion.

Damit sind zur Zeit Hardware-Upgrades wie bei den Laserdruckern vom Tisch. Bei diesen Produkten wird der Support nur über Microsoft und die Fonts von Adobe laufen. Der Grund ist einfach: Die HP-Inkjets stehen größtenteils im Soho-Bereich und in Büroanwendungen, bei denen Windows-Applikationen vorherrschen.

Ob ein DV-System das E handhaben kann, hängt vom Zusammenspiel zwischen Betriebssystem, Anwendung und Drucker ab. Die vier genannten Druckerhersteller beweisen, daß nicht alles von Redmond abhängt. Bei den Betriebssystemen und den nichtgrafischen Anwendungen sind durch die Festlegung von Codepages, die das E enthalten (siehe Kasten "Euro und Standards"), Lösungen möglich.

So hat IBM die neue DOS-Codepage 858 in sein PC DOS 2000 integriert. Apple dagegen löst das Problem über das neue Mac-OS 8.5. Basis ist die Einbeziehung des Euro-Zeichens in die Unicode-Version 2.1 als U+20AC EURO SIGN. Ältere Mac-OS-Versionen können über die neue Laserwriter-Software 8.6 Euro-fähig gemacht werden, die Apple ins Internet gestellt hat.

Die Euro-aktiven Firmen kommunizieren ihre Bemühungen offensiv nach außen, zumindest im Internet. Sie sind diejenigen, die schon heute Euro-Seiten unterhalten. Ob sich der ganze Aufwand für sie lohnt, wird sich bei der CeBIT erweisen. Spätestens dann dürfte das Kriterium "Euro-fähig" für Drucker bei den Kunden auf der Tagesordnung stehen. Und die Hersteller werden Lösungen bieten müssen - Microsoft hin oder her. Wo das nicht der Fall ist, werden bei verzweifelten Anwendern notfalls Dritte in die Bresche springen.

Standards

Um das Euro-Zeichen in druckerresidenten Fonts ansprechen zu können, sind internationale Festlegungen der entsprechenden Codepages nötig. Folgende Vereinbarungen sind zur Zeit für die Betriebssystem- und Druckerhersteller relevant:

1. Unicode: Die Version 2.1 hat den Euro auf Position U+20AC integriert.

2. ISO-Tabelle: Die ISOC hat eine eigene ISO-Tabelle ISO-8859-15 Latin 9 definiert. Sie enthält den Euro an Stelle xA4.

3. Windows: Microsoft hat die Codepages 1250 bis 1258 inzwischen geändert und den Euro an den Stellen x80 eingeführt; nur bei der Codepage 1251 ist die Stelle belegt, da kommt der Euro auf x88.

4. DOS: Es gibt einen Voschlag für eine neue DOS-Codepage der European Monetary Union (EMU). Die Codepage 850 wird dabei durch die Codepage 858 ersetzt. Das E an Position xd5 ersetzt dort das punktlose I. Diese Lösung hat Microsoft nicht umgesetzt, wurde aber von IBM beim PC-DOS 2000 implementiert.(Eder; Stand: KW 44/1998)

Angeklickt

Sind die Drucker Euro-fähig? Genaugenommen geht es darum, ob die Währungseinheit künftig als EUR oder mit seinem Symbol E erscheinen soll. In etlichen Fällen wird es völlig ausreichend sein, das Buchstabenkürzel auf Papier zu bringen. Doch in stark grafisch orientierten Umgebungen ist das Symbol gefragt. An diesen Anwendungsvorgaben orientieren sich die meisten Hersteller, bevor sie einen Drucker mit dem Symbol ausstatten. Wenn es denn schon das Symbol sein muß, ziehen sie es vor, sich einfach an die Vorgaben vom Softwaredominator Microsoft zu hängen.

*Stephan Eder ist freier Journalist in Bonn.