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18.06.1976

Wie halten Sie's mit dem Maschinen-Belegungsplan?

Eine verblüffende Tatsache vorweg: Ein Großanwender wie die Deutsche Shell AG macht Maschinenbelegung schlichtweg per Stecktafel. Wie auch bei den übrigen Anwendern, die zum Thema Stellung nehmen, die automatisierte Maschinenplan-Erstellung noch wenig oder nicht mehr praktiziert wird. Womit wieder einmal bewiesen wäre, wie wenig Theorie und Praxis übereinstimmen. Denn über Maschinenlast-Verteilung, Rechnerbelegung und Termin-Einhaltung wird in Fachkreisen genug gesprochen. Wenn Lothar Koebnick, WMF Geislingen, behauptet: Je größer die Datenintegration ... desto weniger wird der Maschinen-Belegungsplan vermißt ..., dann wird deutlich, daß allenfalls Batch-Arbeiten, die ausschließlich in der Verantwortung des Rechenzentrums liegen, planbar sind. Nicht dagegen sporadische Online-Arbeiten, die bekanntlich zunehmen.

Willy Abteilungsleiter Mannesmann-Datenverarbeitung GmbH Ratingen b. Düsseldorf

Um täglich etwa 1500 Jobs auf einer Univac der Serie 1110 und einer IBM/370-168-Anlage durchzuführen, wird den Überlegungen der Rechnerbelegung besonderes Gewicht zugemessen. Im Hinblick auf die stetige Lastzunahme durch neue, zusätzliche Anwendungen ist eine lang- und mittelfristige Kapazitätsplanung - eventuelle Lastverteilung zwischen den beiden Rechnern - unbedingt erforderlich. Erreicht wird dieses durch die frühzeitige Projektinformation aller Anwender an die Abteilung Terminplanung. Für die aktuelle Rechnerbelegung der Batch-, Time-Sharing- (Demand/TSO), Remote-Job-Entry und Testarbeiten gilt folgendes:

Für alle Batch-Arbeiten, die ausschließlich in Verantwortung der Arbeitsvorbereitung des Rechenzentrums durchgeführt werden, liegen mit den Kunden abgestimmte, maschinell geführte Terminpläne vor, die Jahres-, Quartals-, Monats- und Tagestermine beinhalten, deren Einhaltung oberstes Gebot ist. Diese Arbeiten sind aufgrund ihrer aus sachlichen Notwendigkeiten bestimmten Ablaufreihenfolgen und der gleichbleibenden Benutzung von Systemrecourcen bekannt und damit planbar. Nicht planbar sind dagegen alle sporadischen Time-Sharing- und Remote-Job-Entry-Arbeiten, die ausschließlich tagsüber anfallen, für die eine Rechnerkapazitätsbeanspruchung aufgrund der Anzahl der angeschlossenen Terminals vorliegt und auch gewährleistet wird. Für den Testbetrieb, der sich in der Größenordnung von ungefähr 20 Prozent aller Anwendungen bewegt, ist ebenfalls freies Arbeitspotential vorgesehen.

Somit werden, abgesehen von den genannten Terminplänen für Batch-Arbeiten und vorgeschriebenen Benutzungsrichtlinien, für den Terminalbetrieb bisher noch keine besonderen Maschinenbelegungspläne für die Rechner erstellt. Die tägliche und monatliche Rückkopplung über das Systemverhalten, die Maschinenauslastung und Termineinhaltung bringen maschinelle Auswertungen, wie zum Beispiel Informationen, die mit dem eingesetzten Software-Paket Namic System 1, Job-Accounting und Hardware-Utilization sichtbar werden.

Die erstellten Übersichten über die Anlagenausnutzung mit dazugehöriger Benutzerkontrolle in Form von graphischen Darstellungen und chronologischen Job-Ablauf-Aufzeichnungen versetzen in die Lage, jederzeit auf alle Einflüsse wie Engpaß-Situationen und Auslastungsveränderungen kurzfristig zu reagieren.

Ziel der Rechnerkapazitäts- und Rechnerbelegungsplanung ist die optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Systemrecourcen und die absolute Einhaltung der Termine der Kunden.

Herbert Feistkorn, Deutsche Shell AG, Hamburg Leiter des Referats Computer-Disposition und Betrieb

Seit 1970 benutzen wir zur Planung unserer Computer-Auslastung (bis 1973 Univac 1108, seit 1974 Univac 1106 MP) eine Dispositionswand (Magnetmaterial) mit einer Planungsfläche von 2x11 Metern. Sie entspricht der Computer-Kapazität von 23 Arbeitstagen. Jedes einzelne Programm deckt darauf für seine Laufzeit die Belegung von Kernspeicher, FH 432 (Trommelspeicher) und Bandstationen ab. Diese drei Kriterien sind als übereinandergelagerte Flächen dargestellt, wobei Programme einer Kette einen Dispositionsabschnitt bilden, der an der Dispo-Wand magnetisch haftet. Dieses Verfahren erfaßt alle im Batch zu fahrenden Abläufe. Für Demand- und Realtime- Anwendungen werden Kapazitäten en bloc reserviert.

Die von uns entwickelte Methode bietet:

1. Flexibilität, die Dispo-Abschnitte lassen sich zu einer optimalen Auslastung unter Berücksichtigung von Terminen und Integration zusammenstellen.

2. Übersicht: Freie Kapazität und Engpässe sind auf einen Blick erkennbar.

3. Verständlichkeit: An der Dispo-Wand kann sich auch ein "Nicht-Fachmann" orientieren.

4. Planung neuer Abläufe: Sie können prophylaktisch eingebaut werden.

5. Hardware-Planung: Überzählige Hardware wird erkennbar, geplante Erweiterungen lassen sich theoretisch durchspielen.

6. Orientierung für die Arbeitsvorbereitung.

7. Überblick über das Auftragsvolumen für den Schichtleiter.

8. Einfaches "Updaten".

Aufgrund mehrjähriger Erfahrung sind wir der Meinung, daß eine maschinelle Methode (Optimierungsprogramm), soll sie diese 8 Punkte abdecken, wesentlich aufwendiger wäre, ohne bessere Ergebnisse bringen zu können.

(Einzelheiten der Methode wurden dargestellt in einem Vortrag anläßlich der Bifoa-Veranstaltung "Arbeitsvorbereitung im Rechenzentrum" am 15. 3. 1976 in Köln.)

Dipl.-Ing. Reiner Trappe Abteilungsleiter Systemprogrammierung Thyssen Niederrhein AG, Hütten. u. Walzwerke, Oberhausen

Im Hause Thyssen Niederrhein AG, Hütten- und Walzwerte in Oberhausen wird eine UNIVAC 1108 MP in 3 Schichten rund um die Uhr betrieben. Die Arbeitsvorbereitung im Rechenzentrum bestreut etwa 7% aller auf der Anlage gefahrenen Runs; dies entspricht aber etwa 30% der Maschinenauslastung. Der überwiegende Teil der Arbeiten sind Runs aus dem technischen Bereich (etwa 60%), die weitergehend von der Produktion getaktet werden, und Test-Runs sowie Runs externer Kunden (zusammen etwa 30%). Für diese Runs erfolgt keine Belegungsplanung im eigentlichen Sinne.

Seit Oktober 1972 ist bei TN das Programm-System AUTAV (automatisierte Arbeitsvorbereitung) im Einsatz, das unter anderem einen automatischen Ablauf aller Runs einer Planungsperiode abhängig von definierten Restriktionen wie Vorgänger-/Nachfolgerbeziehungen übernimmt. Alle Runs der Arbeitsvorbereitung des RZ werden damit gesteuert.

Die dieser automatischen Ablaufsteuerung zugrunde liegende Belegungsplanug wird als Run-Netz z.Z. manuell erstellt und dem System übergeben. Für die manuelle Zusammenstellung einer Planungsperiode werden neben einer in Übereinkunft mit den Fachabteilungen ausgearbeiteten Terminplan, der den jeweils frühesten Start- und spätesten Endtermin für jeden Run enthält, im wesentlichen die Kernspeichergröße und die beanspruchte Peripherie berücksichtigt. Zur Ermittlung dieser Einflußgrößen wird das Maschinen-Log-File durch entsprechende maschinell erfaßte Angaben erweitert und ausgewertet.

Wenn auch noch nicht im Einsatz, liegt doch in der Konzeption ein Verfahren für eine maschinelle Belegungsplanung unter Berücksichtigung dieser Einflußgrößen und eines eingegebenen Terminplans vor.

Lothar Koebnick, Leiter des Rechenzentrums, WMF, Geislingen

Kurz gesagt: Nicht maschinell. Man muß sich zuerst fragen, wozu dient ein Maschinen-Belegungsplan? Er hat doch vorrangig den Zweck, die an Spitzenzeiten auftretenden Kapazitäts-Engpässe zu vermeiden, rechtzeitig Denkanstöße zu manuellen Aktivitäten zu geben und Nachkontrollen zu ermöglichen.

Zwei Komponenten bestimmen seinen Wert:

1. Bei reiner Stapelverarbeitung ist es sinnvoll, per Programm einen Plan zu erstellen - mehr oder weniger gut, mit viel manueller Vorbereitung. Hier hat er aber seinen eigentlichen Wert, nämlich Spitzenbelastungen und freie Zeiten aufzudecken.

2. Vor umfangreichen Realtime-Anwendungen ist die EDV in der Regel auch dafür ausgelegt, so daß nur noch überschaubare Kapazitätenengpässe in der Stapelverarbeitung auftreten sollten. Sie aber lassen sich bei guter Steuerung automatisch und aktuell regulieren.

Vor- und Nachbereitunskriterien sind in einem Maschhinen-Belegungsplan zwar gut, besser und sicherer sind sie aber in der gesamten Ablaufsteuerung maschinell und aktuell regulierbar.

In der WMF wird neben den periodischen Abschlußarbeiten, für die es natürlich einen Netzplan mit Terminen gibt, die Tageslast der EDV-Anlage weitgehendst durch die Realtime-Anwendungen bestimmt. Die zu erzielenden Ergebnisse der sich anschließenden Stapelverarbeitung sind von Tag zu Tag unterschiedlich. Nach unserer Regelung dürfen die Fachabteilungen bis 16.00 Uhr Anforderungen stellen. Die AV stellt die Arbeit danach aufgrund einer Job-Verkettungsübersicht logisch zusammen. Als Arbeitsergebnis entsteht eine Job-Vorgabe für den DV-Betrieb mit zwei Prioritäten-Angaben:

1. Muß morgens vorliegen

2. Muß nicht vorliegen.

Der DV-Betrieb (Schichtleiter) hat ab jetzt nur noch fünf bis sechs verschiedene Arbeitsgebiete nach der Priorität zu steuern (bis zu 200 Jobs), deren Abhängigkeiten aber bereits berücksichtigt sind. Aufgrund einer Job-Stream-Liste, die beim Einlesen der Jobs erstellt wird, startet er den ersten Job eines Arbeitsgebietes. Alle weiteren Jobs müssen in der Folge automatisch ablaufen. Die Jobs suchen sich alle Daten selbst. Über Drucklisten oder sonstige zu verteilende Ausgabedaten werden automatisch Nachbereitungs- bzw. Verteilungs-Protokolle erstellt.

Wozu benötigen wir also noch einen Maschinen-Belegungsplan? In der WMF würde sich das Aufschreiben des Jobnamens lediglich auf das Ziehen einer Lochkarte bzw. auf eine Bildschirm-Eingabe verlagern. Man kann auch unter dem Gesichtspunkt der Abhängigkeit zwischen Realtime- und Batch-Verarbeitung die These aufstellen: Je größer die Datenintegration, je höher der Automationsgrad in der Ablaufsteuerung ist, desto weniger wird ein Maschinen-Belegungsplan vermißt. Diese Aussage berührt nicht einen erforderlichen Terminplan.