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14.02.1997

White:"Oracle System ist zu alt"

CW: Glauben Sie, mit Ihrem Universal Server einen technologischen Vorsprung gegenüber Ihren Wettbewerbern herausholen zu können?

White: Ganz sicher. Wir verfolgen einen integrierten Ansatz, der Oracle, Sybase oder Microsoft um Jahre voraus ist. Das ist der Grund, warum Oracle so scharf auf unsere Mitarbeiter ist. Anders als bei uns gibt es dort keine durchdachte Produktarchitektur. Unser Angebot basiert sämtlich auf der Dynamic Scaleable Architecture (DSA), die mit der Illustra-Technologie integriert wurde. Was niemand weiß: Bereits neun Monate, bevor wir Illustra kauften, haben wir uns das Produkt angesehen und auf seine Integrationsfähigkeit hin überprüft. Oracle und die anderen Anbieter waren schockiert.

Die ganzen Diskussionen sind entstanden, weil wir die anderen überrascht haben und die Illustra-Datenbank sehr wohl in unser System integrieren konnten. Im Mai 1995 haben wir diese Möglichkeit geprüft, im Dezember haben wir den Merger angekündigt. Oracle war damit überrumpelt.

CW: Wie viele Einheiten des Informix Universal Server sind bisher ausgeliefert worden, und wie viele wollen Sie in diesem Jahr an Ihre Kunden bringen?

White: Dazu nehmen wir keine Stellung. Ich glaube aber, daß wir 1997 den Take-off erleben werden, zumal die Verwaltung von komplexen Inhalten für das Datenbankgeschäft immer wichtiger wird. Deshalb ist bei Oracle soviel Unruhe aufgekommen - sie versuchen herauszufinden, wie sie diesen Markt bedienen können.

CW: Ihnen wurde vorgeworfen, mit Ihren Produkten einen Gemischtwarenladen zu unterhalten...

White: ... bei uns ist DSA die zugrundeliegende Architektur für unsere gesamte Datenbank-Produktlinie. Basierend auf dieser Architektur, modifizierten wir die Libraries, um daraus entweder einen "shared nothing" Online Extended Parallel Server (XPS) oder ein Global-Language-Support-(GLS-)Produkt zu machen. Den Universal Server haben wir geschaffen, indem wir Data- blades und APIs hinzugefügt haben.

Ellison fehlt jede Orientierung - jeder bei uns ist der Auffassung, daß er technisch sehr naiv sein muß, um zu glauben, daß wir vier oder fünf verschiedene Produkte anbieten. Wir haben eine Produktlinie, die von der Workgroup über den Online Dynamic Server (ODS) und den XPS bis hin zum Universal Server reicht - basierend auf einer durchgängigen Architektur.

Darin liegt das Geheimnis unseres Erfolges und der Grund dafür, daß uns die meisten Analysten die technologische Führerschaft zugestehen. Oracle dagegen versucht, ein Konglomerat an Produkten mit Middleware zusammenzuschnüren. Es ist riskant, Objekte über Middleware zu transportieren. Wenn die Middleware-Corba-Verbindung gestört ist, wie wollen Sie dann Backup, Recovery, erneutes Speichern und Restart hinbekommen und die Datenbestände synchron halten?

Ellison hat ein paar naive Informix-Mitarbeiter aus Portland weggelockt, um an unser geistiges Eigentum zu kommen; das werde ich nicht zulassen.

CW: Ellison behauptet, die Verschmelzung Ihrer vier verschiedenen Datenbankversionen mit dem Illustra-System sei bisher nicht gelungen.

White: Wir haben eine durchgängige Architektur, die wir mit Libraries modifizieren, so daß unterschiedliche Systeme daraus werden. Das unterscheidet unsere Produkte grundsätzlich von denen Oracles. Unsere DSA dient als Basis für das Workgroup-Produkt und den Online Dynamic Server. Die Libraries werden modifiziert für eine Shared-nothing-XPS-Umgebung, und wir haben das Datablade-API in die DSA-Basis integriert. Wir adressieren mit einem mehrfach zu modifizierenden Produkt verschiedene Märkte.

Ellison kann das nicht tun, weil seine Produktarchitektur zu alt ist. Sie finden gegenwärtig keinen Weg, dieses Problem zu lösen - das ist der Grund, warum Oracle soviel über Release 8 redet. Und es klingt jedesmal anders. Mal ist es ein Objekt-, dann ein High-end- oder ein High-Transaction-System. Larry wirbelt nur Staub auf. Ich denke, erstens werden wir ihn vor Gericht bezwingen, zweitens haben wir ihn schon im Markt eingeholt, und drittens hinkt er technisch so weit hinterher, daß er nicht mehr weiß, was er machen soll.

CW: Oracle sagt, die Informix-Entwickler seien nicht abgeworben worden, sie hätten sich aus eigenem Antrieb gemeldet. Wie sehen Sie das?

White: Oracle hat diese Leute mit viel Geld abgeworben. Diese Mitarbeiter haben eine großartige Datenbankarchitektur aufgebaut - das ist Know-how, an dem Oracle interessiert ist. Sie werden versuchen, über unsere Ex-Entwickler an unser geistiges Eigentum zu kommen, um damit ihre Produktarchitektur zu verbessern.

Das werde ich verhindern. Erstens aus ethischen Gründen und zweitens - wenn wir so etwas zulassen, was glauben Sie, was dann mit unserer Industrie passiert? Immer wenn irgendwer einen technischen Vorsprung hat, kommt eine größere Company und kauft die Schlüsselentwickler weg. Das müssen wir verhindern.

CW: Glauben Sie, daß diese Entwickler frustriert waren, weil im Universal Server ein Teil der von ihnen entwickelten Informix-Technologie gegen Illustra-Produkte eingetauscht wird?

White: Nein. Alles was sie in Portland entwickelt haben, war als Basis des Universal Server vorgesehen und ist inzwischen auch integriert worden. Der Universal Server basiert auf Version 7.2, die in Portland gebaut wurde. An dieses System wurden Libraries gekoppelt, um innerhalb der vorhandenen Basis die Illustra-Vorteile nutzen zu können.

Deshalb sind die Behauptungen von Oracle ja so verrückt. Unsere Leute sind der Ansicht, daß Oracle keine klaren Architekturen hat. Wüßten sie besser Bescheid, und wüßten sie, wie man ein gutes, migrationsfähiges Softwareprodukt baut, dann hätten sie nicht schon 1993 von Oracle 8 gesprochen, um es erst 1997 oder 1998 freizugeben.

Ich glaube, Ellison hat den Sinn für Technologien verloren. Wir sind einfach um die Ecke gekommen und haben die technologische Führerschaft übernommen - das hat ihn erschreckt. In jedem Benchmark haben wir die Nase vorn, das frustriert die Oracle-Leute. Ihre einzige Chance war, an unsere Entwickler heranzukommen, weil die Oracle-Engineers selbst nicht in der Lage waren, unseren Vorsprung wettzumachen.

CW: Welches Ergebnis erwarten Sie von einem juristischen Vorgehen gegen Oracle?

White: Ich will erreichen, daß unsere Ex-Mitarbeiter nicht für Oracle arbeiten dürfen. Gelingt das nicht, möchten wir jede Codezeile prüfen, die sie in den nächsten Jahren für Oracle schreiben. Das ist - auf kleinerer Ebene - vergleichbar mit dem Streit, den General Motors und Volkswagen nach dem Wechsel von Lopez ausfochten.

Das geistige Eigentum unserer Mitarbeiter und die Investitionen unserer Aktionäre müssen geschützt werden. Wir haben eine Reihe von Anrufen anderer Softwarehäuser bekommen, die uns in diesem Kampf den Rücken stärken wollen, weil sie Angst haben, daß ihnen dasselbe passieren könnte.

CW: Sie haben sich negativ über Corba geäußert. Warum wollen Sie diesen Standard nicht unterstützen?

White: Wir unterstützen Corba, aber wir integrieren keine neuen Datentypen. Bei Oracle steht ein relationales Modell im Mittelpunkt, über Corba werden andere Datenquellen angehängt. So binden sie Bilder, Videos oder Texte ein. Wenn aber eine Corba-Verbindung unterbrochen wird, wie soll man dann Backup, Recovery und Restart gewährleisten? Wie will man das System reparieren, migrieren, tunen? Wir verlassen uns auf unsere Datablades, Softwaremodule, die Daten mitsamt ihren Zugriffsmethoden beschreiben. Die Daten sind in unserer objektrelationalen Datenbank- Engine gespeichert. Sie sind integriert. Daher rührt unser technologischer Vorsprung - Oracle kann das zur Zeit einfach nicht.