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23.04.2004 - 

Microsoft, Yahoo und Google streiten um die Vormacht im Search-Engine-Geschäft

Wettlauf der drei Suchgiganten

Seit Googles Siegeszug sind Suchmaschinen wieder gefragt. Portalanbieter Yahoo kaufte SearchEngine-Spezialisten auf, und Microsoft bastelt an einer eigenen Technik. Die Firmen wissen: Wer in der Gunst der Surfer oben steht, hat wesentlichen Einfluss darauf, wie im Web navigiert wird, und schöpft die meisten Werbeeinnahmen ab.CW-Bericht, Frank Niemann

Nichts beeinflusst das Geschehen im Internet mehr als Search Engines. Der Geschäftserfolg von Web-Angeboten hängt stark davon ab, ob und an welcher Stelle die entsprechenden Links in den Ergebnislisten der Suchmaschinen erscheinen. Und da das Internet rasend schnell wächst, verlassen sich Anwender auf den Suchdienst, der ihnen am besten weiterhilft.

Bis vor etwa einem Jahr hatten führende Internet-Portale der Suchtechnik keine allzu strategische Bedeutung beigemessen. Statt in eigene Technik zu investieren, mieteten sie sich Systeme von Partnern. Das ging so lange gut, bis Google an allen anderen Suchmaschinen vorbeigezogen war und führende Portalbetreiber wie Yahoo und Microsoft mächtig unter Druck setzte. Heute steuern viele Nutzer von Portalen die Google-Site an, statt die integrierte Search-Leiste zu nutzen.

Bezahlte Sucheinträge

Die Portalbetreiber fürchten aber nicht nur, Traffic an Google zu verlieren, sondern bangen auch um das Geschäft mit bezahlten Sucheinträgen. Weltweit berappen viele Firmen dafür, dass ihre Website als "sponsored Link" in der Ergebnisliste auftaucht, wenn ein Internet-Anwender bestimmte Suchbegriffe eingibt. Und das Geschäft blüht: Marktauguren wie Jupiter Research taxieren das Volumen der damit erzielten Umsätze derzeit auf 2,1 Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2008 soll das Segment um jährlich 20 Prozent zulegen.

Der kalifornische Portalanbieter Yahoo verließ sich jahrelang auf Googles Search Engine, doch das Vertragsverhältnis wurde für den Portalbetreiber zur Belastung, als der Lieferant anfing, seinem Kunden Konkurrenz zu machen. So bietet der Suchdienst mit "Google Adwords" eine Technik für sponsored Links. Zudem können Nutzer über ein kategorisiertes Online-Verzeichnis gewünschte Ziele ausfindig machen - bisher eine Domäne von Yahoo. Auch an einem eigenen Einkaufsführer ("Froogle") bastelt das Unternehmen, der wiederum mit einem Yahoo-Angebot ("Yahoo Shopping") in Wettbewerb steht. Und mit der Ankündigung, kostenlose E-Mail-Postfächer anzubieten, stößt der Suchspezialist weiter in das Terrain der Web-Portale vor. Allerdings steht der "Gmail" genannte Service wegen datenschutzrechtlicher Bedenken bereits vor der offiziellen Freigabe in der Schusslinie. Im Gegensatz zu den E-Mail-Diensten der Portale bietet Gmail üppigen Speicherplatz (ein Gigabyte), nimmt sich dafür aber das Recht heraus, in den Nachrichten der Kunden zu schnüffeln, um sie gezielter mit Online-Werbung berieseln zu können.

Inzwischen hat sich Yahoo von Google getrennt und bedient Suchanfragen mit der Technik der übernommenen Firma Inktomi. Die kalifornische Internet-Firma hatte Anfang 2003 zunächst den strauchelnden Suchmaschinenspezialisten, ein paar Monate später dann den Online-Vermarkter Overture geschluckt. Letzterer vermarktet ebenfalls Suchmaschineneinträge ("Pay for Performance"), die auf den Such-Seiten erscheinen, darunter Yahoo, MSN, Lycos, AOL und GMX. Zuvor hatte sich Overture den kränkelnden Search-Engine-Betreiber Altavista sowie die norwegische Firma Fast Search & Transfer ("Alltheweb.com") einverleibt. Ende März griff Yahoo erneut zu und erwarb mit Kelkoo einen starken europäischen Anbieter von Produktsuche- und Preisvergleichsdiensten. Gestärkt durch die Zukäufe, sehen sich die Kalifornier gut gegen Google gerüstet. Die Werbeeinnahmen des Internet-Portals beliefen sich im ersten Quartal dieses Jahres (31. März 2004) auf über 635 Millionen Dollar, die Einnahmen von Overture eingerechnet. Kostenpflichtige Zusatzdienste wie etwa größere E-Mail-Postfächer brachten 88 Millionen Dollar ein, Privat- und Stellenanzeigen 33,8 Millionen Dollar.

Geschäftszahlen geheim

Google indes hat nach eigenem Bekunden nicht vor, sich zu einem Portal à la Yahoo weiterzuentwickeln. Gerade das im Gegensatz zu den Homepages der Web-Portale spartanische Such-Frontend hat neben dem neuartigen Algorithmus - er wertet zusätzlich die Anzahl der Verweise auf Web-Seiten aus - wesentlich zum Erfolg der Firma beigetragen. Geld verdient Google mit den bereits erwähnten Adwords beziehungsweise mit "Adsense", einer an den Adwords angelehnten Werbeform, bei der auf registrierten Websites kontextbezogene Google-Inserate erscheinen. Dieses Geschäft möchte der Branchenprimus noch ausbauen. Außerdem kassiert das Unternehmen Gebühren aus Partnerverträgen mit einer Reihe von Portalanbietern, darunter AOL und andere Sites des Medienkonzerns Time Warner, sowie Internet-Service-Providern wie Earthlink oder T-Online. Über die Höhe der Einnahmen schweigt sich Google aus. Zur Veröffentlichung ist die privat geführte Firma auch nicht verpflichtet, und noch steht nicht fest, ob und wann sie an die Börse geht. Schätzungen zufolge setzt das Unternehmen jährlich zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar um.

Europäer lieben Google

Unklar ist, inwieweit die Trennung vom Großkunden Yahoo sich negativ auf Googles Geschäft auswirken wird. Noch scheint der Höhenflug der Firma anzuhalten, und auch bei Werbekunden geht Googles Strategie auf. Nach Untersuchungen von Forrester Research aus Cambridge, Massachusetts, wuchs der Werbeumsatz von Google von 2002 auf 2003 um 205 Prozent, Konkurrent Overture, der schon länger im Geschäft ist, legte im gleichen Zeitraum um 60 Prozent zu.

Unterdessen arbeitet Microsoft emsig an eigenen Suchverfahren. MSN, das Web-Portal des Konzerns, stützt sich in Sachen Suche derzeit noch auf Technik des Spezialisten Inktomi, der Anfang 2003 vom Portalkonkurrenten Yahoo geschluckt wurde. Die peinliche Konstellation möchte Microsoft möglichst rasch ändern. "Es war ein Fehler, nicht früher in eigene Suchtechnik investiert zu haben", gab Firmenchef Steve Ballmer unlängst zu. Hatte Microsoft vor Jahren schon beinahe das Internet verschlafen, reagierte der Konzern nun erneut sehr spät auf den Trend zur eigenen Suchtechnik. Letzten Herbst kursierten Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Google durch Microsoft. Doch daraus wurde bekanntlich nichts.

Nun will das Softwarehaus aus eigener Kraft verlorenen Boden gutmachen. Etwa 500 Microsoft-Mitarbeiter hat Ballmer weltweit auf das Vorhaben angesetzt, noch in diesem Jahr eine Alternative zu Inktomi aus dem Boden zu stampfen. Sie werden von Experten aus den Forschungsabteilungen in England und China unterstützt. Auf Know-how-Träger ist Microsoft angewiesen, denn die Firma möchte nicht nur bestehende Suchmaschinen kopieren, sondern eine komplett neue Technik entwerfen. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es laut Marcus Schreiner, Product Manager MSN Suche, noch zuhauf: "Analysen bei unserem Suchsystem sowie bei Konkurrenten haben gezeigt, dass nur 50 Prozent der Ergebnisse für den Anwender Relevanz haben." Sobald die Technik verfügbar ist, möchte Microsoft die Inktomi-Engine ablösen. In den USA soll dies im Sommer, hierzulande Ende des Jahres geschehen. Doch ganz unabhängig von Partnern ist der Konzern auch dann nicht. Laut Schreiner soll der Kooperationsvertrag zwischen MSN und der Yahoo-Tochter Overture bestehen bleiben. Der Vertrag läuft bis Ende 2005.

Neben der Konkurrenz zu Yahoo sprechen auch andere Gründe für eine eigene Suchtechnik. "Auf diese Weise erfahren wir direkt etwas über das Verhalten unserer Kunden, was uns mit dem Inktomi-System bisher nicht möglich war", erläutert Schreiner die strategische Bedeutung der Eigenentwicklung. Jedoch betont er, dass die Nutzeranalyse anonym erfolge und keine personenbezogenen Daten gesammelt würden.

Noch eine Windows-Bündelung?

Zwar tritt Microsoft gegen mächtige Wettbewerber an, gleichwohl hat der Konzern bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass er einen Rückstand rasch aufholen kann - so geschehen beim Web-Browser "Internet Explorer" sowie beim Medienabspielprogramm "Windows Media Player". In beiden Fällen hatte der Softwareanbieter sich über die Bündelung seines eigenen Programms mit dem Betriebssystem Windows einen Vorteil verschafft. Seine Strategie setzt der Konzern unbeirrt fort: Microsoft möchte die nächste Windows-Version ("Longhorn") mit einem Suchwerkzeug ausstatten. Ein in den Desktop eingebettetes Search-Frontend soll dann den direkten Zugriff sowohl auf die lokale Festplatte als auch auf die Microsoft-eigene Suchmaschine erlauben, so dass sich der Anwender kaum mehr bemüßigt sieht, andere Suchdienste in Betracht zu ziehen. Bei Eingabe eines Suchbegriffs könnte das Werkzeug dann sowohl lokale Dokumente und E-Mail als auch Web-Seiten aus dem Internet in einer Ergebnisliste präsentieren. Allerdings sind die Ideen der Redmonder aus kartellrechtlicher Sicht problematisch, da die Bündelung von Funktionen mit dem Betriebssystem Anlass wettbewerbsrechtlicher Auseinandersetzungen mit der amerikanischen Justiz sowie der EU-Kommission ist.

Was auch immer Microsoft mit Longhorn ausliefern wird, in zaghaften Ansätzen gibt es die Kopplung zwischen Desktop und Suchmaschine schon heute. So brachte die zu Lycos gehörende Suchmaschine Hotbot mit "Hotbot Desktop" ein Tool heraus, das lokale Dateien, E-Mails (in "Microsoft Outlook") sowie RSS-Feeds indiziert und gleichzeitig den Zugang zur Web-Suche erlaubt. Und Google stellte vergangenen November die Betaversion eines Tools namens "Google Deskbar" vor, das sich in die Taskleiste des Windows-Desktops einnistet. Suchergebnisse zeigt Deskbar in einem kleinen Viewer an und umgeht so den sonst üblichen Weg über den Internet Explorer.

fniemann@computerwoche.de

Suche wird persönlich

Künftig wird es neben den herkömmlichen Suchangeboten vermehrt spezialisierte Formen der Web-Recherche geben. Schon heute lassen sich über Search Engines spezielle Inhalte ausfindig machen, etwa Bilder, Musik und Nachrichten. Darüber hinaus können Surfer mit Hilfe von Produktsuche-Sites auf Schnäppchenjagd gehen.

Die Firmen experimentieren ferner an personalisierten Suchfunktionen, die nur lokale Web-Inhalte einer Stadt oder Region durchstöbern. Bei "Google Personalized" legt der Nutzer ein Profil an und gibt dort die Themen ein, die ihm besonders am Herzen liegen. Auch der Online-Shop Amazon.com testet eine personalisierbare Suchmaschine (www.A9.com). Der Amazon-Kunde kann sich seine Suchanfragen abspeichern, wobei seine "Search History" über seine Login-Daten vom Internet-Laden zugänglich sind. Über einen Kartenreiter gelangt er auf eine Seite, die Bücher zum gesuchten Wort vorschlägt.

Konnten bisher nur Inhalte gefunden werden, über die Metainformationen in Textform vorliegen, soll es demnächst möglich sein, auch multimedialen Content zu indizieren, etwa Musikdateien, Office-Dokumente sowie Schriftstücke im Portable Document Format (PDF). Indiziert würden dann nicht nur die PDF-Datei, sondern auch darin enthaltene Wörter.

Google lässt die Konkurrenz weit hinter sich

10 größte Such-Channels in Europa - Januar 2004 / Anzahl Besucher / Reichweite (in Prozent) / Aufgerufene Seiten pro Person / Zeit pro Person

Google Search / 55 641 382 / 47,3 / 52 / 0:15:24

MSN Search / 27 151 382 / 23,1 / 12 / 0:04:08

Yahoo Search / 12 676 097 / 10,8 / 21 / 0:07:30

Google Image Search / 10 275 673 / 8,7 / 36 / 0:09:13

AOL Search / 5 846 613 / 5,0 / 20 / 0:09:05

Virgilio Ricerca (Italien) / 4 350 538 / 3,7 / 24 / 0:07:57

T-Online Suche / 3 898,809 / 3,3 / 8 / 0:04:15

Voila Search (Frankreich) / 3 458 755 / 2,9 / 17 / 0:08:03

Lycos Europe Search / 3 117 113 / 2,7 / 13 / 0:04:54

Microsoft Search / 2 683 728 / 2,3 / 3 / 0:01:51

Quelle: Nielsen/Netratings European Index, Januar 2004