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24.07.1992 - 

Gedanken zur Einführung von Windows in IDV-Umgebungen

Wichtig sind in die Programme integrierte Makrosprachen

Windows ist in rund zwei Dritteln aller deutschen Unternehmen ein Thema. Aber die IDV-Macher in den Rechenzentren verfangen sich in Details. Sie diskutieren - bevor überhaupt die Firmenstandarts feststehen - ausführlich die Vor- und Nachteile diverser Anwenderprogramme. Eines indes ist klar: Windows 3.1 ist stabil und auch in Netzen problemlos zu handhaben.

Beim Pro und Kontra zur Einführung dieser inzwischen wohl erfolgreichsten Benutzeroberfläche auf dem PC ist der erste Punkt immer die berühmte ungeklärte Betriebssystemfrage "Windows oder OS/2". Häufig muß eine ganze Liste von Kontra-Windows-Argumenten abgearbeitet werden, zum Beispiel:

- Der Anwender sei im ersten Moment des Kontaktes mit Windows wegen des unübersichtlichen Bildschirms mit seiner "erschreckend komplexer Symbolik" geschockt.

- Auch der erhebliche Schulungsaufwand bei einer Umstellung von DOS-Anwendungen auf Windows ist eine der Gegenreden.

- Dazu kommt das Argument, daß Windows die Arbeit im Benutzer-Service noch schwieriger macht.

Diese Aufzählung ließe sich von eingefleischten IDV-Profis wohl noch erweitern. Und obwohl sie nicht von der Hand zu weisen ist, überwiegen inzwischen die Argumente für Windows.

Mit Windows besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis

Daß die Gegenargumente so leicht über die Lippen kommen, ist ein Zeichen für den Druck, der heute von Anwenderseite auf die DV-Abteilungen in Richtung Windows ausgeübt wird. Eigentlich sollte der Druck jedoch von der Unternehmensleitung "top down" kommen. Die stellt ja immer häufiger fest, daß trotz Millionen-Etats für die individuelle Datenverarbeitung die Produktivität des einzelnen Anwenders kaum steigt. Mit Recht ergeht dann die Forderung an die DV-Leitung, das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu verbessern.

Dieser Forderung läßt sich mit Windows als Grundlage durchaus nachkommen. Dabei ist es gleichgültig, aus welchem Hause die Anwenderprogramme stammen, die auf Windows aufbauen.

Das wird erst dann zur wichtigen Frage, wenn es um den Firmenstandard geht. Ein derartiger "Standard", der die Offenheit der Windows-Welt nutzt, kann beispielsweise aus Wordperfect, Lotus 1-2-3, Harvard Graphics und Rumba bestehen."

Man muß also nicht ausschließlich einem Hersteller folgen. Aber es spricht auch einiges dafür, beispielsweise Microsofts Office für Windows zum Firmenstandard zu machen.

Einer der Vorteile wäre, daß quer durch alle Programme dieselbe Tastenbelegung gilt. Diese Konsistenz hat man bei "Querbeet" -Konfigurationen natürlich nicht.

Wesentlich jedoch - für welche Zusammenstellung man sich auch entscheidet - sind die Fähigkeiten der Programme, untereinander Daten auszutauschen (DDE und OLE) sowie die in die Programme integrierten Makrosprachen. Denn mit DDE und Makrosprachen kann man die Anwenderprogramme firmenspezifisch automatisieren. Und das ist der zentrale Punkt.

Leider wird dieser Aspekt in der ganzen Windows-Diskussion heute noch ungenügend berücksichtigt. Dabei ist die Automatisierbarkeit das Einzige, was für den Unternehmer wirklich wichtig ist. Der Anwender wird in dem Moment produktiv, wo er auf die für ihn persönlich eingerichtete Arbeitsumgebung zugreifen kann.

Wie kann man aber in einer großen Verwaltung den einzelnen Anwendern derartige Umgebungen zur Verfügung stellen? Beispiel: Bei 1200 Mitarbeitern arbeiten 500 mit PCs. Die Hälfte davon sitzt wahrscheinlich in Sekretariaten. Und dort gibt es wiederum Gruppen, nämlich Geschäftsleitungs-, Abteilungs- und Werks-Sekretariate, alle mit unterschiedlichen Aufgaben-Schwerpunkten.

Aber Telefaxe versenden sie alle, und im gleichen Hause werden auch die gleichen Formulare verwendet: Reisekosten-Abrechnungen, Besuchsberichte, Rechnungen, Auftragsbestätigungen etc. Trotzdem kommt man selten auf mehr als 40 oder 50 Arbeitsabläufe, die sich zur Makroprogrammierung anbieten. Jeden einzelnen Ablauf in Makros umzusetzen ist allerdings nicht sinnvoll. Vieles gibt es fertig zu kaufen, einiges ist eventuell bereits im Hause vorhanden - besonders im betriebs- und finanzwirtschaftlichen Bereich. Der Rest kann extern erstellt werden.

Gießkannen-Schulungen lassen sich reduzieren

Mit einem derartigen Fundus, so die Erfahrungswerte, kann den Anwendern bei relativ geringem Aufwand bis zu 80 Prozent der anfallenden Routinearbeit abgenommen werden.

Wenn die Anwender dann beispielsweise die Fax-Formulare "blind" ausfüllen können - alle Angaben werden ja im Formular automatisch an die richtige Stelle geschrieben - so ist das ein für jeden erkennbarer Produktivitätsgewinn .

Organisiert und supported wird das durch den Benutzer-Service. Mit Werkzeugen, zum Beispiel Wintegrator und in gewisser Weise auch HP New-Wave, kann er - ist die Erst-Installation erst einmal gelaufen - das Leben der Mitarbeiter erheblich erleichtern. Bis zu 75 Prozent weniger

- "dumme" Fragen,

- zentrale Updates in den Ruhezeiten,

- strukturierte Datensicherungen auch auf Einzel-PCs fallen an.

Erst wenn man das einmal in Ruhe durchdenkt, wird klar, wie viele der Tagesprobleme auf diese Art in den Griff zu bekommen sind. Dazu gehört auch der Gesamtkreis Schulungen: Bei richtigem Aufbau der Individual-Arbeitsplätze, die sich ja trotzdem an den Firmenstandards orientieren, sind die ersten zehn bis 14 Tage "Gießkannen-" Schulung sogar bei Anfängern auf zweitägige Einweisungen reduzierbar. Die Ausbildung im eigentlichen Standardprodukt, wie zum Beispiel Winword, erfolgt dann erst bei unmittelbarem Bedarf und der entsprechenden Motivation.

Außenseiter "Netware"

Zum Krieg der Betriebssysteme sei gesagt, daß man sich hier nicht durch das Rauschen im Blätterwälde irre machen lassen sollte. Eigentlich gibt es nämlich keine Frage "Windows oder OS/2". Ähnlich wie im DOS-Markt ist auch hier die Situation durch die enorme Zahl der am Markt verfügbaren Applikationen klar. Entweder die Windows-Programme laufen einwandfrei unter OS/2 oder OS/2 ist großflächig am Markt nicht durchzusetzen.

Die Schlacht wird vielmehr zwischen OS/2, Windows NT (nicht 3.10) und Unix ausgefochten. Dabei sollte man einen weiteren Konkurrenten auf einem der hinteren Startplätze nicht aus dem Auge verlieren: Netware ist auf dem Weg zum echten Betriebssystem und könnte unvermutet als Sieger über die Ziellinie gehen.

Im Markt der Betriebssysteme ist ja eine gewisse Vielfalt im Marktgeschehen sicherlich im Sinne des Käufers. Aber uns interessiert hier die Frage der Investitionssicherheit bei Windows. Keiner der Konkurrenten kann den Krieg ohne Unterstützung der Windows-Applikationen gewinnen.