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06.02.1998 - 

System-Managment/Distribution von Updates und Applikationen im Internet und LAN

Wider das Turnschuh-Management: Software via Netz verteilen

15 Jahre lang hat man Software über verschiedene Kanäle an Endkunden, Universitäten und Firmen verkauft. Damit ist nun Schluß: Die Programmierschmiede Borland gibt die klassische Software-Distribution auf. An die Stelle der alten Verkaufsabteilung tritt eine eigenständige Firma namens "Frontline Now", die ihre Kunden direkt über das Internet beliefert. Damit kehrt Borland zu seinen Wurzeln zurück: Im Jahre 1983 wandte sich die neugegründete Firma ohne einen Pfennig Geld in der Tasche mit einer erbettelten Anzeige in der Zeitschrift "Byte" direkt an die Programmierer: "Bleibt auf euren Sitzen! Wir kommen!", hieß es seinerzeit.

Sitzen bleiben können heute Endkunden wie Unternehmen: Die elektronische Software-Distribution über Internet, Intranet und LAN löst die alten Vertriebswege ab und entbindet die Administratoren von der Turnschuh-Distribution. Ein gutes Dutzend neuer Firmen mit so hübschen Namen wie Marimba, Globetrotter oder Novadigm rangeln sich um die Führungsposition im Markt für Produkte zur Softwareverteilung und -lizenzierung in Großunternehmen. Daneben gibt es knapp 30 weitere Anbieter, die ihre Lösungen an Softwareproduzenten verkaufen, die wiederum den Endkunden direkt beliefern wollen. Sie haben eine etwas andere Perspektive und wollen sich zu Vertriebs- wie Abrechnungskanälen für alle digitalen Produkte mausern.

Zu den beiden Hauptgruppen kommen die Angebote der Netzwerker: IBM im Verbund mit der Tochter Lotus, Microsoft und Novell wollen sich keinesfalls das Zukunftsgeschäft entgehen lassen. Im Rennen sind aber auch die "klassischen" LAN-Kontrollprogramme von Tivoli, Hewlett-Packard und Intel. Schließlich darf die Supportecke nicht unerwähnt bleiben: Mustang Software, das mit einem Mailbox-Programm für den Anwendersupport groß geworden ist, hat längst die angestammte Ecke verlassen und vertreibt mit "Filecenter" eine Web-basierte Datenbank, die Software durch die Netze vertreibt. Selbst für Firmen, die mit alledem nichts zu tun haben wollen, gibt es Angebote: Als Beispiel sei die Karlsruher Asknet genannt, die die komplette Softwaredistribution als Outsourcing-Auftrag übernimmt.

Natürlich fehlt inmitten der Betriebsamkeit die Diskussion um neue Standards nicht, wenn Microsoft und Marimba ihr Open Software Distribution (OSD) gegen Angebote wie IBMs Distributed Computing Environment/ Distributed File System (DCE/ DFS) positionieren.

Die elektronische Softwaredistribution ist nicht neu. Im LAN-Bereich führte Banyan Systems sie frühzeitig ein; für große IT-Systeme wurde sie im Rahmen der DCE-Architektur festgeschrieben. IBMs DFS-Server, eine unter Windows NT laufende Software, funktioniert mittlerweile mit verschiedenen Unix-Versionen, PC-Netzen und IBM-Hosts. Als Nachzügler dieser Technik gilt Novell, dessen Netware Replication System (NRS) im letzten Jahr vorgestellt wurde, allerdings nur Intranetware-Netze unterstützt.

Die Gründung der Firma Marimba brachte den Stein ins Rollen, die Distribution und Lizenzierung von Software über Netzwerke aller Art als ein zukunftsträchtiges Gebiet zu betrachten. Die von ehemaligen Java-Entwicklern geleitete Firma produziert die Software "Castanet", mit der Programme oder Updates direkt auf den Desktop des Anwenders "gepusht" werden. Dies geschieht mit Hilfe des Browsers und spezieller Back-end-Server. In direkter Konkurrenz zu Marimba verfolgen Backweb Technologies mit "Backweb" und die Open Software Associates mit "Netdeploy" einen ähnlichen Ansatz.

Push-Produkte arbeiten mit zwei Komponenten: einem Pack- und einem Installationsprogramm. Der Packer stellt die Komponenten zusammen, die für die Software benötigt werden, und schickt sie zum Desktop, zum Firmen- oder zum Abteilungs-Server. Dort nimmt der Installateur die Dateien auf, überprüft sie auf Virenbefall und führt die lokale Installation durch. Module, die ein Desktop-System beim Start benötigt, bereitet das Werkzeug so vor, daß sie beim nächsten Login automatisch installiert werden. Erfolgreich aufgespielte Programme oder Updates meldet das System an einen Lizenzzähler. Das Verfahren funktioniert bestens, wenn alle Maschinen identisch konfiguriert sind oder ihr Betriebssystem grundsätzlich über das Netz laden (wie etwa IBMs "Workspace on Demand", einige Java Virtual Machines und demnächst die NC-Systeme).

Doch die Vielfalt der Rechner und der LAN-Konfigurationen macht es den Systemverwaltern schwer. Ist es doch bei abgebrochenen Installationen sehr mühselig, über ein Dutzend Log-Files den Weg der Pakete zu verfolgen. Hier will die OSD-Spezifikation http://www.microsoft.com/standards/osd/osdspec.htm ansetzen, die Microsoft dem World Wide Web Consortium (W3C) als Standard vorschlug. In seltener Einmütigkeit unterstützen Firmen wie Netscape, Lotus und Installshield Software OSD.

OSD ist als Subset der neuen Beschreibungssprache XML (Extensible Markup Language), der Nachfolgeversion von HTML, konzipiert. Mit OSD soll jede nur denkbare Installationsvariante in einer Serie von Dateibeschreibungen verschickt und interpretiert werden können. Grundlage der Installation bilden "Tags", wie sie von HTML her bekannt sind. Vom Zielprozessor über den Speicherplatz bis zu den benötigten DLLs und Shared Libraries, der Lizenzierung und der Form der Dateikomprimierung beschreiben die Tags alle beteiligten Komponenten. Für jede benötigte Komponente entsteht eine OSD-Datei und eine Beschreibung, wann die OSD abgearbeitet werden soll. Dementsprechend wird eine Log-Datei geführt, die ein OSD-Parser durchlaufen kann, um allen Verstellungen nachzugehen.

Eine derartige Beschreibung nach OSD-Spezifikationen umfaßt beispielsweise im Fall der Installation (oder, ganz aktuell: der Deinstallation) des "Internet Explorer" auf einem Rechner etwa 40 OSD-Dateien; einige Hundertschaften werden angelegt, wenn ein Office-Paket am Rechner andocken soll. Obwohl OSD im Rahmen von Microsofts "Zero Administration Initia- tive" für Windows entstand, findet es viele Befürworter im Network-Computer- und Java-Lager. Denn die Flexibilität der Beschreibungssprache und ein allgemein akzeptiertes OSD kann Probleme lösen, die Microsoft (noch) nicht hat: Dazu gehört die Vermietung von Software, das Ausleihen von Modulen oder das automatische Wandern von Softwarelizenzen zwischen Multiprozessor-Servern bei Server-Programmen.

In der Vergangenheit hat es immer wieder Versuche gegeben, diese Probleme über die Hardware zu lösen. Ein besonders spektakulärer Fall war das Scheitern des "Wave-Chips" der Motorola-Tochter Wave Systems. Dieser Chip sollte in jedem Intel- und Power-PC-Rechner eingebaut werden und über die eingespielte Software Buch führen. Im Zusammenhang mit speziellen Bausteinen der Netzwerkkarten sollte der Wave-Chip sogar Rechner einschalten können, wenn nächtens neue Software ankam.

Dem ambitionierten System wurde die eigenwillige Konstruktion einer Wave-Clearing-Stelle zum Verhängnis, über die alle Lizenzzahlungen laufen sollten. Nicht wenige Firmen interpretierten dies als Spionage. Die Reste der Wave-Technologie kaufte Intel später auf. Sie sollen beim neuen Instant-Boot-Verfahren Verwendung finden, bei dem sich PCs aus dem Snooze-Modus heraus aktivieren lassen, wenn neue Updates und Bugfixes in der Nacht die Runde machen.

Angeklickt

Der Altmeister der Netz-Betriebssysteme, Banyan Systems, hat es vorgemacht: die Softwaredistribution im LAN. Mittlerweile beschränkt sich die Verteilung von Updates, Applikationen und Betriebssystemen nicht mehr auf lokale Installationen. Via Internet und Intranet verschicken Produkte etwa von Marimba und Backweb Software an Rechner in der ganzen Welt. Wer sich um die Distribution nicht kümmern möchte, dem steht eine Outsourcing-Tür offen.

*Detlef Borchers ist freier Fachjournalist in Westerkappeln.