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23.10.1987

Wi(e)der die Messe(n)

Hannover, München, Köln - überall das gleiche Bild: Sachen zum Anfassen (Hardware), Sachen zum Konsumieren (Software), Sachen zum Bestaunen (Preise). Personal Computer auf fast jedem Stand, die sich bestenfalls im Design unterscheiden (aus Anwendersicht, versteht sich; ein Freak findet natürlich immer irgend etwas). Außerdem gibt's Zusatzprodukte zu Personal Computern, die sich bestenfalls im ...

Besonders spannend sind Software-Demonstrationen. Große Freude kommt auf, wenn ein Mail-Merge-Paket die Adresse an die richtige Stelle des Briefbogens druckt. Doch die Vorführung scheitert spätestens bei der Seitennumerierung oder einem ähnlich unwichtigen Detail.

Ein Archivpaket stürzt ab (kommt vor bei Software) und meldet sich mit einem Fehler zurück. Weder ungewöhnlich noch besorgniserregend, gibt es doch im Handbuch die Sektion "Trouble Shooting". Doch Entsetzen bei den Fachleuten: Die Fehlermeldung ist nicht dokumentiert. Verstört eilt der Interessent von dannen. Ratlosigkeit bis heute (Amerika antwortet nicht ... ).

CAD-Vorführer konstruieren unablässig das gleiche (eingeübte) Teil - und scheitern an Sonderwünschen des Publikums: Die durch die Bauweise eines Balkons notwendigerweise komplexe Blumentopfhalterung ist bis heute nicht fertig. Das gilt allerdings. nicht für die Systems, da gibt's keine C-Vorführungen. Was wiederum schade ist. Kann doch niemand guten Gewissens ein CIM-Konzept demonstrieren.

Aber hier sind die Messeveranstalter dem Markt einige Jährchen voraus. CIM, darüber ist sich mittlerweile die Avantgarde der DV-Szene (Theoretiker und Praktiker) einig, hat wenig mit Fertigung, noch weniger mit Computern, aber viel mit Integration zu tun. Gemeint ist damit die Verbindung der (im weitesten Sinne) technischen mit der kommerziellen Datenverarbeitung. Um sich von vermeintlich rückständigen Fachleuten abzuheben, erfand die Integrationsgemeinde dazu den Begriff "Informationsverarbeitung".

Doch unabhängig von der Vokabel: Integration meint Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens - und der Weg dahin ist nun mal durch Messen nicht abzudecken. Dies wird weder Hannover noch München noch sonstwem gelingen. Folgerichtig hat Information Resources Manager Sebastian Trauerwein ja auch die Messe der Anwender gefordert, auf der sich Anbieter über die Probleme der potentiellen Kunden informieren können (siehe KW 41, Seite 8 , "Idealmesse").

Aber zurück in die Wirklichkeit: Integration hat auch sehr viel mit Kommunikation zu tun. Nun hält selbst Christian Schwarz-Schilling, Bundespostminister, seine Pressekonferenz in Genf ab. Da läuft die Telecom, und die Münchner dürfen per Videokonferenz teilnehmen. Hat die Münchener Messegesellschaft daran gedacht, das Neueste aus Genf in die Systems-Hallen übertragen zu lassen? Schließlich soll eine Messe den Besucher ja vollständig informieren.

Das Systems-Motto lautet in diesem Jahr "Computer und Kommunikation". Wie es um die Kommunikation steht, wird sich angesichts der Genfer Konkurrenz herausstellen. Unkenrufe gibt es genug. C-Techniken und -Konzepte sind in München unerwünscht (zumindest in den ungeraden Jahren), bleiben also die Computer. Was kann einen Besucher dann noch nach München ziehen? Das Fremdenverkehrsamt wird die Antwort wissen.

Aber die Systems-Bilanz ist heute schon klar: Wachsende Internationalität (endlich Schluß mit der süddeutschen Regionalmesse), ein steigender Fachbesucheranteil (wie auf jeder Messe an jedem Veranstaltungsort) und schließlich immer zufriedenere Aussteller (wer setzt schon gern eine Investition in den Sand und gibt das auch noch zu?).

Damit reduziert sich die Veranstaltung, da ihr die wichtigsten- Themen fehlen, auf ein gesellschaftliches Ereignis. Entspannt wandern die Besucher durch die Hallen, kehren hier und da zu einem Drink ein, treffen alte Kollegen, vielleicht sogar Freunde. So gesehen, ist München auf jeden Fall richtig.

Eine Oktober-Revolution ist nicht in Sicht.