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11.01.2002 - 

Anleitung zum Testen des eigenen Internet-Auftritts

Wie gut ist eigentlich Ihre Firmen-Site?

Wenn Web-Anwendungen nicht den gewünschten Umsatz oder zu wenig Adressen für die Marketingabteilung erbringen, liegt der Verdacht nahe, dass die Benutzer mit dem Angebot nicht zurechtkommen. Bevor Sie Ihre Site einem teuren Labortest unterziehen, sollten Sie selbst eine intensive Prüfung vornehmen. Von Frank Puscher*

Grundsätzlich ist jeder Internet-Anwender ein potenzieller Benutzer Ihres Web-Angebots. Der Umgang mit der Site sollte daher keinerlei "Anleitung" erfordern. Alles was dort vorzufinden ist, muss sich selbst erklären. Zudem sollten Websites auf praktisch jeder erdenklichen Plattform funktionieren. Regel Nummer eins für den Test von Websites lautet deshalb: Bringen Sie einen eigenen Rechner beliebiger Konfiguration zur Präsentation mit, und lassen Sie sich die Seiten darauf zeigen.

Was Server-Protokolle verratenJeder Aufruf einer Web-Seite wird vom Web-Server automatisch protokolliert. Aus der Anzahl der Besuche (Visits), der Besucher (Unique Visitors) und der Seitenaufrufe (Page Impressions) pro Monat lassen sich aussagekräftige Statistiken erstellen. Erzeugt eine Site 10000 Page Impressions pro Monat, so sagt das aber nichts darüber aus, ob es nicht vielleicht auch 50000 sein könnten. Wichtiger als die absoluten Größen sind die relativen, zum Beispiel die Entwicklung der Besucherzahl seit dem Vormonat. Wichtig ist auch das Verhältnis von Seitenabrufen zu Besuchern. Als Durchschnittswert werden allgemein 3,5 Seiten angenommen.

Um genauere Aussagen treffen zu können, müssen die Daten zueinander in Beziehung gesetzt werden. Das beginnt bei der Rubrizierung. Veranlassen Sie, dass die einzelnen Seiten in Ordnern abgelegt werden, deren Titel Ihnen etwas sagen. Im nächsten Schritt lassen Sie sich von den Technikern eine Hitliste der 20 meistbesuchten Seiten Ihres Web-Auftritts geben. Die Homepage sollte stets die meisten Seitenabrufe erzeugen. Vergleichen Sie diese Zahl jedoch auch mit der Summe der Seitenabrufe für andere wichtige Seiten. Liegt der Wert für die Homepage höher, so kommen die User vermutlich schlecht mit der Site zurecht.

Insider-Wissen vorübergehend vergessenWenden wir uns nun dem Test der Anwenderfreundlichkeit zu. Dabei sollten Sie versuchen, Ihr Insider-Wissen über das Unternehmen zu vergessen. Ein Beispiel: Da die Geschäftsform eine AG ist, denken Sie automatisch an eine URL wie Horst-Wendlandt-AG.de. Der Nutzer sucht möglicherweise nach einer GmbH.

Wir kennen fünf verschiedene Zugangswege zu einer Website: direkte Eingabe der URL, Suchmaschine oder Katalog, Bookmarks oder Favoriten, Links von anderen Seiten und Bannerwerbung. Um die Direkteingabe der URL zu überprüfen, tippen Sie alle in Frage kommenden Adressen ein und protokollieren Sie das Ergebnis. Fragen Sie Bekannte und Geschäftspartner, unter welchen URLs sie Ihr Angebot vermuten würden. Bei Suchmaschinen und Katalogen kommt es darauf an, dass Ihre Seiten auftauchen, wenn nach einem wichtigen Begriff gesucht wird. Suchen Sie in den gängigen Suchmaschinen nach dem eigenen Angebot und vermeiden Sie dabei Insiderbegriffe. Erstellen Sie Listen mit Schlüsselwörtern.

Bookmarks und Favoriten zeigen oft ins Leere, weil die Site inzwischen einen Relaunch durchlaufen hat und die Dateinamen geändert wurden. Außerdem vergisst ein Benutzer eventuell, was sich hinter dem Lesezeichen verbirgt. Setzen Sie ein Bookmark und beurteilen Sie den erscheinenden Text. Geben Sie folgende Adresse ein: http://www.IhreDomain.de/fehlerseite.html. Hilft die Fehlermeldung weiter?

Holen Sie den Nutzer beim Werbebanner ab!Benutzer, die nur vage Vorstellungen vom Gesuchten haben, behelfen sich gerne mit Branchenportalen. Achten Sie darauf, dass Ihr Angebot dort aufgeführt ist. Hier hilft derselbe Testansatz wie bei den Suchmaschinen. Die im Portal platzierte Werbung sollte Kerninformation über den Gegenstand Ihres Angebots enthalten, zum Beispiel: "Flüge ab 99 Mark". Die Website muss den Benutzer abholen, wo das Werbebanner ihn hinschickt.

Bei der Benutzbarkeit ist zu unterscheiden zwischen der Site im Allgemeinen und den speziellen Applikationen, etwa einem Buchungssystem. Es gilt die Faustregel: Je tiefer ein Surfer in die Inhalte vordringt, desto mehr verengt sich sein Blickwinkel. Die Site sollte ihn bei der Zielfindung unterstützen.

Der ziellose Surfer muss erst einmal erfahren, welchem Thema sich die Website überhaupt widmet. Rufen Sie eine beliebige Seite Ihres Angebots auf. Wird auf einen Blick klar, welches das Kernthema ist? Bedenken Sie: Viele Benutzer sehen die Homepage nicht. Eine einfache und wirkungsvolle Methode für das "Mission-Statement" ist ein Zusatz im Logo, beispielsweise: "Auction-House - Internet-Auktionen zwischen Privatpersonen".

Anschließend scannt der Benutzer die Site im Hinblick darauf, ob sein spezifisches Interesse abgedeckt wird. Die unterschiedlichen Rubriken sollten klar über ihren Inhalt Auskunft geben. Nehmen Sie die Hände von Maus und Tastatur. Erklären sich die Site und deren Inhalte auch, ohne dass Sie Pull-down-Menüs öffnen oder Mouse-over-Aktionen auslösen?

Deaktivieren Sie nun in den Internet-Optionen oder den Einstellungen Ihres Browsers das automatische Laden von Bildern. Ist der Zweck der Site noch zu erkennen? Falls nicht, schreiben Sie eine Erklärung und platzieren Sie Adresse und Telefonnummer darunter, um den Kundenkontakt zu erhalten. Installieren Sie einen sehr alten Browser (zum Beispiel Navigator 3 von Netscape). Verzichten Sie auf Zusatzsoftware und surfen Sie damit auf Ihrer Site. Exerzieren Sie das Ganze mit einem Modem durch und bewerten die Ladezeiten.

Zielgerichtete Nutzer wollen die Homepage schnell überspringen. Die wichtigsten Hilfsmittel hierfür sind interne Suchmaschinen, Sitemaps und Querschnittsrubriken. Versuchen Sie, möglichst schnell eine Transaktion abzuschließen. Stoßen Sie auf Hindernisse?

Besonderes Augenmerk verdient die interne Suchmaschine. Füttern Sie sie mit wichtigen Schlüsselbegriffen und schreiben Sie ein Wort falsch. Sind die Titel und Texte der Ergebnisse aussagekräftig? Liegt der Kernzweck einer Site zum Beispiel in der Online-Bestellung, sollte der Zugang dazu prominent sichtbar sein.

Der Besucher muss die Kontrolle habenDann geht es möglichst direkt zur Kasse. Sie können aber auch abschweifen und weitere Artikel bestellen. Springen Sie mit dem "Back-Button" zurück und verlassen Sie die Site, um später wiederzukehren. Clevere Shopping-Systeme können damit umgehen. Ziehen Sie eine komplette Bestellung durch und lassen Sie sich die Artikel - inkognito - liefern.

Sorgfalt sollte den Texten gelten. Sie müssen so gestaltet sein, dass der Benutzer sie querlesen kann. Hyperlinks gehören nicht in den Fließtext. Vorsicht ist geboten, wenn Navigationselemente in Grafiken versteckt werden. Multimediale Elemente sollten dem Prinzip der Optionalität unterworfen sein: Der Benutzer entscheidet, ob er die Ladezeiten in Kauf nehmen will. Letztlich dreht sich alles darum, ihm die Kontrolle über die Site zu geben. (qua)

*Frank Puscher ist Fachbuchautor und lebt in Hamburg.

Weiterführende LektüreDer Artikel beruht auf dem Buch "Das Usability-Prinzip - Der einfache Weg zur benutzerfreundlichen Website", das im Juni vergangenen Jahres im dpunkt Verlag, Heidelberg, erschienen ist. Es richtet sich an Manager und Projektleiter, die versuchen, ihre Sites aus der User-Perspektive wahrzunehmen und entsprechend zu verbessern. Frank Puscher erläutert dort das Thema Nutzerfreundlichkeit an konkreten Beispielen aus der Praxis. Im Zentrum des Buches stehen die Problemfelder Texte, Grafikdesign, Multimedia und Shop-Design. Ein separates Kapitel ist dem Usability-Test gewidmet.