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16.09.1994

Wettbewerb kommt auch Unix zugute Bei den High-end-Workstations hat Windows NT gute Chancen

Fast das gesamt Wachstum des Workstation-Marktes in den letzten zehn Jahren wurde von Rechnern auf Unix-Basis getragen. Kein anderes Betriebssystem ar in der Lage, eine derartige Kombination aus Anbietervielfalt und umfangreicher Unterstuetzung zu bieten. Dies ermoeglichte Unix, so erfolgreich mit den proproetaeren Systemen der fruehen 80er Jahre zu konkurrieren. Die erste wirkliche Herausforderung der Unix-Vorherrschaft bei den Workstations geht nach Ansicht der IDC von Microsofts Windows NT aus.

Im Vergleich zu Unix verfuegt NT ueber einige besondere Eigenschaften. Es verbindet naemlich die verbreitete PC- Anwenderoberflaeche mit einem leistungsfaehigen Betriebsystem, dessen Funktionen und Eigenschaften aehnlich denen von Unix sind. Durch diese Hybird-Kombinationzweier Welten kann NT den Wordstation-Markt folglich auch auf zwei Ebenen beeinflussen: Es kann entweder direkt in den Wettbewerb mit Unix auf den klassischen Workstation eintreten, oder es wird die Einfuehrung von leistungsstarken Betriebssystemen auf dem High-end-Destop - den persoenlichen Workstations - foerdern.

Eine Untersuchung der IDC bei groesseren Unternehmen im Jahre 1993 fragt nacch der Akzeptanz von NT bei potentiellen Anwendern. Dadurch sollte herausgefunden werden, wie stark der Einfuss von Windows NT im Markt fuer PCs, Workstations und Unix-Servern sein wird. Ziel dieser Untersuchung war, die kritischen Faktoren von Akzeptanz und Kaufentscheidung auf der jeweiligen Anwenderebene herauszufinden. Zu diesem Zweck wurde die gesamte Wertschoepfungskette von Software-Anbieter ueber den VAR zum Endanwender betrachtet, um jede dieser entscheidenden Schaltstellen genau zu verstehen. Die folgenden Abschnitte zeigen auf, was den Erfolg von NT sowohl bei den traditionellen Workstations als auch bei den Desktops foerdern oder behindern wird.

Im Wettbewerb zu Unix bietet NT nach unserer Ansicht einige Vorteile, die die Akzeptanz von NT sowohl bei den technischen als auch bei den persoenlichen Workstations foerdern wird:

Die Software-Entwickler (ISVs) sind schon dabei, ihre Applikationen auf NT zu portieren. Bei der IDC-Untersuchung vom Januar 1993 ergab sich, dass 56 Prozent der ISVs dies schon geplant haben, nur 4 Prozent wollten sich gar nicht mit NT befassen. Das heisst, dass aktuelle Workstation-Anwendungen auch fuer NT verfuegbar sein werden. Der Wunsch nach einem einheitlichen Betriebssystem im Unternehmen. Mehr als 30 Prozent der befragten Workstation- Anwender waren der Meinung, dass es wichtig oder sogar sehr wichtig ist, ein einheitliches Betriebssystem im Unternehmen zu haben. Und NT koennte die Erfuellung dieses Beduerfnisses sein. Man koennte es gleichermassen fuer technische und fuer unternehmenskritische Anwendungen einsetzen. Anders als bei Unix muessten die 19 Millionen Windows-Anwender kein neues Betriebssystem erlernen. Da die Workstation-Anwender meist schon Windows-erfahren sind, ist auch auf dieser Seite kein grosser Schulungsbedarf zu erwarten.

Microsoft ist derzeit so schwer zu stoppen wie ein dahinrasender Gueterzug. Vielleich kommt Microsoft etwas ins Stolpern, aber selbt dann weden sie noch einige Millionen Exemplare von NT absetzen. Man hat NT gelegentlich mit OS/2 verglichen, in das hohe Erwartungen gestzt wurden, die sich aber anfaenglich nicht erfuellt haben. IBM hat viele er Probleme geloest, und als Resultat sprang der Absatz innerhalb eines Jahres (1991 auf 1992) von 500 000 auf 2 Millionen Stueck. Und das entspricht mehr als der doppelten Anzahl der Unix-Betriebssysteme im Jahr 1992. Wir gehen davon aus, dass Windows NT fuer Microsoft ein strtegisches Produkt darstellt. Und selbst wenn es zu Problemen kommen sollte, wird sie Microsoft ueberwinden.

Obwohl Unix als Standard angesehen wird, ware bisher jeder Anbieter verantwortlich fuer die Portierung auf die jeweilige Plattform und hatte dabei eine gewisse Freiheit, sich mehr oder wenigergenau an diesen Standard zu halten. Folglich gibt es so viele Unix-Versionen, wie es Plattformen dafuer gibt. Microsoft bietet NT fuer mehrere Plattformen an und hat die Faehigkeit, mit finanziellen Anreizen NT zum De-Facto-Standard durchzusetzen, und ein durchgesetzterDe-facto-Standard ist allemal besser als ein unkontrollierbarer De-jure-Standard wie bei Unix.

Durch die Unterstuetzung der Microsoft-Produkte seitens der grossen Softwarehaeuser wird NT sofort profitieren koennen. Die meisten dieser Anbieter sind im Office-Markt taetig, und durch NT bietet sich ihnen die Moeglichkeit, auch High-end-Produkte anzubieten. Wir erwarten daher, dass das Marktpotential von NT alle grossen Software-Anbieter dazu bringt, ihre Produkte auf NT zu portieren - und auf dieser Basis weiter Anwendungen zu entwickeln.

NTs Vorteil ist seine Wondowsgleiche, weltverbreitete Benutzeroberflaeche. Das Interesse der Anwender wird zu einer grossen Zahl NT-erfahrener User und Systemadministratoren fuehren, die NT ins Unternehmen ziehen werden, genauso, wie das bei Unix funktioniert hat. Auf diese Art wird die gegenwaertige Pro-Unix- Stimmung von einer Pro-NT-Stimmung ueberrollt.

Um als Anbieter von Betriebssystemen weiter wachsen zu koennen, muss Microsoft ueber die Desktop-Plattform hinauskommen.

NT ist also fuer Microsoft das Betriebssystem, das den Marktanteil im Desktop-Markt auf den Midrange- und Server-Markt uebertragen soll. Gleichzeitig blockt NT den Desktop im Rahmen des Client- Server-Computing ab.

Bei so vielen Punkten zugunsten von NT koennte man zu der Ueberzeugung kommen, dass NT eines Tages alle Marktsegmente beherrschen wird. Die Marktkraft von Microsoft und die Bereitschaft der Programmierer, individuelle Anwendungen zu schreiben, sind bei der Markteinfuehrung sicherlich sehr hilfreich. Nach einem alten Marktgestz fuehrt jedoch Erfolg immer zu staerkerem Wettbewerb. Zusaetzlich zweifeln wir daran, dass Microsoft viele der existierenden Nischenmaerkte angehen kann oder moechte, da die zu erwartenden Ertraege nicht gross genug sein werden.

Der Wettbewerb gegen NT durch Unix ist besonders stark in den Bereichen technische Workstations und Midrange-Rechner. Die Anwender dort sind fuer Microsoft ein Hindernis auf dem Weg zum NT- Erfolg. 28 Prozent der befragtenWorkstations-Anwender wollen NT noch auf einer Workstation.

Technische Anwender wollen Unix treu bleiben

Das ist wohl der harte Kern der Unix-Anwender, die mit Unix gluecklich sind und aus jeder Plattform die maximale Leistung herausholen wollen. Es ist sehr zweifelhaft, ob sie sich in naechster Zeit ueberhaupt in Richtung NT begeben werden.

Bei technischen Anwendungen muss NT gegen Produkte antreten, die sich in mehr als zehn Jahren fest etabliert haben. Hier hat Unix einegrosse installierte Basis, die Anwender haben viel in das Betriebssystem investiert und betrachten es als Industriestandard. Hier wird es keine Investitionen in ein neues Betriebssytem geben, wenn nicht zwingende Gruende wie Leistung oder Kosten dafuer sprechen. Die Untersuchung ergab, dass die Investitionen in Unix fuer ueber 45 Prozent der Befragten ein wichtiger Grund sind, sich nicht mit NT zu befassen. Ausserdem war die Mehrheit der Workstation-Anwender mit Unix einfach zufrieden.

Individualsoftware behindert Wechsel auf NT

Nicht alle Anwendungsentwickler werden ihre Applikationen auf NT portieren, jedenfalls nicht gleich. So werden besonders High-end- Anwendungen fuer 3D-Grafik so lange nicht portiert werden, bis OpenGL von NT unterstuetzt wird. In einigen Anwendungsbereichen, etwa DTP und Animation, hatte Microsoft noch nie eine starke Stellung, daher wird die Portierung von Applikationen hier eher zoegerlich vorangehen.

Mehr als 25 Prozent der Software-Entwickler glauben, dass NT mehr oder weniger stark hinter den Leistungen von Unix zurueckfaellt. Das bedeutet, dass NT fuer einige Applikationen technisch nicht geeignet sein duerfte.

Diese Gesichtspunkte wurden von Microsoft im Zusammenhang mit NT nie als Prioritaet behandelt. Obwohl die meisten Workstations mit Standardsoftware laufen, behindern viele individuelle Applikationen schon den Wechsel zu anderen Unix-Plattformen, um so mehr auch den Wechsel zu einem neuen Betriebssytem.

Ingenieure werden auf Unix ausgebildet

Die Moeglichkeit, der Anpassung, Ergaenzung und Optimierung des Betriebssytems an die spezifischen Kundenbeduerfnisse ermoeglicht den Einsatz von Unix ueber viele Plattformen hinweg, von den Workstations bis zu den Supercomputern. Microsoft koennte kein besonderesInteresse daran haben, NT speziell fuer diese Bereiche zu ergaenzen und anzupassen, da hier nur relativ geringe Absatzmengen zu erwarten sind. Das alte Unix in den vielen Versionen wird zu einem Vorteil, wenn es in erster Linie auf ganz spezielle Eigenschaften und optimierte Leistung des Systems ankommt.

Heute hat Unix eine grosse und verschworene Nutzergemeinde, die sich NT sowohl auf der Anbieter- als auch auf der User-Seite wiedersetzenwird. Waehrend der Ausbildung wurden und werden Ingenieure auf Unix ausgebildet, und sie sprechen sich auf ihren Arbeitsstellen entsprechend fuer Unix aus. Es wird lange dauern, bis Microsoft dieselbe Nachfrage seitens der technisch orientierten Anwender haben wird, wie das bei den Bueroanwendern heute schon der Fall ist.

Bei allen genannten Vor- und Nachteilen von NT kann man grundsaetzlich erwarten, dass NT sicher sehr effektiv mit Unix im Markt fuer Up- oder Downsizing-Projekte sowohl im technischen als auch im kommerziellen Bereich konkurrieren wird. Die IDC erwartet, dass NT sich einen deutschen Anteil im wachsenden Segment der persoenlichen Workstations erobern wird. Hier verfuegt Microsoft ueber einen klaren Wettbewerbsvorteil durch seine installierte Basis und die vorhandene Unterstuetzung fuer Microsoft-Produkte.

Der Wettbewerbserfolg von NT bei den persoenlichen Workstations wird nicht vollstaendig zu Lasten von Unix gehen. Zwar wird NT den Einzug von Unix auf den Desktops behindern, aber ohne NT wuerde die Entwicklung zu leistungsfaehigen Betriebssystemen fuer den Desktop nicht so schnell vonstatten gehen. In manchen Faellen wird NT sogar erst die Tuer fuer Unix oeffnen, da grosse Anwender ihre Entscheidung fuer NT nicht faellen werden, ohne vorher andere leistungsfaehige Betriebssysteme untersucht zu haben. Da NT sich gegen Unix positioniert, wird dieses auch als Alternative betrachtet werden.

Produktdifferenzierung beeinfusst den Erfolg

Der Vorteil von NT bei den Desktops ist bei den technischen Workstations nicht vorhanden. Hier ist Unix wirklich zu Hause und hat den Vorteil der installierten Basis. Wir gehen davon aus, dass Microsoft am traditionellen Workstation-Markt kein besonders grosses Interesse hat, sonst haette es mehr Gewicht auf die Interoperabilitaet mit Unix gelegt, NT fuer Sparc-Maschinen (die haben die groesste installierte Basis) angeboten und schon mit der ersten NT-Version die 3D-Grafikbibliotheken unterstuetzt. Im Endeffekt hat es der Workstation-Anwedner schwerer, nach NT zu wechseln, als der expandierende PC-Anwender.

Im Laufe der Zeit jedoch wird NT nach unserer Ansicht ein maechtiger Wettbewerber fuer Unix auch in den technischen Maerkten werden, bedingt durch die geforderten Kompatibilitaet mit dem Desktop und den Vormarsch der Standardanwendungen. Diese Entwicklung kann sich in dem Moment beschleunigen,wenn weiter Features wie Multimedia oder Grafik auch auf den persoenlichen Workstations auftauchen. obwohl der Erfolg von Windows NT bei den persoenlichen und technischen Workstations auf dem Papier wie eine sichere Sache aussieht, ist er noch nicht ganz sicher. Zwei Faktoren koennten unsere Prognose veraendern, naemlich zu geringe Produktdifferenzierung und Microsoft selbst.

Unix und NT sind letztlich nur Betriebssyteme, die der Anwender als Grundlage versteht, auf der er seine Anwendungen laufen lassen kann. Wenn NT nicht schnell genug voll einsatzbereit wird und auf der anderen Seite Unix immer weiter verbessert wird im Hinblick auf Applikationen und Kommunikation mit Nicht-Unix-Systemen, koennen die beiden Betriebssysteme letztlich zuwenig unterschiedlich sein, um Anwender zu einem Wechsel zu NT zu veranlassen.

Das einzige Unternehmen, das NT wirkungsvoll vom Eintritt in den Workstation-Markt abhalten kann, ist Microsoft selbst. Microsofts Erfolg wurde im Massenmarkt der kommerziellen Desktops erzielt. In dieser Situtation kann sich Microsoft in mehrere Richtungen bewegen, die alle eine Verbindung zu vergangenen Erfolgen aufweisen, wie Workgroup-Computing, Netze, Netz-Server, Multimedia, Home Office und Personal Assistants (PDAs). Der Markt der technischen Rechner koennte eventuell nicht mehr nahe genug an Microsofts Kerngeschaeft liegen und zuwenig Ertrag abwerfen, um ein grosses Investment zu Rechtfertigen.