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Warehouse-Management im neuen Distributionszentrum von QVC


11.07.2003 - 

Wie die Ware zum TV-Shopper kommt

Der Boom des Einkaufsbummels via Fernsehgerät bescherte dem in Düsseldorf heimischen Anbieter QVC Deutschland einen warmen Umsatzregen - und die damit einhergehenden Kapazitätsprobleme. Die will er mit einem neuen, papierlosen und vollautomatischen Distributionszentrum meistern, das durch ein Warehouse-Management-System gesteuert wird.Von Simon Vieth*

"Unser altes Lager in Neuss platzte sozusagen aus allen Nähten", erinnert sich Ulrich Flatten, Geschäftsführer Operations bei QVC Deutschland. "Unsere Mitarbeiter wurden dem ständig wachsenden Auftragsvolumen nicht mehr Herr, denn alle Einzelposten mussten anhand von Bestellzetteln einzeln herausgesucht und verpackt werden." Deshalb entschloss sich der Sender vor drei Jahren, ein neues Distributionszentrum einzurichten.

Im September vergangenen Jahres - 17 Monate nach dem ersten Spatenstich - nahm das 60000 Quadratmeter große, mit modernster Lagerlogistik, Fördertechnik und DV-Unterstützung ausgestattete Distributionszentrum im niederrheinischen Hückelhoven die Arbeit auf. Laut Flatten bietet es die Möglichkeit, auch weit höhere Auftragszahlen als bisher zu bearbeiten: "Wir verfügen hier über Reserven, die es uns erlauben, unsere Kapazitäten zu verdoppeln."

Das informationstechnische Herzstück des Distributionszentrums bildet das Lagerverwaltungssystem "Exceed WMS 4000" des Supply-Chain-Execution-Experten EXE Technologies. Implementiert wurde es von der EXE Deutschland GmbH mit Unterstützung der Conet AG, Hennef. Über Schnittstellen angebunden sind die verschiedenen Materialfluss-Systeme:

-von Knapp SI eingerichtete Hochregal- und Kleinteilelager,

-ein von Dürkopp Fördertechnik konzipiertes Hänger- und Transportsystem für Textilien (Garment Flow System) sowie

-der für die Zuordnung ausgehender Lieferungen an die Verladeplätze zuständige Outbound-Sorter von Crisplant.

Bei der Ankunft der Ware werden alle Transporteinheiten mit Barcode-Etiketten versehen, die eine lückenlose Verfolgung durch alle Lagerprozesse gewährleisten. QVC unterteilt die Artikel in drei große Gruppen: Schmuck, Bekleidung (Hängeware) und "Hard Goods", wozu beispielsweise Artikel für den Wohnbereich sowie Kosmetik- und Gesundheitsprodukte zählen. Letztere werden palettenweise im automatischen Hochregal- oder kartonweise im Kleinteilelager aufbewahrt.

"Tagesangebot" als Herausforderung

Schmucklieferungen hingegen wandern von einem abgeschlossenen Wareneingangsbereich per Fördertechnik in einen zutrittsbeschränkten Sektor des Distributionszentrums. Die Einlagerung erfolgt datenfunkgesteuert: Nach dem Scannen des Barcodes berechnet Exceed automatisch den optimalen Lagerplatz in einem der Fachbodenregale. Auch die Kommissionierung erfolgt mittels Datenfunk völlig beleglos. Hängeware schließlich wird über einen speziellen Aufzug in den Bekleidungsbereich im zweiten Obergeschoss transportiert. Für die Steuerung generiert Exceed Transportaufträge, die an das Materialfluss-System übergeben werden.

Eine besondere Herausforderung bedeutete die logistische Abbildung des Verkaufskonzepts "Tagesangebot". Wie Flatten erläutert, bietet QVC seinen Kunden jeden Tag ein Produkt zu einem besonderen Preis an: "Naturgemäß ist die Nachfrage nach diesen Artikeln besonders groß." Für die Lagerlogistik ändert sich also nahezu täglich die ABC-Kategorisierung und damit auch die Belegung der Pick-Plätze, denn für eine effiziente Kommissionierung müssen die Warenbewegungen möglichst gering bleiben.

Automatischer Nachschubauftrag

Für die komplexe Berechnung und Steuerung dieser Neuorganisation und die Klassifizierung von Kundenaufträgen zur optimalen Bearbeitung zeichnet ebenfalls Exceed verantwortlich. Zudem steuert das Supply-Chain-Execution-System den Nachschub für den Hochleistungs-Kommissionierbereich: Sinkt die aus Hochregal- und Kleinteilelager vorkommissionierte Ware auf einen Mindestbestand, so wird per Datenfunk automatisch ein Nachschubauftrag generiert. Last, but not least galt es, auch die Prozesse der Rücknahme, Prüfung auf Beschädigungen, erneute Einlagerung sowie Rückerstattung bereits erfolgter Zahlungen in die Warehouse-Management-Lösung zu integrieren.

Wie Anke Grzonka, verantwortliche Projektleiterin bei Conet, betont, wickelt QVC die gesamte Lagerhaltung papierlos ab - während bei anderen Anbietern die Erfassung von Bestellungen zwar elektronisch erfolge, dort aber noch überwiegend handverlesen, also mit Lieferscheinen und Packzetteln, gearbeitet werde. Schon jetzt beginnen sich die in das Projekt investierten Investitionen von gut 100 Millionen Euro auszuzahlen. (qua)

*Simon Vieth ist freier Redakteur in St. Augustin.

Qualität, Wert und Bequemlichkeit

Quality, Value, Convenience - aus den Anfangsbuchstaben dieser Begriffe hat der Teleshopping-Anbieter QVC seinen Firmennamen gebildet. In zahlreichen Kabelnetzen und über den Satelliten Astra zu empfangen, erreicht QVC Deutschland mehr als 34 Millionen Haushalte. Das TV-Kaufhaus sendet täglich 24 Stunden, davon 19 Stunden live. Die 1,1 Millionen aktiven Kunden bestellen die Artikel per Telefon oder übers Internet. Rund um die Uhr ist auch die Bestellannahme besetzt. Das Artikelsortiment umfasst derzeit rund 18000 Produkte. Daraus wurden im vergangenen Jahr etwa 5,7 Millionen Pakete zusammengestellt. QVC Deutschland setzte im vergangenen Geschäftsjahr 289 Millionen Euro netto um. Die Muttergesellschaft QVC Inc. mit Sitz in West Chester, Pennsylvania, ist seit 1986 am Markt vertreten und erwirtschaftete im Jahr 2002 einen Nettoumsatz von 4,3 Milliarden US-Dollar.