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07.12.2001 - 

Kolumne

"Wettbewerb in den Gerichtssälen"

07.12.2001
Gerhard Holzwart Redakteur CW

Dass sich in den vergangenen beiden Wochen die Gemüter in der deutschen TK-Szene wieder einmal erhitzten, dürfte viele Beobachter überrascht haben. Schließlich könnte man fast vier Jahre nach der Marktöffnung mutmaßen, es sei Normalität eingekehrt. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, und die Gründe für das derzeitige Hauen und Stechen zwischen Deutscher Telekom, dem Regulierer und den übrigen Wettbewerbern sind vielfältig.

Kommendes Jahr steht die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes an. Für alle Beteiligten geht es daher schon jetzt darum, ihre Claims abzustecken. Im Grundsatz dreht es sich dabei um die Frage: Wie viel Regulierung braucht das Land noch? Muss, wie die Telekom argumentiert, einer inzwischen hohen Wettbewerbsintensität durch eine eher abnehmende Regulierung Rechnung getragen werden? Oder sollte man umgekehrt aus der ebenfalls belegbaren Tatsache Konsequenzen ziehen, dass sich das freie Spiel der Marktkräfte in vielen Segmenten noch nicht entfalten konnte?

Die Antwort lautet in beiden Fällen: Ja. Das bringt den Wettbewerb zunächst kaum weiter, gibt aber ein ziemlich genaues Bild dessen ab, was sich seit dem 1. Januar 1998 beobachten lässt: ein Kleinkrieg um Marktanteile. Wobei das Wort Krieg, zumindest im juristischen Sinne, durchaus seine Berechtigung hat. Mehr als 800 Verfahren haben allein Telekom & Co. gegen den Regulierer - der seinerseits unzählige Male den Klageweg beschritt - angestrengt und damit den Wettbewerb zum Teil in die Gerichtssäle verlagert.

Zieht man eine "faktische" Bilanz, fällt diese ebenfalls durchwachsen aus. Call-by-Call bei Ferngesprächen, damit starteten die alternativen Carrier fulminant - und ließen sich auf einen ruinösen Wettbewerb ein. In der Datenkommunikation treten sie seit zehn Jahren auf der Stelle, im Ortsnetz tut sich, mit Ausnahme einiger City-Carrier, nichts. Angesichts der Anfangseuphorie kann daher jetzt nur von einem Trauerspiel gesprochen werden. 60 Milliarden Mark Marktvolumen, mehr als 60000 neue Arbeitsplätze, so lauteten etwa die Zahlen, mit denen die deutsche TK-Branche hausieren ging. Jetzt steht die Hälfte dieser Arbeitsplätze auf der Kippe. Rückzugs- statt Markteroberungsstrategie heißt die Devise. Thyssen, RWE, Veba und zuletzt Vodafone/Mannesmann - die Liste derer, die glaubten, eine schnelle Mark im Festnetz machen zu können, ist beliebig erweiterbar. Nicht immer wachsen jedoch die Bäume in den Himmel, und nicht immer ist daran allein der Regulierer schuld. Der deutsche TK-Markt benötigt ein Wettbewerbsszenario, das Innovationen und Investitionen belohne statt gefährde, wird seit längerem von der Telekom gefordert. Lässt man das Eigeninteresse, das da mitschwingt, beiseite, wäre dies ein guter Ratschlag an die Politiker.