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12.04.1996

Wider den Zielterror

Christoph Witte Viele DV-Profis in Unternehmen scheinen sich herzlich wenig um neue Technologien zu kuemmern. Sie gehen gaenzlich auf in ihrem problematischen Alltag, der gekennzeichnet ist durch Individual- und Standardsoftware, Mainframes, Unix-Rechner und PCs sowie Vernetzung und Integration dieser heterogenen Landschaft. Der taegliche und nicht selten ergebnislose Kampf mit der Technik - bisweilen dehnt er sich auf ahnungslose Vorgesetzte oder Mitarbeiter aus - nimmt die Akteure dermassen in Anspruch, dass kaum Zeit und Musse bleibt, sich mit neuen Dingen zu beschaeftigen.

Gleichzeitig sehen sich DV-Abteilungen aber zunehmendem Zielterror des Managements ausgesetzt. Ohne genuegende zusaetzliche Mittel fuer Equipment oder Personal zu gewaehren, verlangt es von der DV hoehere Effizienz. Aehnlich wie Patienten beim Arzt diagnostizieren Fuehrungskraefte die Krankheiten ihrer Unternehmens-DV auf Basis von aufgeschnapptem Halbwissen kurzerhand selbst. Die richtige Medikamentation kennen sie selbstverstaendlich ebenfalls - wenn auch nur dem Namen nach. Sie wollen Electronic Commerce, Kommunikation via Internet, Data-Warehouses und was der Schlagworte mehr sind. Einwaende und Erklaerungsversuche werden nicht gehoert oder als verklausulierte Entschuldigungen fuer Versaeumnisse abgetan.

Woher kommt dieses gegenseitige Misstrauen zwischen IT- und anderen Managern? Zwei Gruende liegen auf der Hand: Eine DV-Abteilung produziert erstens selten das, was sich andere vorgestellt haben, und zweitens liefert sie das, womit kaum jemand gerechnet hat, weder zu den anvisierten Kosten noch in der vorgesehenen Zeit. Dabei liegen die Differenzen ueber die Inhalte oft in der unterschiedlichen Sichtweise begruendet: Wenn ein IT-Profi beispielweise von Electronic Commerce redet, zerlegt er diesen Begriff in einzelne IT-Probleme und zermartert sich das Hirn, wie er denn zum Teufel Kreditkarten-Transaktionen sicher machen kann, welche Server, welche Datenbank-Engine er einsetzen soll und so weiter. Sein Gegenueber aus dem Vertriebs-Management ueberlegt dagegen, wie sich die Kundenansprache beim Home-Shopping vom Einkauf im Supermarkt unterscheiden muss, denkt also nur an das gewuenschte Ergebnis und seine Auswirkungen.

Durch die ueber Jahre hinweg gewachsene Skepsis der Firmenoberen wird jede neue Technologie fuer IT-Abteilungen zum unkalkulierbaren Risiko. In vielen Unternehmen wird bei Projekten mit DV- Beteiligung gar nicht mehr gefragt, warum sie gescheitert sind. Den Schwarzen Peter hat die DV. Wen wundert es da noch, dass sich IT-Teams lieber damit beschaeftigen, vorhandene Funktionen zu optimieren, als neue Dinge anzugehen. Solange sich dieses Klima nicht veraendert und Vorhaben, die Auswirkungen ueber die DV hinaus haben, nicht auf mehrere verantwortliche Schultern verteilt werden, duerften die IT-Profis in Unternehmen weiter eher bremsen als Gas geben. Zugegeben eine bestenfalls kurzfristig erfolgversprechende Strategie. Wenn die Alternative aber den Vorwurf des Unvermoegens mit sich bringt, eine nachvollziehbare.