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09.06.2000 - 

IT im Transportwesen/Komplexes Qualitäts-Management für Logistikdienstleister

Wettbewerbsfaktor Software macht Hamburger Hafenbahn attraktiv

Bei der Weiterentwicklung der Software "Habis" für die Hamburger Hafenbahn musste die Dakosy GmbH gleich mehrere Parteien zufrieden stellen: den Auftraggeber, die Freie und Hansestadt Hamburg, schließlich die zahlreichen Kunden der Hafenbahn und die Softwareentwickler selbst, die in Kooperation mit der Hafenbahn und deren Kunden für einen hohen Qualitätsstandard sorgen sollten. Ingo Küster* berichtet über das komplexe Projekt.

Als Electronic-Data-Interchange-(EDI-) und DV-Dienstleister schuf die Hamburger Dakosy GmbH einen Kommunikationsknoten für den Hafen, über den rund 540 Unternehmen und Institutionen der Transportwirtschaft transportrelevante Informationen austauschen. Als Dienstleister hafennaher Logistikunternehmen sowie der Freien und Hansestadt Hamburg in Sachen IT-Infrastruktur zielt sie darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit des Hamburger Hafens als Umschlagplatz von Gütern zu erhalten und auszubauen. Das Projekt ist ein Beispiel für die Erweiterung und Verbesserung der seit vielen Jahren im Einsatz befindlichen Anwendungssoftware "Habis" (Hafenbahn-Betriebs- und Informationssystem).

Dieses Anwendungssystem ist Ausgangs- und Endpunkt der Datenkommunikation zwischen logistischen DV-Systemen von Bahn und Hamburger Seehafenverkehrswirtschaft. Eingebunden sind auch die zuständigen Behörden. Mit Hilfe dispositiver Funktionen können Verlader und Kaibetriebe sowie Spediteure, Reeder, Schiffsmakler und Vermarktungsgesellschaften mit dem Zoll und der DB Cargo AG, Cargo Bahnhof Hamburg Hafen, prozessnahe Daten austauschen. Damit ist es möglich, sowohl hafeninterne als auch europaweite Bahntransporte für die Hafenkunden durchzuführen. Darüber hinaus werden über das System Bahntransporte abgewickelt, deren Auftraggeber - unter anderem auch aus Österreich oder Tschechien - auf dem gesamten europäischen Verkehrsmarkt operieren.

Im Wettbewerb der Anbieter umfassender Bahnlogistik, wie Transfracht International, Kombiverkehr, Polzug oder Metrans, bildet Habis ein per EDI- oder Dialog-Schnittstellen zugängliches Informations- und Dispositionssystem. Es enthält spezielle Funktionen für die Belange der Betriebsdurchführung der Hamburger Hafenbahn und wurde seit 1989 in mehreren Phasen entwickelt und in Betrieb genommen. In die Anwendung fließen alle wesentlichen logistischen Informationen der Unternehmen ein, die heute am Bahngüterumschlag und -transport beteiligt sind.

Die Funktionen ihrer ersten Versionen erfassten zunächst den Abtransport der Güter vom Schiff durch den Hafen ins Hinterland.

In den folgenden Jahren kamen vor allem die Abbildung des umgekehrten Weges (Exportverkehr) sowie Teile des Rangiergeschäfts hinzu. Das Jahr 1997 war von einem technologischen Richtungswechsel geprägt: Aus dem zentral gehaltenen System sollte eine mit grafikfähigen Clients ausgestattete, flexibel konfigurierbare Anwendung entstehen. Anstelle der bisherigen reinen AS/400-Host-Infrastruktur tritt eine Drei-Schichten-Client-Server-Architektur. Diese Textbildschirme werden durch grafische Oberflächen ersetzt. So erweitert, lässt sich das Rangiergeschäft im Hafenbahngebiet für die Anwender übersichtlicher darstellen. Die Bedienung erfolgt wesentlich intuitiver und wird durch Verwendung standardisierter und bekannter Elemente nach State of the Art vereinfacht.

Anwender und Entwickler in einem BootDie Freie und Hansestadt Hamburg als Auftraggeber und Investor und die DB Cargo AG als Hauptanwender verbanden das Re-Engineering der Software mit hohen Anforderungen beim Qualitäts-Management, um die Wart- und Erweiterbarkeit des komplexen Softwareprodukts nachhaltig sicherzustellen. Deshalb wurden im laufenden Entwicklungsprojekt neue Technologien und Verfahren eingeführt.

Dakosy als Hauptauftragnehmer, die Auftraggeber und die Anwender entschieden sich gemeinsam für einen objektorientierten Entwicklungsansatz. Der Technologiewandel war Anlass, die Entwicklung gemäß den identifizierten Risiken in mehreren Zyklen zu planen und auszuführen, wobei frühzeitig lauffähige Systeme, so genannte Prototypen, entstehen. Erkenntnisse aus dem "Prototyping" können die Projektparameter dann noch entscheidend beeinflussen.

Das Ergebnis ist ein flexibler Entwicklungsprozess, der sich verändernde fachliche Anforderungen aufnehmen oder "geparkt" halten kann (Change Request), ohne dabei zum Stehen zu kommen. Die künftigen Anwender und der Auftraggeber arbeiten engagiert im Projekt mit. Sie bringen aus fachlicher Sicht Verbesserungsvorschläge ein und prüfen die Prototypen auf ihre Anwendungsfähigkeit.

Transparenz und RegulierbarkeitDer Softwareentwicklungsprozess wurde im Zuge der Vorbereitung zur Verifizierung nach DIN EN/ISO 9001 im Jahr 1994 umstrukturiert. Prozesse und Teilprozesse sowie Ergebnisse und Teilergebnisse können so transparent und nachvollziehbar dokumentiert werden. Dadurch wurde die Justierung der Qualitätsziele deutlich besser regulierbar.

Vertiefende Schritte im Qualitäts-Management bei Dakosy wurden von externen Fachberatern begleitet. So gehören heute auch Mitarbeiter der DTK Gesellschaft für Technische Kommunikation mbH mit zum Team. Das Hamburger Unternehmen ist auf die Etablierung von Qualitäts-Management-Prozessen im technischen Umfeld, insbesondere bei der Bahn, spezialisiert. Die DTK führte nun zunächst ein Bootstrap-Assessment durch, um die Softwareprozesse innerhalb des Projekts zu bewerten und gegebenenfalls Verbesserungen vorzuschlagen.

In Folge der Bewertung von Teilprozessen bei der Softwareentwicklung wurden vor allem beim Testen neue Methoden und Verfahren erprobt und eingeführt. Das war wichtig, weil bei der Einführung der Objektorientierung auch neue Ansätze für den Test gebraucht wurden. Anders als beim konventionellen Testen dient hier der Sourcecode nicht mehr als Basis und Bewertungsgrundlage. Dies kommt unter anderem daher, dass sich in objektorientierten Programmen die Komplexität des Sourcecodes in die Architektur verlagert, so dass das Testen auf dieser Ebene zum bedeutenden Faktor wird. In der Konsequenz wird das Testen wesentlich früher erforderlich und muss außerdem von allen Projektteilnehmern aktiv unterstützt werden.

Das systematische und werkzeuggestützte Testen senkt im laufenden Projekt die Zahl offenkundiger und versteckter Fehler in allen durchlaufenen Entwicklungszyklen. Damit versprechen sich die Entwickler nicht nur ein qualitativ hochwertiges Softwareprodukt, sondern schaffen gleichzeitig auch die Voraussetzung dafür, die Software schrittweise und kontrolliert zur Anwendungsreife bringen zu können.

Gemeinsam Erfahrungen sammelnDakosy hat mit der DTK im Rahmen von Habis größtenteils Neuland beschritten. Mit projektbezogenem Qualitäts-Management und Objektorientierung hielten verschiedene neue Verfahren, Technologien und Werkzeuge Einzug.

Die gewonnenen Erkenntnisse führten - zum Teil durch unmittelbare Entscheidungen - zu kurzfristigen Prozessverbesserungen. Andere Erfahrungen wie beispielsweise Mengen- oder Aufwandsverhältnisse werden anschließend in die vorausschauende Prozessplanung einfließen.

Die erreichten Ergebnisse bestätigen deutlich die Entscheidung, den Entwicklungsprozess zu restrukturieren.

Alle Phasen der Entwicklung orientieren sich heute enger an den Bedürfnissen des Auftraggebers und der künftigen Anwender, und zwar sowohl während der Entwicklungszeit als auch im späteren Einsatz des fertigen Anwendungssystems.

Ein intensiver Dialog zwischen Fach- und DV-Experten war dafür die Grundlage. Vereintes Herangehen an Definition und Umsetzung der Qualitätsziele sichern nachhaltige Vorteile für die bahngestützte Hamburger Hafenlogistik.*Ingo Küster ist Leiter des Habis-Projekts bei der Dakosy GmbH in Hamburg.

Das UnternehmenDie Hamburger Seehafenverkehrswirtschaft gründete 1982 die Dakosy Datenkommunikationssystem GmbH mit dem Ziel, einen auf elektronischem Datenaustausch basierenden Kommunikationsknoten zu entwickeln, über den alle in die Transportprozesse involvierten Unternehmen und Institutionen transportrelevante Daten austauschen können. In das Dakosy-Rechenzentrum fließen heute die logistischen Informationen von und für rund 540 Unternehmen ein. Das monatliche Übertragungsvolumen umfasst mehr als 50 Millionen Datensätze. Dakosy erwirtschaftete 1998 mit 67 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 13,8 Millionen Mark.

HafenbahnsystemDas Hafenbahn-Betriebs- und Informationssystem "Habis" ist ein von der Freien und Hansestadt Hamburg beauftragtes, von Dakosy entwickeltes und der DB Cargo AG betriebenes Anwendungssystem, das 1990 mit den ersten fertiggestellten Komponenten in Betrieb gegangen ist. Es löste das Container-Transport-Dispositionssystem "Contradis" ab, das den Anwendern drei Jahre lang die ersten Funktionen und spezifischen Transportdaten für Container-Importverkehre zur Verfügung gestellt hatte. Habis bietet branchenspezifische Anwendungsfunktionen und gewährleistet die Kommunikation zwischen den logistischen DV-Systemen der DB Cargo AG und anderen Bahnen, der Seehafenverkehrswirtschaft, den Kunden, dem Zoll und anderen Behörden. Sendungen mit Gefahrgut werden entsprechend der Hafensicherheitsverordnung per EDI-Schnittstelle an des Gefahrgut-Informations-System (Gegis) übertragen.