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30.10.1981

Wettbewerb wird zum Innovationsmotor

Automation und technologischer Wandel schreiten in unseren Betrieben unaufhaltsam voran. Auch wenn es uns wegen der damit verbundenen Probleme nicht gefällt, wir kommen an dieser Entwicklung nicht vorbei, denn die Maßstäbe werden hier von unseren Konkurrenten auf dem Weltmarkt gesetzt. In welchem Umfang schlagartig Arbeitsplätze verloren gehen können, wenn eine neue Technologie nicht rechtzeitig eingeführt wird, haben wir erst kürzlich an einem Beispiel aus der Büromaschinenbranche erfahren müssen. Es hat keinen Zweck, solche Arbeitsplatze künstlich erhalten zu wollen, sie werden nicht wiederkommen; der Prozeß der technologischen Anpassung ist nicht umkehrbar.

Neue Tätigkeitsfelder

Was wir brauchen, sind neue Tätigkeitsfelder, die neue Arbeitsplätze schaffen. Was wir dafür auch brauchen, sind neue Bildungsinhalte etwa in der beruflichen Fortbildung, denn neue Arbeitsplätze haben heute in der Regel zumindest ein anderes, meist aber ein höheres Anforderungsprofil an die Qualifikation der Arbeitnehmer.

Solche neuen Arbeitsplätze sind in der jüngsten Vergangenheit in großer Zahl in der Daten- und Informationsverarbeitung und zum Beispiel auch in der Elektronik und ihren vielfachen Anwendungsgebieten entstanden. Auch die neuen Kommunikationstechniken werden viele neue Arbeitsplätze bei uns schaffen und gerade deswegen erscheint es mir so wichtig, diesen Prozeß nicht durch - wenn ich so sagen darf - vermeidbare Hemmnisse zu blockieren.

Im Büro wird die Automation mit dem zunehmenden Einsatz elektronischer Geräte, mit dem Bildschirmarbeitsplatz und der Kommunikations-Schreibmaschine fortschreiten. Zu fragen, ob das mit der Einführung neuer Kommunikations- und Textverarbeitungssysteme im Büro mögliche Rationalisierungspotential genutzt werden soll, erscheint mir müßig. In unserer wirtschaftlichen Situation halte ich die damit erreichbare Senkung des Kostenfaktors Büro für entscheidend. Es wäre aber sicher falsch zu glauben, daß mit den jetzt bestehenden organisatorischen Strukturen die Leistungsfähigkeit der neuen Techniken schon voll zum Tragen kommen könnte. Hier wird es Anpassungsprobleme geben, die mit überlegten Einführungsstrategien unter Berücksichtigung des Akzeptanzverhaltens der im Büro tätigen Menschen überwunden werden müssen.

Man sollte sich aber nichts vormachen. Einen Rationalisierungsgrad, wie er etwa mit dem Schlagwort "Büroautomation" suggeriert wird, halte ich im Büro vor allem dort, wo kreativ gearbeitet werden soll, nicht für möglich und auch nicht für wünschenswert.

Bei allem Optimismus, der heute im Hinblick auf die Entwicklung der Kommunikationstechnik angebracht erscheint, dürfen die Konflikte nicht übersehen werden, die zwischen den Impulsen für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation in der Wirtschaft und den tatsächlichen oder angenommenen negativen Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Arbeitsinhalte bestehen, Sicher kann die Lösung dieser Konflikte nicht in Verzicht oder Verzögerung gesucht werden.

Das Informationsvolumen nimmt in den hochindustrialisierten Gesellschaften unaufhaltsam zu. Glaubt man den einschlägigen Untersuchungen und Prognosen, dann wird im Verlauf der nächsten zehn Jahre die Mehrheit der Erwerbstätigen in irgendeiner Form mit Informationsdienstleistungen befaßt sein. Die Anforderung an die Informationsverarbeitung und an die Übermittlungstechniken werden zunehmend in unserem Wirtschaftleben einen zentralen Stellenwert erreichen. Der Ausbau der Informationswege wird die künftige Infrastrukturpolitik weit mehr beeinflussen als heute. Mit anderen Worten, Planung und Ausbau der Kommunikations-lnfrastruktur werden zu einem bestimmenden Element der Wirtschafts- und Landesentwicklungspolitik.

Ich will damit sagen, daß wir in Zukunft mehr als bisher mit der Deutschen Bundespost, die ja bei uns für den Ausbau der Telekommunikations-Netze zuständig ist, von Länderseite aus zu einer engeren Zusammenarbeit kommen. In diesem Zusammenhang möchte ich anerkennend anmerken, daß wir zum Beispiel bei der technischen Vorbereitung des Kabelfernseh-Pilotprojekts in München bisher in hervorragender Weise mit der Bundespost zusammenarbeiten. Ich will auch die bisherige Praxis der Bundespost bei Planung und Ausbau ihrer Netze und Anlagen nicht kritisieren, könnte mir aber vorstellen, daß mit der geschilderten zunehmenden Bedeutung dieses Infrastrukturbereichs, durch Einflußnahme von seiten der Landespolitik, der eine oder andere Planungsakzent anders gesetzt wird oder bei der Festlegung von Ausbaukapazitäten zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden. Ich halte es für an der Zeit, diesem Aspekt größeres Augenmerk zuzuwenden und werde dies für meinen Bereich auch tun.

Die Informationstechnik ist einer der wenigen Bereiche unserer Industrie, der bisher kaum vom Konjunkturrückgang betroffen worden ist. Auch für die Zukunft werden diesem Sektor 2stellige ??? wachsraten vorhergesagt. Der zunehmende Bedarf an gezielter Information auf dezentraler Basis, wie er insbesondere bei den mittelständischen Unternehmen immer mehr zum Tragen kommt, wird ein bisher noch unerschlossenes Produktions- und Marktpotential von beachtlicher Größenordnung erzeugen. Jedenfalls halte ich die damit zusammenhängenden Wachstumsimpulse in der heutigen wirtschaftlich schwierigen Situation für sehr willkommen, insbesondere dann, wenn sie auch auf der Grundlage der im eigenen Land gemachten Erfahrungen der Exportindustrie neue Anregungen und damit Wettbewerbskarft geben.

Wille zum Vorsprung

Neue Technologien waren schon immer die Wachstumsmotoren unserer Wirtschaft. Der Wille, im Wettbewerb einen Vorsprung zu halten oder zu erreichen oder zumindest im Wettbewerb nicht zurückzufallen, ist das wichtigste Motiv für die Suche nach neuen Technologien und ihre Umsetzung in Produkte und verfahren. Deshalb fällt auch der Aufrechterhaltung von Wettbewerb eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Wachstumsfähigkeit unserer Wirtschaft zu. Da der Wettbewerb besonders auch von der Existenz von vielen mittelständischen Betrieben getragen wird, muß es Ziel der Wirtschaftspolitik sein, den Mittelstand zu stärken und Existenzgründungen kleiner und mittlerer Unternehmen zu erleichtern. Denn je mehr Wettbewerber am Markt sind, ums schneller verbrauchten sich neue Technologien, geht die notwendige Rationalisierung und Modernisierung der Gesamtwirtschaft vor sich. Der Wettbewerb vieler Unternehmer wird sozusagen zum Innovationsmotor.

Ausschnitt aus der Rede, die Anton Jaumann anläßlich der SYSTEMS-Eröffnung am 19. Oktober in München gehalten hat.

Anton Jaumann, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr