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29.10.1999 - 

DV und Recht/Befreiung von der Gewerbesteuer

Wie IT-Berater ohne Studium als Freiberufler anerkannt werden

Viele selbständige IT-Berater ohne Diplom zahlen Gewerbesteuer, da sie meinen, ohne einen entsprechenden akademischen Abschluß den Status des Freiberuflers nicht erlangen zu können. Daß dies ein Irrtum ist, zeigt ein finanzgerichtliches Verfahren, in welchem einem DV-Berater zuerkannt wurde, sich autodidaktisch Kenntnisse eines Informatikers angeeignet zu haben, ohne den formalen Studienabschluß zu besitzen.

Der IT-Berater hatte Anfang der 70er Jahre eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und danach eine Ausbildung im DV-Bereich absolviert. Anschließend war er als Angestellter in einem Unternehmen als Operator und später als Gruppenleiter im Bereich der Systemprogrammierung tätig. Während dieser Zeit hatte er diverse Seminare besucht.

Als er sich 1984 als Systemberater selbständig machte, stufte ihn das Finanzamt als gewerblich ein, da er nicht über einen einschlägigen Studienabschluß verfügte. Dagegen klagte der IT-Berater ein erstes Mal - und verlor das Verfahren für das Jahr 1984. Sein Fehler: Er hatte seine Kenntnisse nicht umfangreich genug dargestellt und als "beratender Betriebswirt" argumentiert. Aufgrund der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist diese theoretische Möglichkeit jedoch praktisch aussichtslos.

Zwischenzeitlich - das Urteil erging 1988 - hatte der IT-Berater gegen die weiteren Gewerbesteuerbescheide Einsprüche eingelegt, so daß hier das Verfahren neu aufgerollt werden konnte. Da das Finanzamt nicht einlenken wollte, mußte er erneut klagen. Im Mittelpunkt der Argumentation stand jetzt aber der "Informatiker", der nach der Rechtsprechung des BFH mit dem Ingenieur und damit einem Freiberufler gleichgestellt ist. In den nunmehr vorgelegten Unterlagen wurden die Tätigkeiten des IT-Beraters mit einem Diplom-Informatiker ausführlich verglichen, die erworbenen Kenntnisse einschließlich des Training-on-the-job beschrieben und in den rechtlichen Rahmen eingeordnet.

In der Sitzung vor dem Finanzgericht konnte der IT-Berater persönlich glaubhaft machen, daß er die behaupteten Kenntnisse auch tatsächlich besitzt. Darauf stufte ihn das Gericht als Freiberufler ein. Das Finanzamt schloß sich dieser Erkenntnis an und hob die mittlerweile insgesamt sieben Gewerbesteuermeßbescheide ersatzlos auf.

Dieser Fall zeigt, daß die Anerkennung als freiberuflicher IT-Berater nicht am fehlenden Diplom scheitern muß. Auch umfangreiche praktische Erfahrung kann ausreichen. Insofern ist der Autodidakt grundsätzlich nicht schlechter gestellt als der Akademiker; die Durchsetzung dieses Anspruchs bedarf jedoch einer gründlichen Aufarbeitung und glaubhaften Präsentation der Kenntnisse. Ob eine realistische Chance dazu besteht, ist nur im Einzelfall zu beurteilen - aus der Erfahrung läßt sich jedoch sicher sagen, daß diese Chance häufig erheblich größer ist, als allgemein angenommen wird. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter www.dr-grunewald.de.

*Benno Grunewald ist Rechtsanwalt in Bremen.