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29.08.1980

"Wie kommen junge Leute an den Computer heran?"

Mit den Fachbuchautoren Dr. Horst Spitschka und Christian Spitschka sprach Dieter Eckbauer

150 K hat das Programm, in knapp drei Jahren schaffte Christian Spitschka eine für einen 18jährigen erstaunliche Leistung: Sein Schulverwaltungspaket, dessen Einsatz keine DV-Kenntnisse erfordert, ist vorführbereit. Dr. Horst Spitschka, Fachhochschullehrer für Datenverarbeitung in München, hat seinen Sohn während der Programmerstellung "mit Rat und Tat" unterstützt.

- Herr Spitschka junior, darf man fragen, wie alt Sie sind?

Christian Spitschka: Ich bin achtzehn Jahre alt.

- Dürfen wir trotzdem Du sagen?

Christan Spitschka: Sie dürfen.

- Man hört immer wieder, die heutige Jugend sei nicht motiviert, sich mit dem Computer zu beschäftigen. Nun hat Du uns gerade ein Schulverwaltungsprogramm vorgeführt des Du auf einem Personal Computer selbst entwickelt hast. Fühlst Du Dich unter Deinen Altersgenossen als Ausnahme?

Christian Spitschka: Ich weiß natürlich nicht, wieviel junge Menschen es gibt, die ebenso begeistert sind wie ich, vor einem Computer zu sitzen und damit zu arbeiten und auch die Ausdauer mitbringen, größere Projekte zu programmieren.

- Wie wird denn Dein Programmier-Hobby bei Deinen Schulkameraden, bei Deinen Freunden aufgenommen? Bestaunen die Dich als siebtes Weltwunder?

Christian Spitschka: Nein, eigentlich nicht. Ich muß aber sagen, daß ich der einzige in unserer Schule bin, der sich für Informatik interessiert, der sich überhaupt mit einem Buch beschäftigt hat. Das ist so ziemlich eine Ausnahme bei uns.

- Also doch. Worin liegt für Dich als Schüler die Schwierigkeit, in den Informatik-Stoff einzudringen? Ist diese Materie nicht sehr trocken?

Christian Spitschka: Also, meiner Meinung nach ist Informatik kein trockenes Gebiet, wie manche behaupten. Bei mir war es so, daß ich mir die Kenntnisse, was jetzt Sortierlogik anbelangt oder Wiederhollogik und solche Sachen selbst erarbeiten mußte.

Dr. Horst Spitschka: Darf ich mich vielleicht mal einschalten. Ich würde die Frage anders sehen und zwar so, daß man sagt, wie kommen junge Leute heute an den Computer heran. Und da meine ich, daß mein Sohn den Vorteil hatte, daß ich ihn computerverrückt gemacht, ihm einen Computer und Unterlagen von mir gegeben habe, so daß der Junge daran arbeiten konnte. Ich kann mir vorstellen, daß heute durch entsprechenden Unterricht, durch Motivation durch den Lehrer sehr viele junge Menschen an den Computer herankommen.

- Eine Frage an Vater und Sohn: Können Sie sich vorstellen daß es auch ohne Anstoß, ohne Vorbild gegangen wäre?

Christian Spitschka: Das würde ich verneinen.

Dr. Horst Spitschka: Er würde sich nicht an den Computer gewagt haben, ohne Vorbild . .

Christian Spitschka: . . . bestimmt nicht . . .

Dr. Horst Spitschka: . . . ohne Motivation durch den Vater oder durch das Gerät, durch den Computer als solchen. Informatik ist heute ein bißchen so eine Art Schreckgespenst, vor allem, weil man früher Informatik an den Schulen mangels eines Computers rein mathematisch aufgezogen hat. Da wurden endlose Formeln und Schaltkreise gezeichnet - und das ist ja eigentlich nicht der Sinn des Informatik-Unterrichts, zumindest nicht, um junge Leute für das Thema zu begeistern.

- Christian, was macht Dir denn den größten Spaß an der Computerei?

Christian Spitschka: Fehler herauszufieseln aus dem Programm und dann zu sehen, wie es funktioniert, empfinde ich als die beste Motivation und auch den besten Lehrmeister für das Programmieren.

- Ganz am Anfang haben wir schon angesprochen, daß Du ein Schulverwaltungsprogramm geschrieben hast. Wieviel Zeit hat Dich denn das gekostet?

Christian Spitschka: Vor drei Jahren habe ich angefangen, das Programm zu schreiben. Ich habe dann immer wieder gewisse Module meinem Vater vorgeführt und ihn damit überrascht. Vielleicht als Größenordnung: Das Programm hat ungefähr 150 K und ist virtuell gespeichert.

- Gab es einen Zeitpunkt, an dem Du gesagt hast, jetzt mag ich nicht mehr, jetzt schmeiß ich den Krempel hin ?

Nein, je schwieriger die Probleme wurden- und das wurden sie auch, wenn ich an die Sortierlogik denke oder an Löschen und Wiederholen desto mehr habe ich mich dafür begeistert.

- Wie wird es jetzt bei Dir weitergehen.

Christian Spitschka: Ich will, wenn ich das Abitur habe, Informatik studieren . . .

Dr. Horst Spitschka: . . . an einer Fachhochschule in München - obwohl das Problem ist, wo er hingehen soll. Christian wäre sehr interessiert, wenn er die Möglichkeit hätte, auch bei einer Firma zu arbeiten, um sich dann umzuschauen. Er möchte Wirtschaftsinformatik machen - und aus bestimmten privaten Gründen möchte er nach München. Er will jetzt auch bei "Jugend forscht in der EDV mitmachen und hofft, daß irgendwann einmal eine Firma auf ihn aufmerksam wird, die ihm dann so ein bißchen unter die Arme greift.

Beispiele gibt es ja, daß Firmen aus der DV- und Elektronik-Industrie heute recht gern Azubis der Informatik hospitieren lassen.

Dr. Horst Spitschka: Christian braucht das finanziell nicht. Es geht einfach darum, daß ihm jemand vom Technischen her hilft.

- Christian, dieses Schulverwaltungsprogramm hast Du ja nicht für den Papierkorb geschrieben, sondern Du wirst den Wunsch haben, daß es auch eingesetzt wird. wie beurteilst Du die Chancen dafür?

Christian Spitschka: Die Chancen sind insofern gut, als das Programm die Möglichkeit bietet, daß jede Schule ihre eigenen Schülermerkmale eingeben kann, ohne Programmier-Erfahrung zu besitzen. Weiterhin können Fächerkombinationen und Zeugnisformate selbst eingegeben werden - egal wie sie aussehen. Es handelt sich praktisch um ein vollkommen autonomes Programm, das unabhängig ist von irgendwelchen Bestimmungen oder Vorgaben. Ich würde sagen, dies ist einer der Hauptpunkte, daß das Programm gut ankommen könnte.