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Rahmenvertrag mit dem Bund mildert Kostenanstieg

Widerstand gegen Microsoft-Lizenzen wächst

05.10.2001
MÜNCHEN (CW) - Wegen seiner kostentreibenden Lizenzpolitik steht Microsoft zunehmend unter Beschuss. Nun hat sich ein britischer Unternehmerverband bei der nationalen Kartellbehörde beschwert. Mit dem Bundesinnenministerium einigte sich der Softwareriese unterdessen auf einen Rahmenvertrag, der Vergünstigungen für die öffentliche Verwaltung vorsieht.

Als Microsoft im Mai erstmals die Änderung seiner Unternehmenslizenzverträge ankündigte, hagelte es zunächst Kritik vom US-Marktforscher Gartner. Kunden, die nicht regelmäßig auf die neuesten Windows- oder Office-Produkte umstiegen, müssten mit Kostensteigerungen bis zu 100 Prozent rechnen, kritisierten die Analysten (siehe CW 20/01 und 21/01, Seite 1).

Vor allem europäische Anwender, darunter die niederländische User Group Netwerk Gebruikersgroep Nederland (NGN), gingen auf die Barrikaden. Sie kündigte an, eine internationale Protestwelle ins Rollen zu bringen. Unterstützung erhalten die Holländer inzwischen von der britischen Unternehmerorganisation The Infrastructure Forum (TIF). Der Verband beschwerte sich bei der nationalen Kartellbehörde Office for Fair Trade (OFT) über die zum 1. Oktober in Kraft getretenen Änderungen. Das OFT prüft, ob Microsoft damit seine marktbeherrschende Stellung auf wettbewerbswidrige Weise missbraucht.

TIF vertritt die Interessen von 98 britischen Großunternehmen. Einer Umfrage zufolge erhöhen sich die Softwarekosten für TIF-Mitglieder nach der Neuregelung um durchschnittlich 94 Prozent. Microsoft hatte zur Ankündigung des Lizenzmodells behauptet, für 80 Prozent der Kunden werde der Softwarekauf nicht teurer, sondern teilweise sogar billiger.

Kostentreibend wirkt sich im aktuellen Preismodell insbesondere die Abschaffung der Option Version Upgrade aus. Nach dieser Regelung konnten Kunden für 50 bis 70 Prozent der regulären Lizenzkosten auf das jeweils aktuelle Release von Windows oder Office wechseln, unabhängig von der eingesetzten Version. Diese und alle weiteren Upgrade-Vereinbarungen ersetzt Microsoft durch Alternativmodelle wie einen Wartungsvertrag ("Software Assurance"). Vor allem Großkunden sollen regelmäßig auf die neuesten Varianten umsteigen. "Das ist wahrscheinlich die größte Preiserhöhung, die Microsoft jemals vorgenommen hat", kommentierte kürzlich der US-amerikanische Analyst Chris LeTocq von Guernsey Research.

Auch deutsche IT-Verantwortliche hatten sich gegenüber der CW empört geäußert. Auffällig zurückhaltend gibt sich dagegen die hiesige NT-Anwendergruppe. Bis heute war es der vom Böblinger Systemhaus Addon organisierten Vereinigung nicht möglich, zu dem Sachverhalt Stellung zu nehmen.

In den Verhandlungen mit dem Bundesinnenministerium hat sich Microsoft unterdessen auf einen Kompromiss geeinigt. Ein neuer Rahmenvertrag sieht Vergünstigungen für die öffentliche Verwaltung vor. Der Kontrakt läuft bis zum 31. Mai 2004, teilt die Behörde mit. Er ergänze die Lizenzmodelle "um flexible und kostengünstige Übergangsregelungen".

Der zuständige Ministerialrat Rolf Krost hatte im August von "gravierenden finanziellen Auswirkungen für die Bundesverwaltung" gesprochen. Nach Angaben des bayerischen Finanzministeriums hätten die ursprünglich geplanten Verträge allein im Freistaat zu Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe geführt.