Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.07.1993 - 

KOLUMNE

Wie halten Sie es mit SAA, Herr Gerstner?

Die sind im Moment zu sehr mit sich selbst beschaeftigt." Was Rudolf Messer, Professor an der Stuttgarter Berufsakademie, ueber die IBM sagt, (vgl. CW Nr. 27 vom 2. Juli 1993, Seite 1), trifft den Kern der Sache. Ob Big Blue nun in den naechsten Monaten und Jahren 50 000, 100 000 oder mehr Mitarbeiter entlassen muss, worueber derzeit in Analystenkreisen heftig spekuliert wird (Seite 1) - ein Geschaedigter steht von vornherein fest: der IBM-Anwender. Gemeint ist nicht der PC-Kaeufer, der jederzeit gefahrlos auf Compaq, Dell oder No-name-Produkte umsteigen kann. Und auch die AS/400-Anwender sind nur dann betroffen, wenn sie nach Migrationswegen suchen. Doch das duerfte auf die Mehrzahl nicht zutreffen. Eine AS/400 kauft man nicht aus Neuerungssucht. Der Schraegstrich symbolisiert das Erprobte, das auf der anderen Seite keine Experimente erlaubt.

Einen Geschmack davon, was Desengagement bedeuten kann, bekommen 370-Anwender, wenn sie die IBM-Marketiers fragen: Wie haltet Ihr es mit SAA? Womit wir bei den Geschaedigten waeren (siehe oben). Wen interessiert das ausser den Chefs von DV-Abteilungen, die sich einer rein blauen Politik verschrieben haben, fuer die IBM immer mehr war als ein Technologie-Unternehmen: naemlich die Kompetenz in Organisationsfragen schlechthin und als solche ohne echte Konkurrenz? Dies wird man so nicht aufrechterhalten koennen.

Was schuetzt die Anwender vor weiteren Enttaeuschungen? Der neue IBM-Chef Louis Gerstner vermeidet zwar die Hoppla-jetzt-komm-ich- Attituede und allgemeines Wird-schon-wieder-Blabla, das seinen Vorgaenger John Akers auszeichnete, zur Sache ist ihm jedoch kein Statement zu entlocken: Wie will Big Blue den Turnaround schaffen? Entlassungen koennen ja nicht das Mittel sein, wenn nicht abzusehen ist, wann das Ende der Spirale erreicht wird. Das meinten wir mit dem Geschaedigtsein der Anwender, dass sie es auf der IBM-Seite mit zutiefst verunsicherten Mitarbeitern zu tun haben - darueber kann auch das Schwarzer-Peter-Prinzip nicht hinwegtaeuschen, jenes Schuld-sind-immer-die-anderen-Lamento, das man von einigen Alt- IBMern nach wie vor hoert.

Also muss Gerstner ans Eingemachte gehen: Wie sich die IBM in den 90er Jahren positioniert, ist keine Frage des OS/2-Erfolgs - fuer eine PC-Company waeren auch 200 000 Leute zuviel. Einer Dienstleistungsfirma IBM fehlt es wiederum an Beratern, die ihren Job verstehen, weil sie die Probleme der Anwender kennen. Dies trifft auch auf eine grosse Software-Factory IBM zu. Bleibt das Systemgeschaeft, fuer das nur PR-Amateure die abwertende Bezeichung "Boxenschieben" parat haben. Hewlett-Packard hat gezeigt, dass Technologiekonzern kein Schimpfwort sein muss. Es geht um die 370- Nachfolge: Gerstner, uebernehmen Sie!

Nachhilfeunterricht fuer den Branchenneuling Louis Gerstner