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06.03.2007

Wie Branchenpromis die CeBIT sehen

Eine Meinung: Die IT-Messe ist auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel.

Kritik an der CeBIT hat es immer gegeben, und nicht selten fiel sie harsch aus. Gleichwohl haben nur wenige Unternehmen einen radikalen Schnitt getan und Hannover den Rücken gekehrt. Wenn, dann fiel diese Entscheidung meistens schon vor Jahren. Unter den Abtrünnigen waren zum Leidwesen der Deutschen Messe AG auch einige Branchengrößen wie Oracle, das sich ganz auf seine eigene Veranstaltung "Oracle Open World" konzentriert. Auf der CeBIT unterstützt das Unternehmen allerdings noch seine Anwendergruppe DOAG und deren "Oracle Community CeBIT 2007".

Ähnlich sieht es bei der ebenfalls nicht in Hannover präsenten Cisco aus. "Wir halten unsere eigenen Veranstaltungen, die Cisco Expo und die Cisco Networkers, für effizienter", sagt Deutschland-Chef Michael Ganser. "Unsere Kunden suchen keine 15-minütigen Messegespräche, sondern mehr und ausführlichere Informationen. Diesen Rahmen kann uns die CeBIT nicht bieten."

Tradition verpflichtet

Für viele Topanbieter ist die CeBIT aber immer noch ein "Must-Event". Martin Jetter, Chef von IBM Deutschland, verweist auf das "sehr gute und langjährige Verhältnis zur CeBIT". Schon seit Jahren bietet das Unternehmen seinen Partnern, in diesem Jahr 20 an der Zahl, auf der Messe eine Plattform. Auch für Microsofts Deutschland-Chef Achim Berg ist die CeBIT-Beteiligung "keine Frage". Außer mit dem Hauptstand in Halle 4 ist sein Unternehmen in einigen weiteren Bereichen der CeBIT vertreten, so zu den Themen Security, SOA, BI und ERP sowie CRM.

EMC will die Messe nutzen um das veränderte Gesamtbild des Konzerns zu präsentieren. So erklärt Geschäftsführer Jochen Moll: "Wir wollen unseren Kunden unser integriertes Lösungsangebot zeigen, das durch die Zukäufe auch im letzten Jahr um verschiedene Themen und Komponenten erweitert wurde."

Während EMC die Standgröße des Vorjahres beibehalten wird, heißt es bei Siemens IT Solutions and Services: sparen! Geschäftsführer Christoph Kollatz: "Sie werden uns auf der CeBIT finden, müssen aber genauer hinsehen als früher bei SBS - denn der Auftritt wird deutlich kleiner." Präsentieren wird seine Mannschaft "ausschließlich ausgewählte RFID-Neuheiten". Ähnlich verhält es sich bei Sun: "Wir werden kleiner", bekundet Geschäftsführer Marcel Schneider. "Das hängt sicherlich auch mit den Kosten zusammen." Sun wird sich vor allem auf das Thema Virtualisierung konzentrieren.

Für die Geschäftsführer ist persönliche Anwesenheit dennoch Pflicht. Cisco-Chef Ganser wird "natürlich" zugegen sein, zumal die Cisco-Tochter Linksys ebenso wie einige Partner präsent sind. Für SAP-Geschäftsführer Michael Kleinemeier ist die Teilnahme genauso "selbstverständlich" wie für Microsoft-Chef Berg.

Konzentration aufs Business

Der Beschluss des Veranstalters, die CeBIT auf sechs Tage zu beschränken und den Sonntag zu streichen, kommt den Sparwünschen der Aussteller entgegen. "Es erscheint mir mehr als sinnvoll, wenn das Wochenende ausgespart bleibt und wir nicht kosten- und mitarbeiterintensiv mehr oder weniger für Werbeartikeljäger bereit stehen", konstatiert EMC-Chef Moll. Dem stimmt Microsoft-Manager Berg zu: "Die Ausrichtung auf Fachbesucher spiegelt sich so auch im Zeitraum, in dem die Messe stattfindet, besser wider."

Doch noch herrscht nicht überall Friede, Freude, Eierkuchen. "Wir sind weiter in Diskussionen über die Vorstellung, die beide Seiten von der CeBIT haben. Es gibt schon noch Themen, die man optimieren könnte", meint Marcel Schneider, Chef der deutschen Sun-Dependance. "Wir werden uns die weitere Entwicklung genau anschauen und darüber von Jahr zu Jahr neu entscheiden, wie wir uns positionieren."

Die Streichung des Ausstellungssonntags war im Ansatz auch eine strategische Kehrtwende der CeBIT wieder weg vom Bereich Consumer Electronics. Das Signal ist auch bei CeBIT-Abstinenzlern angekommen. Manager Ganser: "Cisco adressiert die Geschäftskunden und braucht dafür eine Plattform. Ich kann mir mittelfristig durchaus ein CeBIT-Engagement wieder vorstellen."

Dabei entsteht ein Dilemma, das Suns Schneider so beschreibt: "Wir haben zu unseren größten Geschäftskunden so enge Beziehungen, dass diese die CeBIT gar nicht brauchen, um zu wissen, was an Neuigkeiten kommt. Natürlich gibt es andere Bereiche wie unsere x64-Server, die für Mittelständler interessant sind, zu denen wir diesen engen Kontakt nicht haben. Dafür ist eine CeBIT gut geeignet."

Noch komplizierter wird es durch die Lösungspositionierung bei Microsoft, wie Berg andeutet: "Wir werden weiter einen gewissen Spagat leben müssen. Das Medieninteresse richtet sich zum Beispiel weniger auf die komplexe CRM-Lösung, sondern vielmehr auf den schönsten Ultra-Mobile-PC. Für uns stehen die Business-Themen klar im Fokus." Daraus ergibt sich aus seiner Sicht: "Wir befürworten eine Verringerung der Ausstellungsfläche auf eine überschaubarere Größe. Damit kann die CeBIT wieder ihren Zweck erfüllen, den Fachbesuchern einen Überblick über das Angebot innovativer Lösungen zu verschaffen."

Trotz aller Differenzierungsschwierigkeiten ist eine Verkleinerung des Ausstellungsspektrums unumgänglich meint auch EMC-Mann Moll: "Die Vielfalt an Themen, Lösungsangeboten und Anbietern in der ITK-Branche ist inzwischen so breit, dass es für Besucher immer schwieriger wird, sich noch zurecht zu finden, respektive einen zielführenden Messetag zu planen. Die Abwanderung gerade im Bereich Consumer Electronics zu anderen Leitmessen ist ein deutliches Signal. Fokussierung ist das Schlüsselwort."

Fokus und Profil

"Fokus und Profil" verlangt auch IBM-Chef Jetter. "B2B ist angesagt. Die CeBIT sollte sich auf die alten Stärken besinnen. IT ist ein seriöses Business-Thema, und das sollten wir auf der CeBIT auch so transportieren." Das nennt Cisco-Chef Ganser "Reduktion auf die Essenz der CeBIT", um mehr Raum und Zeit für Business-Kunden zu haben. SAP-Manager Kleinemeier gibt der Messegesellschaft einen Anstoss: "Die Orientierung in Richtung Consumer kann durchaus dafür ausschlaggebend gewesen sein, dass die CeBIT in den letzten Jahren nicht mehr die richtige Plattform für einige wichtige Unternehmen war." (ls, mb, hi, ciw, jha)