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28.09.2001

Wie IT-Verantwortliche auf den Terror reagieren

MÜNCHEN (wh) - Großanwender wie Banken und Fluglinien sind von den Anschlägen in den USA besonders betroffen. Die 350 Mitarbeiter der New Yorker Commerzbank-Filiale im World Financial Center wurden nach den Angriffen evakuiert. Das Gebäude lag unmittelbar neben den Türmen des World Trade Center.

Etwa 100 Mitarbeiter erhielten im Ausweichquartier Rye im Bundesstaat New York einen neuen Arbeitsplatz. Dies geschah "von einem Tag auf den anderen", berichtet Sprecher Peter Pietsch. Die übrigen Angestellten brachte die Commerzbank in angemieteten Räumen in Midtown Manhattan unter. Die evakuierte Niederlassung liegt innerhalb des Sperrbezirks und kann gegenwärtig nicht betreten werden.

In Rye unterhält der Finanzkonzern auch ein Backup-Rechenzentrum, das kurz nach den Anschlägen den Betrieb aufnahm. Die Einrichtung von Ausweichrechenzentren ist für Finanzunternehmen in den USA obligatorisch. Alle Kernanwendungen der Commerzbank seien funktionsfähig geblieben, sagt Pietsch. Eine Unterbrechung habe es nicht gegeben.

Zusätzliche Investitionen für den Schutz der IT-Infrastruktur plane die Commerzbank derzeit nicht. Der Wechsel auf das Ausweichrechenzentrum habe gut funktioniert. Wann die Banker die Filiale im Financial District wieder beziehen können, ist offen. Pietsch: "Das kann derzeit kein Mensch beantworten." Bis die Aufräumarbeiten abgeschlossen sind, würden viele Monate vergehen, möglicherweise mehr als ein Jahr.

Die Kelsterbacher Lufthansa Systems, IT-Dienstleister des Luftfahrtkonzerns, will sich zum Thema Katastrophenschutz vorerst nicht äußern. "Aus sicherheitsrelevanten Gründen" gebe man derzeit keine Stellungnahme ab, so Sprecher Andreas Eicher. Beim US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing sieht man unterdessen weit reichende Konsequenzen für die gesamte Branche: "Jeder, der mit der Luftfahrtindustrie Geschäftsverbindungen unterhält, ist davon betroffen", glaubt Unternehmenssprecher Tom Ryan.

Galileo International, Betreiber eines weltweiten Flugreservierungssystems, hat seine IT-Kapazitäten deutlich aufgestockt. Nach den Anschlägen sei mit einem Ansturm auf das System zu rechnen, berichtet PR-Managerin Gretchen Cavin. Viele Kunden würden Flüge umbuchen oder stornieren. Um die wachsende Nachfrage nach Ticketinformationen von Reisebüros, Fluggesellschaften und Internet-Benutzern zu bewältigen, habe man zusätzliche Rechenleistung bereitgestellt. Galileos Konkurrent Sabre leitete über seinen Outsourcing-Partner EDS ähnliche Schritte ein.

Auch bei der Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) sind die Anschläge nicht ohne Folgen geblieben. Zwar waren die Banker von den Angriffen auf das World Trade Center nicht direkt betroffen. Doch das Thema Disaster Recovery steht für die IT-Verantwortlichen ganz oben auf der Liste. "Die Dringlichkeit hat zugenommen", erklärt Frank Roth, Geschäftsführer des verantwortlichen IT-Dienstleisters HVB Info. "Nach den Attentaten ist deutlich geworden, dass auch Großbanken zu potenziellen Zielen von Terroristen gehören."

IT-Verantwortliche wägen ab zwischen den Kosten für zusätzliche IT-Sicherheit und den Risiken, die damit abgewendet werden können. "Diese Risiken sind größer geworden", urteilt Roth. Davon betroffen sind auch geplante IT-Investitionen; sicherheitsrelevante Themen erhielten eine höhere Priorität. Einschlägige Projekte wie redundante Hardware- und Softwaresysteme würden schneller in Angriff genommen.

Beispielsweise sind synchrone Datenkopien an verschiedenen Standorten der HVB in der Großrechnerwelt (MVS, S/390) größtenteils schon realisiert. Für Unix- und NT-Systeme würden solche Mechanismen nun beschleunigt implementiert. Notfallpläne und das Krisen-Management, insbesondere für kundenrelevante IT-Systeme, habe man auf den neuesten Stand gebracht. "In Summe erhöhen sich die IT-Investitionen aber nicht", so der IT-Verantwortliche. Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen gingen zu Lasten anderer Projekte.