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04.03.1983

"Werkzeuge der Zukunftssicherung"

Hermann W. Stähler

Vorstandsvorsitzender des VDMA, Frankfurt, und Direktor der Philips Kommunikations Industrie AG, Nürnberg

Zwischen technischem und sozialem Fortschritt besteht ein enger positiver Wirkungszusammenhang, wie uns die Geschichte der letzten 180 Jahre lehrt. Der technische Fortschritt hat den sozialen Fortschritt erst möglich gemacht. Dieser positive Zusammenhang gilt auch für die gegenwärtige und zukünftige technologische Entwicklung.

Dennoch ist gerade in der heutigen Zeit eine gewisse Skepsis oder sogar Angst vor dem technischen Fortschritt und den neuen Technologien zu beobachten. Vielfach werden durch einseitige, ungenaue oder bewußt falsche Argumentationen die Ursachen-/ Wirkungsrelationen verfälscht. Im Computer wird der Prügelknabe gesehen, dem man die derzeitige Arbeitslosenproblematik anlasten will.

Dabei wird verkannt, daß der technische Fortschritt und seine treibenden Kräfte - Rationalisierung und Produktivitätssteigerung - Motor und Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum sind. Und nur durch Wachstum und Produktivitätssteigerung können wir die gegenwärtigen Arbeitsmarktprobleme lösen.

Diese positive Erkenntnis war einmal gemeinsame Überzeugung der Tarifpartner. In dem Rationalisierungsschutzabkommen der Tarifparteien der Metallindustrie von 1968 heißt es: "Die Rationalisierung als ständiger Prozeß der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung schafft neue Voraussetzungen für das wirtschaftliche Wachstum und trägt dazu bei, den erreichten Lebensstandard abzusichern und zu verbessern."

Produktivitätssteigerungen durch technischen Fortschritt schaffen per Saldo mehr und auch zukunftssichere Arbeitsplätze, wenn auch kurzfristig strukturelle Anpassungsprozesse eintreten und im Einzelfall Arbeitsplätze eingespart werden.

Eine stetige Steigerung der Produktivität ist darüber hinaus eine Voraussetzung zur Lösung anderer wichtiger wirtschafts-, sozial- und gesellschaftspolitischer Probleme, beispielsweise

- zur Wiedererlangung und Sicherung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Für die deutsche Wirtschaft, die mit einem Exportanteil von über 30 Prozent am Sozialprodukt in hohem Maße in den Prozeß der internationalen Arbeitsteilung integriert ist, gilt diese Forderung um so stärker als die Bundesrepublik bei den Lohn- und Lohnnebenkosten eine internationale Spitzenstellung einnimmt.

- Sie ermöglichen die schonende und effizientere Nutzung knapper Basisressourcen;

- um einen optimalen Umweltschutz möglichst schnell zu verwirklichen und ohne Einschränkung des Lebensstandards finanzieren zu können;

- um vermehrt und wirkungsvoller Wirtschafts- und Entwicklungshilfe leisten zu können, zur Verbesserung des Lebensstandards anderer Völker, womit zugleich ein Beitrag zur Festigung des Weltfriedens geleistet wird.

Produktivitätssteigerungen definiert als Verbesserung des Wirkungsgrades der Produktionsfaktoren bei der Leistungserstellung, können mit verschiedenen Mitteln bewirkt werden, unter anderem durch quantitativ höhere Leistungen des einzelnen Berufstätigen oder durch strukturelle Verschiebungen des Arbeitsplatzangebotes von den unproduktiveren zu den produktiveren Wirtschaftszweigen. Beide Wege können nur in einem begrenzten Umfang genutzt werden, zumal sie nicht unproblematisch sind und zum Teil mit dem Ziel der Wohlfahrtssteigerung kollidieren können. Nicht dagegen der Weg, den die Menschheit seit der Steinzeit mit Erfolg beschritten hat: die zielstrebige und systematische Verbesserung der Werkzeuge, denen sie sich bei der Leistungserstellung bedient.

"Werkzeuge des Menschen" sind nicht nur Gerate, die dazu beitragen, die physische Arbeit durch Verstärkung der Muskelkraft zu erleichtern und zu beschleunigen, sondern auch diejenigen, die ihn bei seinen geistigen Tätigkeiten unterstützen.

Eine komplexe, moderne Volkswirtschaft mit einer pluralistischen Gesellschaft funktioniert nur dann optimal, wenn die unermeßliche Vielzahl und Vielfalt von Informationen jeweils rechtzeitig und in zuverlässiger Form zur Verfügung steht. Falsche oder unvollständige Informationen können zu Fehlsteuerungen in den Produktionsprozessen führen, zu einer vermeidbaren Produktion von Ausschuß oder Ladenhütern und damit zugleich zur Verschwendung von Energie und anderen Rohstoffen und zu Umweltbelastungen.

Die Effizienz unserer Volkswirtschaft ist in allen Teilgebieten jedoch nicht nur abhängig vom zuverlässigen Entstehen sowie von der Verwaltung und Verarbeitung richtiger Informationen, sondern auch von ihrer schnellen, zeitrichtigen Verbreitung durch Übertragung. Dieses Erfordernis macht die Verfügbarkeit von hochleistungsfähigen Informationsaustausch-Netzen notwendig.

Die Nutzung des technischen Fortschritts zur Verbesserung und Beschleunigung der Informationsentstehung, -verwaltung, -verarbeitung und -übertragung erhöht nicht nur die gesamtwirtschaftliche Produktivität, sondern schafft zusätzliche und vor allem zukunftssichere Arbeitsplätze.

Die Industrie der Büro- und Informationstechnik liefert und installiert moderne "Informationswerkzeuge" in vielfältiger, den Bedürfnissen der Benutzer entsprechender Form. Zugleich steht sie mit Programmen, Beratungen und Dienstleistungen für die zweckoptimale Anwendung der Informationstechnik allen Gruppen unserer Gesellschaft zur Verfügung. Sie wirkt ferner - und zwar auch in der Phase weltweiter wie nationaler wirtschaftlicher Schwierigkeiten - wie kaum ein anderer Industriezweig als Konjunkturmotor, was einige statistische Angaben eindrucksvoll belegen:

- Von 1976 bis 1981 ist die deutsche Produktion dieser Branche von sechs Milliarden auf fast zehn Milliarden Mark also um etwa 64 Prozent angestiegen. Dies entspricht einer jahresdurchschnittlichen Wachstumsrate von 10,3 Prozent. Dabei sind die ständig wachsenden Umsätze an Software- und Serviceleistungen nicht mitgerechnet.

- Eine nahezu ausgeglichene Handelsbilanz sowie eine Ex- und Importquote von fast 80 Prozent belegen, wie stark die deutsche Branche in die Weltwirtschaft und den Prozeß der internationalen Arbeitsteilung eingegliedert ist.

Zugleich hat sich das Preis-/ Leistungsverhältnis der neuen Geräte und Systeme ständig verbessert, einhergehend mit neuen Softwaretechnologien so daß sich auch für kleine und mittlere Unternehmen breite Anwendungsmöglichkeiten dieser Techniken bieten.

Wir werden in dieser dynamischen Branche auch weiterhin raschen technischen Fortschritt erleben und zwar nicht nur auf dem Gebiet der Mikroelektronik, sondern zum Beispiel auch in den Bereichen der magnetischen und neuerdings der optischen Speichereinrichtung für Massenspeicherung, in der Softwaretechnologie, neuen Diensten der Informationsübertragung in öffentlichen Netzen, der Verfügbarkeit von breitbandigen Inhouse-Netzen sowie in den neuen und vielseitigen Möglichkeiten der Informationsübertragung durch die Glasfasertechnik.

Die konsequente Berücksichtigung ergonomischer Erkenntnisse sowie Vereinfachungen in der Bedienung der Geräte und Systeme durch neue Softwaretechnologien erleichtern zugleich den Umgang mit den neuen Techniken. Der arbeitende Mensch wird seine natürlichen Verhaltensweisen immer weniger an die speziellen Belange der Büro- und Informationswerkzeuge anpassen müssen; vielmehr werden die Werkzeuge mehr und mehr den natürlichen Sinnen und Verhaltensweisen des Menschen entgegenkommen.