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25.02.1994

Wettbewerb pusht Netze und Teilnehmerzahlen

In vielen Bereichen der Wirtschaft, teilweise auch auf privatem Sektor, hat Mobilkommunikation Einzug gehalten. Bislang standen jedoch einem massenhaften Einsatz mangelnder Wettbewerb und zu hohe Preise entgegen. Jetzt erst haben drastische Verbilligungen und die Konkurrenz der beiden D-Netz- Betreiber die Teilnehmerzahlen drastisch in die Hoehe getrieben. Wolfgang Dobbertin* gibt einen Ueberblick ueber bestehende und geplante Dienste.

Fuer die breite Masse der potentiellen Anwender sind die wachsende Vielfalt an Mobilfunknetzen sowie die verschiedenen Nutzungsmoeglichkeiten nicht zu ueberschauen. Die Frage, welche Netze beziehungsweise Dienste fuer spezielle Anwendungen geeignet und auch kostenguenstig sind, ist fuer den normalen Anwender nicht leicht zu beantworten.

Die einfachste mobile Kommunikation, das Rufsystem "Eurosignal", besteht seit 1974. Hierbei werden lediglich optische oder akustische Funksignale vom Telefon aus an einen mobilen Teilnehmer gesendet. Diesen Dienst benutzen in Deutschland immerhin noch fast 190 000 Teilnehmer, allerdings mit ruecklaeufiger Tendenz. Auch "Europiepser" genannt, dient dieses Netz hauptsaechlich der Benachrichtigung von Bereitschaftspersonal, zum Beispiel Technikern von Grossanlagen, Aerzten und Feuerwehr. Der Angerufene muss sich selbstaendig durch Rueckruf nach dem Grund des Anrufes erkundigen, das heisst, er sollte sich immer in der Naehe eines Telefons aufhalten.

Ein weiterentwickelter Dienst ist der "Cityruf". Er erlaubt - je nach Endgeraet - auch die Uebertragung von Ziffern und Kurztexten, das heisst, man unterscheidet zwischen Ton-, Numerik- und Textempfaenger. Damit laesst sich anders als beim Europiepser jetzt auch der Grund des Anrufes in Kurzform oder codiert mitteilen. Das Cityruf-Netz wurde 1989 in Betrieb genommen und bis Ende 1992 ausgebaut. Es besteht aus 51 Rufzonen, die zu acht Superzonen zusammengefasst wurden. Um den Dienst fuer den Privatmarkt attraktiv zu gestalten, wurde 1993 eine neue Angebots- und Tarifstruktur eingefuehrt.

Flaechendeckende Funk- versorgung vorhanden

Die Beschraenkung auf Kurztexte und Ziffern duerfte auf potentielle Privatnutzer wegen des Codierungszwanges allerdings eher abschreckend wirken, da sich private Kommunikation erfahrungsgemaess durch hohe Redundanz auszeichnet.

Darueber hinaus soll mit "Cityruf international" auch der europaeische Markt erschlossen werden. Bisher sind ueber diesen Dienst Grossbritannien, Frankreich, Italien, Schweiz sowie demnaechst voraussichtlich auch die Niederlande erreichbar. Allerdings hat sich aufgrund der bisher vorwiegend lokalen Struktur der Anwendungsprofile noch kein grosser Nutzerkreis entwickelt.

Der "Inforuf" nutzt das Cityruf-Netz fuer die Einweguebertragung von speziellen Informationen an einen bestimmten Nutzerkreis. Dazu zaehlen unter anderem Boersenkurse, Nachrichten, Wetter- und Sportberichte.

Die Inforuf-Empfaenger verfuegen ueber eine Speicherkapazitaet von mehr als 100 000 Zeichen, und eine effiziente Datenkompression reduziert die Uebertragungszeit auch groesserer Nachrichten. Da der Empfang nicht an die ueblichen Geschaeftszeiten gebunden ist, lassen sich hierfuer verkehrsschwache Zeiten wie die Abend- und Nachtstunden nutzen. Darueber hinaus erlaubt Inforuf parallel die Nutzung des Cityruf-Dienstes.

Unter dem Namen "Omniport" bietet die Deutsche Textfunk GmbH (Detex), ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Telekom und der France Telecom, seit Anfang 1994 einen weiteren Funkrufdienst an. Omniport nutzt das RDS-Signal von Rundfunksendern und transportiert ueber dieses Netz bundesweit reine Numerikdaten.

Durch die vorhandene Infra- struktur der Rundfunksender ist wie beim Radioempfang eine flaechendeckende Funkversorgung vorhanden. Potentielle Zielgruppen sind Personen, die ueberregional unterwegs sind, also zum Beispiel im kaufmaennischen Aussendienste, technischen Kundendienst oder in Montagetrupps arbeiten. Sie halten sich oft in Gebieten auf, die kommunikationstechnisch unbefriedigend versorgt sind und es moeglicherweise auch bleiben.

Mit "Ermes" (European Radio Message Service) steht erstmals ein paneuropaeischer Rundrufdienst auf der Basis europaeischer Standards zur Verfuegung. Das europaweite Roaming erlaubt die beliebige Ortsveraenderung des Teilnehmers, ohne dass eine Rufnummer geaendert werden muss. Gegenueber Cityruf bietet Ermes erweiterte Dienste wie hoehere Datenuebertragungsraten (bis 64 Kbit/s), einen einheitlichen europaeischen Frequenzbereich von 169 Megahertz sowie eine erhoehte Teilnehmerkapazitaet.In Deutschland werfen jedoch Interferenzen mit Hausverteilern von Kabelfernsehanlagen einige Probleme auf, die einen einwandfreien Betrieb verhindern.

Einen schnell wachsenden Markt bilden die Funktelefonnetze. Am deutschen C-Netz nehmen zirka 800 000 Personen teil, die Zahlen fuer die D-Netze D1 und D2 steigen zur Zeit um etwa 100 000 monatlich auf bisher ueber eine Million.

Waehrend sich diese Netze hauptsaechlich an den mobilen Geschaeftsmann wenden, zielt das im laufenden Jahr in den Betrieb gehende E1-Netz hauptsaechlich auf den Privatmarkt. Die Geheimniskraemerei der Betreiber (E-Plus-Konsortium) um die Tarife laesst einen Preiskrieg an der Mobilfunkfront befuerchten. Schon heute ist am Verkauf der Geraete kaum noch Geld zu verdienen, und Geruechte besagen, dass beim E1-Netz das Handy kostenlos bei der Anmeldung ausgegeben werde. Nachdem sich bereits Mannesmann und Detemobil ueber Gebuehrenpolitik beziehungsweise Quersubventionierungsvorwuerfe gegenseitig das Leben schwermachen, wird E1 diese Situation mit Sicherheit noch verschaerfen, da Insider bezweifeln, dass der Privatmarkt mittelfristig ausreichend Umsatzpotential bieten wird, um die Investitionen zu amortisieren.

Das E1-Netz dient vordergruendig der Kapazitaetserweiterung der GSM- Systeme und steht unter dem Motto "Phones for people". Langfristig peilen die zukuenftigen Betreiber ueber preiswerte Benutzung einen echten Massenmarkt an. Kleine, leichte Endgeraete mit hoher Dienstguete sollen den neuen Standard zumindest europaweit durchsetzen. Speziell fuer eine schnelle, sichere und flaechendeckende Nonvoice-Kommunikation wurde der "Modacom"-Dienst (Mobile Data Communication) entwickelt. Als oeffentlicher Mobilfunkdienst konzipiert, wurde Modacom gezielt fuer Datenuebertragung optimiert und erlaubt den bidirektionalen Datentransfer zwischen DV-Anlagen und mobilen oder portablen Datenterminals. Die Verbindung zum leitungsgebundenen Festnetz erfolgt ausschliesslich ueber das oeffentliche Datex-P-Netz. Dabei kann der Benutzer zwischen den Verbindungsarten "Einzelverbindung ankommend" und "abgehend" sowie "Flottenverbindung" fuer die Kommunikation zwischen Host und Mobilterminal waehlen.

Auf diesen Dienst haben viele Grossanwender dringend gewartet, ermoeglicht er doch zum ersten Mal die Datenuebertragung von wechselnden Orten aus mit Standardhardware. Modacom bietet sich vor allem fuer Aussendienstmitarbeiter, Montage- und Baustellentrupps sowie alle Arten von mobilen Datenerfassungsanwendungen (Umwelt-, Produktions-, Verkaufsdaten) an. Bisher mussten solche Daten entweder verbal ueber Funktelefone oder von der naechsterreichbaren festen Anschlussstelle, zum Beispiel von einem Hotel aus, uebertragen werden. Modacom wird die Vernetzungsstrategien der Unternehmen voraussichtlich in weit groesserem Masse beeinflussen als heute erkennbar und zu einer erheblichen Zunahme der Datenkommunikation fuehren.

Dem unbefangenen Betrachter der Mobilfunklandschaft draengt sich die Frage auf, wozu all die teilweise untereinander inkompatiblen Dienste noetig sind. Fuer die neueren Netze D1, D2 und E1 sind zumindest Absichtserklaerungen ueber gegenseitige Uebergaenge vorhanden. Betrachten wir diese drei Netze einmal getrennt von aelteren oder auf Kurztexte begrenzte Dienste wie City- oder Inforuf und lassen die Datenkommunikation aus dem Spiel, so muss sich ein Anwender heute fuer einen Anbieter entscheiden, wenn er nicht drei Telefone in sein Auto einbauen will. Die Anbieter von zusaetzlichen Netzdiensten (Auskunfts-, Bestell- und Benachrichtigungsdienste) bekommen die Auswirkungen zu spueren: Da nicht a priori anzunehmen ist, dass alle Service-Provider ihre Leistungen parallel und synchron fuer alle drei Netze zur Verfuegung stellen werden, werden fuer einen gewoehnlichen Funktelefonbenutzer bestimmte Dienste unzugaenglich bleiben. Dies kann der Akzeptanz des Mobilfunks nicht gerade zutraeglich sein.

Das aus der DV-Szene bekannte Szenario untereinander inkompatibler Rechnersysteme, mit den offenen Systemen endlich ueberstanden, droht sich jetzt im Mobilfunkbereich zu wiederholen. Es ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen diesen Missstand nicht nur erkennen, sondern auch moeglichst bald ohne Angst vor dem Wettbewerb beseitigen. Dabei koennen sie von den Computerherstellern eigentlich nur lernen, denn diese haben unter dem Strich durch die Interoperabilitaet der Systeme und die Austauschbarkeit von Daten und Programmen letzlich nur gewonnen.