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24.03.2000 - 

Middleware wird intelligent

Werkzeuge zur Integration von Anwendungen reifen

MÜNCHEN - Die Visionen eines weltumspannenden, elektronischen Handels, Firmenzusammenschlüsse und der Ruf nach mehr Kundennähe fordern IT-Abteilungen heraus. Die Integration von Geschäftsprozessen und Anwendungen ist dabei eine der Hauptaufgaben. Richard Nußdorfer* skizziert Lösungsansätze für die Enterprise Application Integration (EAI).

Beobachtet man die Trends von Unternehmen und der Wirtschaft, fällt immer wieder der Begriff der Globalisierung. Betriebe lagern Geschäftsprozesse oder auch nur Teilarbeitsschritte an andere aus, eingekauft wird nicht mehr nur beim Lieferanten um die Ecke, sondern auf virtuellen Marktplätzen. Damit diese Visionen auch Wirklichkeit werden, müssen unterschiedlichste Systeme miteinander verbunden werden. Grenzen zwischen Ländern dürfen dabei genauso wenig ein Hindernis darstellen wie unterschiedliche Hard- und Softwarearchitekturen. Auch die verschiedensten Anwendungsprogramme müssen so integriert werden, dass unterbrechungsfreie Prozesse gewährleistet sind. Ein wichtiger Beitrag, damit der elektronische Handel auch blüht, kommt der IT-Infrastruktur zu. Hier sind speziell EAI-Lösungen zu nennen, die das Fundament für die Integration von Anwendungen bilden. EAI bedeutet hier in erster Linie Automatisierung und Kopplung von Geschäftsprozessen und in zweiter Linie, alle Geschäftspartner jederzeit erreichen zu können.

XML avanciert zum KommunikationsstandardDabei kristallisiert sich zunehmend die Extensible Markup Language (XML) als Standard für die unternehmens- und anwendungsübergreifende Kommunikation heraus. XML ist zum Beispiel eine Voraussetzung dafür, dass sich Firmen, die bisher keine Geschäftsbeziehungen zueinander hatten, Ad-hoc Bestellungen und Rechnungen austauschen können, ohne ihre IT-Systeme aufeinander abgestimmt zu haben.

Nun ist die Integration von Anwendungen so alt wie die Datenverarbeitung selbst. Doch gehen die EAI-Konzepte über den Leistungsumfang von klassischer Middleware, ob transaktions- oder Message-basiert, die Möglichkeiten von Applikations-Servern und Gateways hinaus. EAI wird auch als "Solution-oriented Middleware" bezeichnet, und unterscheidet sich deshalb von existierenden Middleware-Produkten, weil betriebswirtschaftliche Funktionen in der EAI-Lösung gleich mitgeliefert werden. Damit sind aber nicht Programmfunktionen wie "Rechnung schreiben" gemeint, sondern ausschließlich die Fähigkeit, beim Transport von Daten aus der einen in die andere Lösung, eine Transformation anhand vordefinierter Regeln zu bewerkstelligen. Damit wird ein Kundenobjekt sowohl von Anwendung A wie auch von Anwendung B verstanden.

Ob die Datentransformation mit Hilfe von XML-Dokumenten oder über zusätzliche Übersetzungswerkzeuge (Mapping) stattfindet, ist eine Frage der technischen Umsetzung und steht daher bei der Entscheidung für ein geeignetes Verfahren erst an zweiter Stelle. Zuerst sollten Anwenderunternehmen eine generelle Integrationsstrategie definieren: Im ersten Schritt ist daher zu klären, welche Form der Kommunikation zwischen Anwendungen gewünscht ist, dann sollten die möglichen Architekturen untersucht und zu guter Letzt erst die technischen Lösungen ausgewählt werden (siehe Tabellen auf Seite 22).

Jedes derzeit verfügbare Produkt hat spezifische Anwendungsschwerpunkte. Daher sollte eine Entscheidung auf Basis firmenspezifischer Anforderungen erfolgen.

Für alle EAI-Hersteller gilt, dass die Produkte in den letzten zwei Jahren reifer geworden sind. Erste Projekte sind abgeschlossen die Erfahrungen hieraus kommen der Stabilität der Lösungen zugute. Zusätzlich erweitern einige Anbieter durch Kooperationen oder Käufe ihr Portfolio.

Die meisten Hersteller haben in der Vergangenheit überwiegend Message-Broker angeboten. Der erste Hersteller mit einem weitreichenden EAI-Konzept war Crossworlds, das jetzt von seinen Projekterfahrungen in komplexer Umgebung profitieren kann und schon einen brauchbaren Reifegrad erreicht hat. Forté als zweiter Hersteller mit einem umfassenden Konzept profitiert von seiner Vergangenheit als Anbieter einer Entwicklungsumgebung und ist dafür prädestiniert, auch im EAI-Markt Produkte bereitzustellen. Forté bietet losgelöst von seiner Entwicklungsumgebung als zweite Produktsäule jetzt mit "Forté Fusion" EAI-Produkte an. Die Konzeption ist sehr konsequent auf das Internet und XML ausgerichtet.

Die neuesten Produkte wie etwa von Active, Mercator (vorher TSI), Tibco oder auch Vitria entwickeln sich stark in Richtung einer umfassenden EAI-Architektur. Die Tools bieten umfassende zentrale Funktionen an und basieren auf einem mächtigen Applikations-Server.

IBM und Bea haben ihre traditionellen Middlewareprodukte im EAI-Umfeld neu positioniert und durch Adapter lassen sich Integrationsanforderungen abbilden. Relativ neu am EAI-Markt ist Fujitsu-Siemens Computers (FSC) mit seiner Produktserie "Open Seas". FSC ist neben der Software AG mit seiner Middleware-Basiskomponente "Entire X" und "Tamino" (XML-Datentransformation) einer der wenigen deutschen Hersteller in diesem Geschäftsfeld.

* Richard Nußdorfer ist Geschäftsführer der CSA Consulting GmbH in München.

EAI: HintergrundDie Integration von Anwendungen (Enterprise Application Integration = EAI) ist eine der Hauptaufgaben von DV-Abteilungen und Systemintergratoren. Immerhin werden rund 40 Prozent des DV-Budgets für die Verbindung von Anwendungsinseln, Schnittstellen-Programmierung und Anbindung von Legacy-Systemen ans Web ausgegeben. Insbesondere das Fusionsfieber von Unternehmen sowie der zunehmende Einsatz von Standardsoftware ruft derzeit Middleware-Anbieter auf den Plan. Sie wollen mit vorkonfigurierten Konnektoren, grafischen Modellierungswerkzeugen und Datentransportmechanismen die Integration unterschiedlicher DV-Systeme vereinfachen.

Um beurteilen zu können, welche Konzepte und Tools für das eigene Unternehmen passen, sind Anwender aufgefordert, sich einen Überblick über verfügbare Technologien zu verschaffen. Die COMPUTERWOCHE wird deshalb in den nächsten Wochen in loser Folge Artikel zum Thema EAI veröffentlichen. Darin wird das Angebot der Hersteller strukturiert. Pro unterschiedliche Architektur wird ein Artikel erscheinen und gemeinsame Merkmale sowie Vor- und Nachteile des jeweiligen Konzeptes beschrieben. Weitere Hilfestellungen zu dem Thema sind unter www.eaiforum.de zu finden.