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13.08.2008

Wie der Linux-Host Kosten sparen soll

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit einer internen Konsolidierung auf Linux-Großrechner will IBM Millionen sparen. Gartner hat das Projekt unter die Lupe genommen und rät Anwendern zur Vorsicht.

Für Unternehmen mit heterogenen Server-Landschaften kann sich eine Konsolidierung auf Mainframes unter Linux rechnen. Ermöglicht werden solche Projekte durch die vielfältigen Virtualisierungsoptionen, die vor allem die IBM-Software z/VM bietet. IT-Verantwortliche können damit eine große Zahl voneinander abgeschotteter Linux-Instanzen auf dem Mainframe fahren.

Wie IBM interne Server konsolidiert

Eines der größten Vorhaben dieser Art läuft bei IBM selbst. Im August 2007 erklärte der IT-Konzern, rund 3900 verteilte Server auf 33 Mainframes an sechs Standorten unter Linux zu konsolidieren. In fünf Jahren will der Hersteller damit 250 Millionen Dollar sparen. Die Umstellungsarbeiten sollen in der zweiten Jahreshälfte 2009 abgeschlossen sein. "Der Anstoß für die Konsolidierungspläne kam durch das Projekt Big Green", erläutert Klaus Bergmann, System Performance Engineer im Böblinger IBM-Labor. IBM will damit das Hype-Thema Green IT besetzen. Ziel ist es laut Bergmann, die Umweltverträglichkeit der intern genutzten IT-Systeme deutlich zu verbessern. Jedes Jahr investiere IBM dazu rund eine Milliarde Dollar.

Entscheidungsrelevante Informationen für die Server-Konsolidierung lieferte eine detaillierte TCO-Studie (TCO = Total Cost of Ownership), die IBM mit einem eigenen Tool erstellte. Demnach soll das Projekt bereits im ersten Jahr Kostenvorteile bringen. Laut Bergmann entstehen diese zum großen Teil durch niedrigere Personalaufwendungen für den Betrieb der Systeme. Zudem spare sich IBM die Modernisierung bestehender Server-Installationen. Im Vergleich zu den verteilten Servern fielen auf der konsolidierten Mainframe-Plattform weniger Softwarelizenzkosten an. Das liegt in erster Linie an den Lizenzmodellen der Softwareanbieter, die die Gebühren häufig an der Anzahl der genutzten Prozessoren ausrichten. Außerdem reduzieren sich den Angaben zufolge die Aufwendungen für Strom und die benötigten Stellflächen. IBM spricht von Kostenersparnissen in Höhe von 80 Prozent allein bei den Energieausgaben.

Gartner empfiehlt Vorsichtbei Kostenvergleichen

Bisher allerdings stehen diese Zahlen nur auf dem Papier. "Die Einsparungen basieren auf Modellrechnungen und drücken IBMs Erwartungen aus", gibt Gartner-Analyst John Phelps zu bedenken. Sie seien keinesfalls Ergebnisse eines abgeschlossenen Projekts. Generell raten die Gartner-Experten zur Vorsicht, wenn IT-Hersteller "mit gutem Beispiel vorangehen" und ihre internen Fallstudien präsentieren. Dies gelte für Hewlett-Packards Initiative, die Anzahl seiner Rechenzentren drastisch zu reduzieren, ebenso wie für das IBM-Vorhaben zur Server-Konsolidierung. Besonders kritisch beurteilt Gartner IBMs Einsparziele. IT-Verantwortliche sollten sich die Zahlen genau ansehen und dabei vor allem drei Aspekte prüfen: Wie hoch würden die Einsparungen ausfallen, wenn IBM zunächst mit simplen operationalen Maßnahmen die bestehenden Systeme optimiert hätte? Hätte IBM nicht einfach auf eine geringere Zahl von dezentralen Servern konsolidieren können? Darüber hinaus gebe der Hersteller keine Einsparungen bezüglich der eingesetzten Hardware an. Die Analysten gehen davon aus, dass der Konzern die 33 Z-Mainframes zu einem wesentlich günstigeren Preis erhalte als die meisten Anwenderunternehmen. Vor diesem Hintergrund könnten sich die öffentlichkeitswirksam angepriesenen Einsparpotenziale in anderen Fällen schnell relativieren.

Gartner-Tipps für die Server-Konsolidierung

Unternehmen, die in größerem Umfang Server konsolidieren wollen, gibt das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner folgende Empfehlungen:

  1. Prüfen Sie alle Optionen auf allen Plattformen, wenn Sie Server-Upgrades oder Konsolidierungen planen.

  2. Sie sind ein guter Kandidat für Linux auf System-Z-Mainframes, wenn
    - in Ihrem Rechenzentrum verschiedene Server-Plattformen einschließlich System-Z-Großrechnern arbeiten,
    - Ihre Energiekosten hoch sind,
    - Ihre Immobilienkosten hoch sind,
    - Umweltthemen für Sie eine hohe Bedeutung haben.

  3. Wenn Sie eine Konsolidierung auf neue Plattformen erwägen, prüfen Sie auch, welche Einsparungen sich durch eine Modernisierung der alten Systeme erreichen lassen.

  4. Machen Sie dem Management klar, dass zunächst Kosten für das Konsolidierungsprojekt anfallen. Erklären Sie, wann mit ersten Einsparungen zu rechnen ist.

Spätestens nach 36 Monaten sollte sich ein Projekt rentieren

IBM habe für das Großprojekt zudem kaum Angebote anderer Hersteller eingeholt, vermutet Gartner. Anwenderunternehmen sollten dies aber in jedem Fall tun. In Frage dafür kämen große Anbieter wie Hewlett-Packard, Fujitsu, Sun oder Unisys. Generell ist es nach Einschätzung von Gartner nicht empfehlenswert, dem oberen Management derart große Einsparungen in Aussicht zu stellen. Gleiches gelte für den anvisierten Fünf-Jahres-Zeitraum - nach Ansicht der Berater viel zu lang für ein Umfeld, das sich jederzeit rasch ändern könne. Sie empfehlen eine Zeitspanne zwischen 24 und 36 Monaten, in der sich ein Projekt auszahlen sollte.

Passen die Lizenzmodelle zu den Linux-Installationen?

Hinsichtlich der Lizenzkosten sollten Anwender zudem erst mit ihren Softwarelieferanten klären, ob deren Lizenzmodelle überhaupt zu den Konfigurationen für Linux auf dem Mainframe passen. Gartner nennt dabei den speziell für Linux-Aufgaben konzipierten Prozessor Integrated Facility for Linux (IFL). Damit orientieren sich die Softwarelizenzkosten an den tatsächlich für die Linux-Instanzen genutzten CPU-Ressourcen und nicht an den zum Teil wesentlich höheren Kapazitäten des gesamten Mainframe-Systems.

Einsparungen am Personal sind oft unrealistisch

Mit Vorsicht zu genießen sind laut Gartner auch die Angaben zu den Personalkosten, die laut IBM den größten Brocken der Einsparungen ausmachen sollen. In etlichen Konsolidierungsprojekten hätten sich die erhofften Effekte nicht eingestellt. So setzten einige Unternehmen IT-Mitarbeiter, die vor einer Konsolidierung mit der Systembetreuung beschäftigt waren, einfach in anderen Bereichen ein. Unterm Strich wurden die IT-Budgets damit aber nicht kleiner. Kritisch beurteilt Gartner vor allem solche Projekte, die sich dadurch rechnen sollen, dass ein Unternehmen in Zukunft weniger IT-Spezialisten einstellen müsse. Fast immer handele es sich dabei um "weiche Einsparungen", da die Personalbudgets selten mit aktuellen und künftigen Anforderungen übereinstimmten.

Für problematisch halten die Analysten schließlich IBMs Argument, die Konsolidierung mache die hauseigene IT-Infrastruktur flexibler, um Geschäftsanforderungen abzudecken. Phelps warnt IT-Verantwortliche ausdrücklich vor derart schwammigen Aussagen. Gegenüber dem Management sollten sie vielmehr ganz konkrete Vorteile aufzeigen. Andernfalls riskierten sie, dass das Vorhaben gar nicht erst genehmigt werde.

Trotz dieser Kritikpunkte können Anwenderunternehmen eine Menge aus dem IBM-Projekt lernen, führt Gartner aus. Wie in anderen IT-Vorhaben auch komme es darauf an, sich frühzeitig die Rückendeckung aus dem oberen Management zu sichern. So band das IBM-Team von Anfang an einen Senior Vice President ein. Ein anderer oft gehörter Ratschlag lautet, tief hängende Früchte ("low-hanging Fruits") zuerst zu ernten. IBM konzentrierte sich beim Migrieren und Konsolidieren zunächst auf Server, die besonders große Einsparungen in kurzer Zeit erwarten ließen. Dabei handelte es sich beispielsweise um diejenigen Server mit der niedrigsten Auslastung oder besonders alte Systeme, deren Ausmusterung kurz bevorsteht.

Als erfolgskritisch erweist sich ferner ein bereichsübergreifendes Team, so Gartner weiter. Für das interne Konsolidierungsprojekt trommelte IBM Spezialisten aus Hardware-, Software- und Dienstleistungssparten zusammen. Last, but not least sollten IT-Verantwortliche die nicht unerheblichen Vorabinvestitionen für derartige Projekte im Auge behalten und diese auch dem oberen Management transparent machen.

US-Versicherer setzt ganz auf Linux

Eine praxisnähere Beurteilung erlaubt das Beispiel des amerikanischen Versicherers Nationwide. Das Unternehmen mit rund 6000 IT-Mitarbeitern nutzte vor dem Konsolidierungsprojekt mehr als 5000 verteilte Server, deren Auslastung zum größten Teil unter 50 Prozent lag. In der Regel dauerte es mehrere Wochen oder sogar Monate, um zusätzliche Server in die Infrastruktur einzubinden. Die wachsenden Anforderungen an die IT hätten zudem zuvor nicht benötigte Rechenzentrumskapazitäten erfordert. Hinzu kamen eine Reihe weiterer Engpässe in der IT, die die Verantwortlichen angehen mussten.

Nationwide installierte 450 Linux-Instanzen

Nationwide löste etliche Probleme, indem es Arbeitslasten der dezentralen Server auf Mainframes konsolidierte, auf denen ausschließlich Linux als Betriebssystem läuft. Das Projektteam installierte dazu mehr als 450 Linux-Systeme auf zwei Z9-Großrechnern. Deren durchschnittliche Auslastung liegt den Angaben zufolge bei 70 Prozent. Auf den Großrechnern nutzt der Versicherer mehrere Kopien von Novell Suse Linux Enterprise Server 9 (SLES 9) mit der Java Platform, Enterprise Edition (Java EE) unter der Virtualisierungssoftware z/VM 5.2. Wo diese Kombination ungeeignet schien, griff das Team auf x86-Server mit Java EE zurück, die mit Hilfe von VMware ESX Server virtualisiert wurden. Nur in Ausnahmefällen ließen die IT-Verantwortlichen physische, sprich nicht virtualisierte Rechner zu.

Unterm Strich brachten die Konsolidierungsinitiativen eine Reihe von Vorteilen. In mehreren Bereichen hätten sich die gesamten Betriebskosten (TCO) deutlich verringert, gibt das Unternehmen an. Über einen Zeitraum von drei Jahren ergaben sich Einsparungen in Höhe von 15 Millionen Dollar. Beispielsweise halbierten sich die monatlichen Ausgaben für das Web-Hosting. Die Supportkosten für Hardware und Betriebssysteme sanken ebenfalls um 50 Prozent. Mit der Nutzung des dedizierten Linux-Prozessors (IFL) konnte Nationwide laut eige-nen Angaben zudem die Lizenzkosten für Middleware und Datenbanken (Websphere, DB2, Oracle) reduzieren. Nicht zu-letzt habe die IT-Konsolidierung den Bedarf an Stellflächen und Energie um satte 80 Prozent gedrückt.