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16.12.1998 - 

Intranet und Extranet/Wenn Firmen nicht nur Daten eingeben oder abrufen

Wie Banken mit Extranets das Geschäft erweitern können

16.12.1998
Gerade die als extrem konservativ verschrienen Banken sind hinsichtlich der Nutzung bestimmter Internet-Techniken und im Aufbau von Intranets sehr fortgeschritten. Michael Müßig* beschreibt eine sich derzeit entwickelnde Nutzung eines Extranet.

Geldinstitute suchen nach neuen Mitteln zur Erweiterung des Geschäftsvolumens. Härtere Konkurrenz und sinkende Margen im Kreditgeschäft erfordern alternative, kostengünstige Vertriebswege. Insbesondere schnelle Darlehen für Konsumenten sind ins Blickfeld geraten.

Eigentlich erfordern solche Allzweckdarlehen nur wenig Beratungs- und Personaleinsatz durch die Bank. Die Kooperation mit Geschäftskunden, also beispielsweise Auto- und Einrichtungshäusern, ist nicht neu. Aber zwischen der Kaufentscheidung eines Kunden und der Bewilligung des nötigen Kredits vergeht oftmals zuviel Zeit.

Zunächst muß per Formular eines Geldinstituts oder entsprechenden Verlagshauses ein entsprechender Antrag gestellt werden. Was dann folgt, klingt für IT-Experten steinzeitlich: Das Papier wird per Post zur Bank geschickt, dort DV-mäßig erfaßt, geprüft und bewilligt. Bis er, wieder per Post, zurückkommt, sind einige Tage, eventuell auch Wochen vergangen. Der Kunde hat es sich anders überlegt oder woanders gekauft.

Dabei ist die Lösung eigentlich trivial: Die Kreditsoftware der Bank muß zum Kreditvermittler hin verlängert werden. Die Methode funktioniert per Extranet der Bank für ihre Geschäftskunden.

Mit einem Browser-fähigen Rechner kann der Verkäufer am Point of Sale (POS) unmittelbar nach der Kaufentscheidung mit dem Kunden den Kreditantrag ausfüllen. Die Datenübertragung erfolgt über TCP/IP direkt zur Bank. Die Bonitätsprüfung erfolgt nicht manuell, sondern durch ein unmittelbar verknüpftes Scoring-System, das bei Bonität sofort die Kreditbewilligung oder bei Ablehnung den negativen Bescheid an den Händler zurückübermittelt.

Zur Bonitätsprüfung erfolgt - ebenfalls automatisch - auch das Einholen weiterer Prüfinformationen, beispielsweise die Schufa-Auskunft, die in die Bewertung einbezogen wird. Lediglich bei fraglichen Fällen erfolgt die Weitergabe des Kreditantrags an einen Kreditsachbearbeiter, der die einzelnen Fakten bewertet und eine Entscheidung fällt.

Bei entsprechender Nachsteuerung des Scoring-Systems sind in deutlich über 90 Prozent der Fälle sofortige Entscheidungen realistisch. Und dabei ist die Kreditvergabe nicht einmal mehr von den Arbeitszeiten der Bankmitarbeiter abhängig: Die Bank generiert Geschäfte, während sie eigentlich nicht besetzt ist.

Zur juristischen Absicherung bedarf es allerdings noch einer rechtsverbindlichen Unterschrift. Zu Beginn unterschreibt der Kunde eine Einverständniserklärung zur Schufa-Abfrage. Wenn das Kreditinstitut grünes Licht für den Antrag gibt, werden beim Händler die Vertragsunterlagen ausgedruckt und vom Kunden rechtsverbindlich unterschrieben.

Auch die Datensicherheit, ein sehr wichtiger Aspekt in der Finanzdienstleistungsbranche, muß gewährleistet sein: So muß beispielsweise bei der Datenübertragung eine entsprechend geprüfte Sicherheitssoftware zum Einsatz kommen; sämtliche Aktionen erfolgen außerdem zentral auf dem Server des jeweiligen Kreditinstituts.

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile einer solchen Lösung liegen auf der Hand. Zunächst die für die Bank: Sie erzielt eine Geschäftsausweitung im Bereich der Konsumentenkredite. Durch die Geschäftspartner entstehen zusätzliche "Verkaufsstellen" für die Kreditvergabe. Das Finanzinstitut erhöht die Bindung zum Geschäftskunden deutlich, da man diese Lösung primär eigenen Geschäftskunden anbieten wird. Die Lösung bringt einen Imagegewinn und auf Basis einer Reihe von Kostenvorteilen auch klare Rationalisierungspotentiale.

Auch der Handelspartner gewinnt. Er kann spontane Kaufentscheidungen besser in Umsatz wandeln und erhält dabei durch die Bankprüfung sogar ein wesentlich geringeres Ausfallrisiko. Der Händler ist nicht an die Arbeitszeiten der Bank gebunden und erzielt Liquiditätsvorteile durch die schnelle Gutschrift des Kaufpreises bei seiner Hausbank. Das kann er wiederum für zusätzliche absatzfördernde Maßnahmen nutzen, beispielsweise in der Kalkulation seiner Kreditzinsen.

Schließlich gewinnt auch der Kunde. Er kann das gewählte Produkt sofort mitnehmen. Der Interessent kann unterschiedliche Kreditgestaltungsmöglichkeiten bezüglich Laufzeit, Tilgungsrate etc. durchrechnen lassen und bekommt somit ein auf seine Belange hin optimiertes Angebot. Der Kunde erspart sich Lauferei und Abwicklungszeit (ergo Geld) und kommt eventuell in den Genuß von günstigeren Kreditzinsen.

Technologisch sprechen für eine solche Geschäftsinnovation eine Reihe von Gründen für die Nutzung der Internet-Technologie in der Ausgestaltung eines Extranets. Die Lösung soll erstens zentral zu installieren, zu pflegen und zu ändern sein. Ein Service vor Ort bei jedem einzelnen Händler ist wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Installation, Konfiguration oder Updates müssen - gerade angesichts der aktuellen Not an versierten DV-Profis - mit geringen Personalressourcen möglich sein.

Zweitens darf die Lösung beim Händler nur minimalen Aufwand in puncto DV-technischer Infrastruktur und Handling erfordern. Internet-Browser und -Anschluß verursachen noch den geringsten Aufwand. Wichtig ist die Realisierung einer auch von sporadischen Nutzern intuitiv bedienbaren Oberfläche, damit ein Verkäufer sich auf die Wünsche des Kunden einstellen kann, ohne in die Tiefen einer komplexen Software eintauchen zu müssen.

Schließlich muß die Lösung flexibel zu nutzen sein. Gerade im mobilen Einsatz - auf Gebrauchtwagenmärkten und Messen beispielsweise - zeigt sich die Stärke des Extranet-Ansatzes.

Die Architektur dieses Konzepts ist als reine Client-Server-Anwendung realisiert und besteht aus drei zentralen Bausteinen: Ein POS-Modul bildet die Schnittstelle zum Verkäufer; hier erfolgt die Darstellung im Browser. Beim Server-Modul laufen alle Fäden zusammen; es steuert die zentrale Prüfung und die Kreditvergabe. Das Bearbeitungsmodul für die Kreditsachbearbeiter der Bank führt den Vorgang im Falle einer manuellen Prüfung dem nächsten freien Bearbeitungsplatz zu.

Das System kann - auf Wunsch - die Kreditvergabe teilweise direkt durchführen; dazu greift es auf konfigurierbare Regeln zurück. Bei der Bewertung der Kreditvergabe werden vorhandene Daten berücksichtigt: So können beispielsweise über eine zentrale Schnittstelle zum Host, zur Kreditsachbearbeitung und zur Schufa Daten direkt in die Bewertung einfließen, wenn die entsprechenden Schnittstellen bereitgestellt sind.

Schon in dieser Stufe bietet das System eine Reihe von Nutzungsvarianten. Beispielsweise läßt sich der Vorgang der Kreditbeantragung und -genehmigung ortsunabhängig durchführen, indem man ein Notebook mit Browser und PCMCIA-Karte für den Anschluß eines Handys ausstattet. Das System folgt somit flexibel dem POS.

Eine derart weit gehende Geschäftsintegration erschließt den gesamten Mehrwert einer solchen Lösung. Extranets entfalten ge- nau dann ihre Stärken, wenn nicht nur die Dateneingabe nach außen verlagert oder ausschließlich Informationsbereitstellung durchgeführt wird. Deshalb sollte der Einrichtung eines Extranet ein unternehmensübergreifendes Business Process Re-Engineering vorausgehen.

Angeklickt

Über den unternehmerischen Sinn des kreativen Einsatzes von Inter- und Intranets finden sich in der Presse reichlich Beispiele. Erfolgsstories über Extranets sind selten. Hier kommt eine - und zwar ausgerechnet aus einer Branche, die besonders starke Sicherheitsbedenken gegen Extranets hat: den Banken. Gleichzeitig geht in diesem Fall das Extranet über die Eingabe von Daten oder die Verfügbarmachung von Informationen hinaus. Hier handelt es sich um eine tiefe Integration in Finanzgeschäftsprozesse.

*Professor Dr. Michael Müßig lehrt Datenverarbeitung und Prozeßorganisation an der Fachhochschule Schweinfurt.