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03.09.2014 - 

Stimmung bei den Systemhäusern

Wettbewerbsfaktor deutsche Cloud

Regina Böckle durchforstet den Markt nach Themen, die für Systemhäuser und Service Provider relevant sind - oder es werden könnten - und entwickelt dazu passende Event-Formate.
Schrittweise lösen sich Systemhäuser vom klassischen Handelsgeschäft. Sie hoffen auf die Cloud und auf Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von IT und Industrie.

Klassische Projekte rund um die Installation und Inbetriebnahme von Servern, Storage, Netz- und Sicherheitslösungen prägen zwar nach wie vor das Tagesgeschäft der Systemhäuser. Doch strategisch wappnen sich die meisten Dienstleister bereits für den großen Umbruch bei der Auswahl, Beschaffung und Nutzung von IT in den Unternehmen. So bemühen sie sich verstärkt um Kontakte zu den Mitarbeitern aus den Fachabteilungen ihrer Kunden, die künftig eine wichtigere Rolle bei der Vergabe von Projekten spielen werden.

Unternehmen erwarten von ihren Service-Provider seit den Schnüffel-Affären verstärkt exaktere Angaben zur Datenhaltung. Systemhäuser hierzulande hoffen von diesem Trend zu profitieren.
Unternehmen erwarten von ihren Service-Provider seit den Schnüffel-Affären verstärkt exaktere Angaben zur Datenhaltung. Systemhäuser hierzulande hoffen von diesem Trend zu profitieren.
Foto: Sergey Nivens - fotolia.com

Das ist ein zentrales Ergebnis der jährlichen Trendumfrage unter deutschen Systemhäusern, die ChannelPartner unter 130 Anbietern betrieben hat. Demnach erwarten die Dienstleister hierzulande, dass Unternehmen ihren IT-Betrieb zunehmend in die Hände von Service-Providern legen werden: Zum dritten Mal in Folge bewerteten die Teilnehmer Cloud Computing (66 Prozent) und Managed Services (50 Prozent) als die wichtigsten Trends. Im Windschatten dieser Betriebsmodelle werden nach Ansicht der Dienstleister Projekte zur Virtualisierung von Server-, Storage- und ­Client-Systemen, neue Sicherheitskonzepte und Plattformen für mobile Anwender weiter Fahrt aufnehmen.

Hohe Erwartungen hegen die Dienstleister außerdem an Technologien, die an der Schnittstelle von IT und Industrie angesiedelt sind und dort neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Dazu zählen allen voran Big Data Analytics (35 Prozent) und Industrie 4.0 (31 Prozent).

Diesen großen Trends folgend, bieten fast drei Viertel der befragten Systemhäuser Cloud-basierende Software sowie Infrastrukturdienste, Netzüberwachung und Security bereits als Managed Services an.

Security-Kompetenz entscheidend

Das wichtige Thema Cloud Computing wird in der Wahrnehmung der IT-Dienstleister durch die Spionageskandale nicht ausgebremst. Nach wie vor rechnen sie in diesem Segment mit einer hohen Nachfrage. "Bislang ist hier noch keine Trendwende spürbar. Allerdings setzen sich Kunden viel intensiver mit Fragen zu Sicherheit und zum Datenschutz auseinander als bisher", konstatiert beispielsweise Computacenter-Chef Reiner Louis.

Im Video: Highlights vom Systemhauskongress „Chancen 2015“

Auch bei mittelständischen Unternehmen sei diese Entwicklung spürbar, pflichtet ihm ACP-Vorstand Günther Schiller bei und folgert: "Jedes Systemhaus muss künftig in der Lage sein, ein ganzheitliches Security-Konzept abzubilden, das beispielsweise auch die Integration und Pflege der zahllosen externen Devices umfasst. Das gilt für klassische Projekte ebenso wie für Cloud-Modelle."

Die Mehrheit der Systemhäuser (56 Prozent) sieht das ähnlich und erwartet 2014, mit Security-Projekten die größten Wachstumsraten zu erzielen. Dem Marktforschungsinstitut Gartner zufolge werden diese Sicherheitsdienste zunehmend als Managed Service bezogen. Erwirtschafteten Anbieter 2013 in der Region ­Europe, Middle East and Africa (Emea) damit insgesamt 2,1 Milliarden Dollar, sollen die Umsätze in diesem Segment laut Gartner-Prognose bereits 2015 auf 3,1 Milliarden Dollar klettern.

Standortvorteil in der Cloud

Darüber hinaus ist deutlich erkennbar, dass Unternehmen ihre Service-Provider seit den Schnüffel-Affären verstärkt auffordern, exaktere Angaben zur Datenhaltung zu machen. "Sie wollen wissen, ob die Rechenzentren hierzulande angesiedelt sind, die Datenhaltung in Deutschland gewährleistet ist, Netze, Daten und Datentransfer in Deutschland administriert werden und ob auch die verantwortlichen Mitarbeiter hierzulande arbeiten", schildert Louis.

Systemhäuser, die bereits als Cloud-Dienstleister aktiv sind, hoffen von diesem Trend zu profitieren: "Hosted in Germany kann ein Wettbewerbsvorteil werden", erklärt Bechtle-Vorstandschef Thomas Olemotz. Private und Hybrid Clouds werden dabei auf längere Sicht die bevorzugten Betreibermodelle bleiben, so die einhellige Meinung der Systemhäuser.

Doch der Standort sichert keinen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, warnt zumindest Gartner. Das Marktforschungs- und Beratungshaus prognostiziert, dass die Frage nach dem physischen Standort bei der Datenhaltung in den nächsten sieben Jahren zunehmend irrelevant werden könnte.

Aktuell erkennen die Systemhäuser in Deutschland darin allerdings offenbar noch keine Gefahr. Überhaupt herrscht in der Branche eine überwiegend optimistische Stimmung: Für das laufende Jahr rechnen die Umfrageteilnehmer damit, dass ihre Kunden mehr in ihre IT-Ausstattung investieren werden als noch 2013.

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